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Kartografierung: Pokemon-Go-Daten steuern Lieferroboter

Die KI-Firma Niantic Spatial nutzt Milliarden von AR-Scans, um Lieferrobotern von Coco Robotics eine zentimetergenaue Navigation zu ermöglichen.
/ Nils Matthiesen
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Niantic Spatial navigiert Lieferroboter präzise. (Bild: Joe Raedle/Getty Images)
Niantic Spatial navigiert Lieferroboter präzise. Bild: Joe Raedle/Getty Images

Das auf KI-Kartografierung spezialisierte Unternehmen Niantic Spatial(öffnet im neuen Fenster) hat eine Partnerschaft mit Coco Robotics(öffnet im neuen Fenster) bekannt gegeben, um die Navigation von autonomen Lieferrobotern zu verbessern. Grundlage für die Kooperation ist das Visual Positioning System (VPS). Dieses ermöglicht es den Robotern, ihre Position auf Gehweg-Niveau bis auf wenige Zentimeter genau(öffnet im neuen Fenster) zu bestimmen.

Das geschieht nicht über herkömmliches GPS, das in dichten städtischen Häuserschluchten oft unzuverlässig ist, sondern durch den Abgleich von Kamerabildern mit einer dreidimensionalen Karte der Umgebung.

Die Datenbasis für diese Art von Karte stammt zu einem erheblichen Teil von den Nutzern der App Pokemon Go . Nach der Abspaltung der Spielesparte und dem Verkauf des Titels an Scopely im Mai 2025 verblieben die Kartierungsdaten und die Technologie bei der eigenständigen Firma Niantic Spatial.

Laut Unternehmensangaben flossen mehr als 30 Milliarden Bilder in das Training des Modells ein. Besonders ertragreich war die 2020 eingeführte Funktion AR Mapping. Dabei wurden Spielern in Feldforschungsaufgaben gezielt Scans von Statuen und Wahrzeichen abverlangt(öffnet im neuen Fenster) , um im Gegenzug In-Game-Belohnungen zu erhalten. Auch Daten aus den als Arenen bekannten Kampfschauplätzen wurden verwendet.

Kontinuierliche Kartenaktualisierung im Betrieb

Ein entscheidender Vorteil der Crowdsourcing-Daten ist die Vielfalt der Aufnahmen. Da dieselben Orte von zahlreichen Nutzern zu unterschiedlichen Tageszeiten, bei wechselndem Wetter und aus verschiedenen Winkeln erfasst wurden, verfügt das VPS über eine hohe Robustheit gegenüber visuellen Veränderungen. Die Lieferroboter von Coco Robotics sind mit vier Kameras ausgestattet, die ihre Umgebung permanent erfassen und mit den Daten von Niantic Spatial abgleichen.

Synergieeffekte wie bei Tesla und Waymo

Die Kooperation folgt dem Prinzip des Fleet Learnings, das bereits zentrale Säule bei Unternehmen wie Tesla oder Waymo ist. Während diese Firmen ihre Fahrzeugflotten nutzen, um Bilddaten für das Training ihrer Fahr-KI zu sammeln, greift Niantic Spatial auf die Vorarbeit von Millionen Smartphonenutzern zurück.

Sobald die mit VPS ausgestatteten Roboter im Regelbetrieb unterwegs sind, wird das System zum Selbstläufer: Die Maschinen fungieren bei jeder Fahrt als mobile Sensoren. Die dabei erfassten Umgebungsdaten fließen zurück in das Modell von Niantic Spatial, um die Genauigkeit der Karte laufend zu erhöhen und Veränderungen im Stadtbild in Echtzeit zu erfassen. Durch diese Verknüpfung entsteht ein geschlossener Kreislauf, in dem die physische Bewegung der Roboter die Qualität der digitalen Karte stetig verbessert, die sie selbst zur Orientierung benötigen.


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