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Kartellverfahren: US-Staatsanwälte fordern Verkauf von Googles Anzeigenbörsen

Nachdem eine Richterin eine illegale Monopolstellung Googles festgestellt hat, geht es nun um die Konsequenzen für das Onlinewerbegeschäft.
/ Friedhelm Greis
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Googles Werbeanzeigensysteme könnten verkauft werden. (Bild: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images)
Googles Werbeanzeigensysteme könnten verkauft werden. Bild: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Dem US-Suchmaschinenkonzern Google droht eine Abspaltung seiner Verkaufssysteme für Onlinewerbung. In dem Kartellverfahren vor einem Bundesbezirksgericht im US-Bundesstaat Virginia geht es seit dem 22. September 2025 um die Frage, wie die im April 2025 festgestellte Monopolstellung Googles beseitigt werden kann. Die Staatsanwaltschaft fordert dazu den Verkauf der Werbeanzeigenbörse Ad Exchange (AdX) und einen schrittweisen Verkauf des Verlegerangebots Doubleclick for Publishers (DFP).

In dem Verfahren hatte Bundesrichterin Leonie Brinkema entschieden , dass diese Teile von Googles Geschäft für Onlinewerbung eine illegale Monopolstellung einnehmen.

Google verdient nicht nur Geld damit, dass auf den eigenen Websites wie der Google-Suche Werbung über AdX geschaltet wird. Das Unternehmen vermittelt per DFP auch zwischen Werbetreibenden, die ihre Werbung online platzieren möchten, und beispielsweise Verlagen, Bloggern oder anderen Inhalteerstellern, die Werbung beispielsweise auf ihrem Internetauftritt schalten wollen.

Schneller Verkauf von AdX gefordert

Die US-Generalstaatsanwaltschaft reichte am 13. Juni 2025 ihre Vorschläge ein, um die festgestellten Verstöße abzustellen. Dem 17-seitigen Dokument(öffnet im neuen Fenster) (PDF) zufolge zielen die ersten beiden von acht Maßnahmen darauf ab, die beiden Werbebörsen-Tools AdX und DFP zu verkaufen. Mit Blick auf AdX schlägt das US-Justizministerium vor, "dass diese Veräußerung so schnell wie möglich erfolgt und von einem vom Gericht bestellten Treuhänder überwacht wird, der potenzielle Käufer für AdX suchen würde" . Über AdX werden die Google-Suchbegriffe (Adwords) vermarktet.

Mit Blick auf DFP soll Google in einer ersten Phase verpflichtet werden, "eine API und eine Server-zu-Server-Verbindung für DFP bereitzustellen, um Prebid Header-Bidding-Wrapper(öffnet im neuen Fenster) , einschließlich derjenigen, die von Nicht-Google-Werbebörsen implementiert wurden, zu integrieren und Gebote von diesen zu erhalten, und zwar auf die gleiche Weise und zu den gleichen Bedingungen, wie DFP sich mit AdX integriert und Gebote von diesem einholt" .

In einer zweiten Phase soll Google den Code der DFP-Auktionslogik veröffentlichen und für Organisationen der Werbebranche oder Werbeteilnehmer lizenzieren. Google solle zudem eine API in DFP bereitstellen, um Informationen über Direktverkäufe und Gebote aus indirekten Quellen zu übermitteln. In der dritten und letzten Phase sollte Google verpflichtet werden, die Reste von DFP über einen Treuhänder wie bei AdX zu verkaufen.

Kritik von Branchenverband

Die stellvertretende Generalstaatsanwältin Abigail Slater schrieb zum Verhandlungsauftakt auf X(öffnet im neuen Fenster) : "Vergangene Woche haben wir in der Kartellabteilung die Innovationswoche gefeiert. Diese Woche setzen wir unsere Worte in die Tat um, indem wir gegen Big Tech und Big Law vorgehen, um den Wettbewerb für offene Internetwerbung zu liberalisieren."

Der Branchenverband CCIA kritisierte die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen als zu weitgehend. "Der Werbemarkt ist hart umkämpft, und Unternehmen haben mehr Möglichkeiten denn je, Kunden zu erreichen. Kartellrechtliche Abhilfemaßnahmen sollten eng auf die spezifischen festgestellten Schäden zugeschnitten sein" , sagte CCIA-Präsident Matt Schruers in einem Statement(öffnet im neuen Fenster) .

Die EU-Kommission ist 2023 ebenfalls zur Ansicht gelangt , dass Google seine Marktmacht im Werbegeschäft missbraucht. Konkret ging es beispielsweise darum, dass Google seine eigene Werbebörse AdX begünstigt haben soll, indem AdX im Voraus über das beste Gebot von Wettbewerbern informiert worden sei.

Zudem soll der hauseigene Werbedienst Google Ads, über den etwa andere Unternehmen Anzeigen auf zu Google gehörenden Seiten schalten können, beispielsweise konkurrierende Werbebörsen gemieden haben, was AdX zur attraktivsten Werbebörse gemacht habe.


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