Kartendienst: Microsoft und Amazon könnten sich an Here beteiligen

Mit digitalen Karten könnte in Zukunft viel Geld verdient werden: Autonom fahrende Autos sind auf präzises Datenmaterial ebenso angewiesen wie Logistikdienstleister, die ihre Waren schnell zum Kunden bringen müssen. Die deutschen Automobilhersteller Daimler, BMW und Audi übernahmen den ehemaligen Nokia-Kartendienst Here vor einem Jahr für 2,8 Milliarden Euro , um nicht in Abhängigkeit von Datenanbietern wie Google zu geraten. Zu groß war damals offenbar die Sorge, dass Google oder ein anderes Internetunternehmen Here komplett übernähme, und die Autohersteller dann davon abhängig seien, welche Daten sie zu welchen Preisen erhielten.
Nun sollen neue Anteilseigner aufgenommen werden. Wie das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) berichtet, gibt es Gespräche mit Dutzenden von Interessenten. Nach Angaben von Here-Chef Edzard Overbeek sollen Ende 2016 die neuen Beteiligungen unter Dach und Fach sein. Mögliche Partner könnten aus der IT-Industrie, der Logistik oder dem Handel kommen, sagte Overbeek.
Offiziell wurden keine Namen genannt, doch nach Informationen des Handelsblatts sollen unter anderem Microsoft und Amazon in Gesprächen mit Here sein. Gerüchte zu Amazons Plan, bei Here einzusteigen , gab es schon im April 2016. Denkbar wäre zum Beispiel, dass das Unternehmen eine eigene Flotte mit autonomen Lkw aufbaut, um Waren zwischen den Auslieferungslagern zu transportieren. Laut Reuters könnte Amazon solche hochpräzisen Echtzeitkarten gebrauchen, um seinen schnellen Lieferservice in großen Städten besser realisieren zu können.
Autonome Autos ohne gute Karten undenkbar
Digitale Karten gelten als wichtiges Element für die Verkehrssysteme der Zukunft. Sie dienen nicht nur als Grundlage für Echtzeitnavigationssysteme, die Staus und Umfahrungen berücksichtigen, sondern auch für Assistenzsysteme für das automatisierte und autonome Fahren. Wenn Fahrzeuge sich selbst einen Weg durch den Verkehr bahnen sollen, sind sie nicht nur auf ihre Sensoren, sondern auch auf präzises Kartenmaterial angewiesen. Die hochauflösenden Karten sollen eine Genauigkeit von 10 bis 20 cm haben und werden mit Laserscannern generiert. Aktuelle Meldungen sollen auch von Sensoren in Fahrzeugen selbst geliefert werden.
Here ist nicht konkurrenzlos: Google und Tomtom bieten ebenfalls digitales Kartenmaterial an.



