Kartellbeschwerde: Deutsche Verleger werfen Amazon Erpressung vor
Ein Branchenverband hat gegen den US-Konzern Amazon Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht(öffnet im neuen Fenster). Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels behauptet: Seit Anfang Mai verzögere der Online-Händler die Auslieferung von gedruckten Büchern der schwedischen Verlagsgruppe Bonnier, um höhere Rabatte beim Einkauf von E-Books zu erzwingen. So würde die Marktmacht Amazons als Einkäufer elektronischer Bücher missbraucht.
Amazon verstoße mit "seinem erpresserischen Vorgehen" gegen das Kartellrecht, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Das Bundeskartellamt werde aufgefordert, eine Untersuchung aufzunehmen und das Vorgehen von Amazon zu unterbinden. Bonnier Media gilt als drittgrößte Buchhandelsgruppe in Deutschland. Zur Verlagsgruppe gehören Aladin, Ars Edition, Berlin Verlag, Carlsen, Hörbuch Hamburg, Piper, Thienemann-Esslinger, Ullstein Buchverlage sowie der Buchvertrieb Blank.
Amazon hat sich zu der Kartellbeschwerde bislang nicht geäußert.
Die Verlage hätten wegen der übermächtigen Stellung von Amazon so gut wie keine Möglichkeiten, auf alternative Absatzportale auszuweichen. Nach Angaben des Verbandes der Versandbuchhändler hat Amazon beim Online- und Versandhandel mit gedruckten und digitalen Büchern in Deutschland einen Marktanteil von rund 70 Prozent.
In den USA führt Amazon die gleiche Auseinandersetzung mit Hachette. Amazon.com hatte in den USA zudem eine Zeitlang Vorbestellungen für Film-DVDs von Time Warner Warner Brothers verweigert, um die Preise zu drücken. Hier wurde laut Informationen des Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) inzwischen aber eine Lösung gefunden.