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Karsten Wildberger: Deutschlands digitale Brieftasche kommt halbfertig

Das staatliche Wallet soll 2027 starten. Doch zentrale Funktionen werden fehlen, Sicherheitsfragen bleiben und das Projektmanagement ist mau.
/ Andreas Donath
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Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (Bild: Bundestag.de/Screenshot: Golem.de)
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger Bild: Bundestag.de/Screenshot: Golem.de

Die digitale Brieftasche soll Bürgern ermöglichen, Personalausweis und Führerschein auf dem Smartphone zu hinterlegen, Identitätsnachweise online zu erbringen, elektronisch zu signieren und künftig auch zu bezahlen. Die EU hat die Vorgaben gesetzt, Deutschland muss liefern. Doch was zum angekündigten Starttermin im Januar 2027 tatsächlich bereitstehen wird, ist bereits jetzt absehbar wenig, berichtet der Tagesspiegel(öffnet im neuen Fenster).

Interessenkonflikte im Projektkern

Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) wurde mit der operativen Umsetzung betraut, obwohl sie für Großprojekte dieser Art eigentlich nicht konzipiert ist. Schnell tauchten Fragen zur Neutralität der technischen Entscheidungen auf. Der eingesetzte Projektleiter arbeitete parallel für eine eigene Beratungsfirma, die für die Open Wallet Foundation (OWF) tätig war. Ein Jurymitglied, das technische Weichenstellungen begleiten sollte, war der CTO ebendieser Organisation.

Die Sprind sieht darin keine Interessenkonflikte und verweist auf das Sprind-Freiheitsgesetz, das sie seit Januar 2024 von bestimmten Compliance-Vorschriften freistellt, wie der Tagesspiegel berichtet.

Fachleute, die mit dem Projekt vertraut sind, zweifeln dennoch an der Neutralität der getroffenen Entscheidungen. Die OWF wird unter anderem von der Telekom und Google finanziert und gilt in der Branche als Lobbyinstrument.

Ein Starttermin, der kaum zu halten sein dürfte

Was die Wallet zum Launch tatsächlich leisten wird, ist bereits bekannt. Basisdaten wie Name, Geburtsdatum und Adresse sollen verfügbar sein, ebenso einfache Nachweise. Qualifizierte elektronische Signaturen, Pseudonyme und Zahlungsfunktionen werden hingegen fehlen. Auch der sogenannte Zero-Knowledge-Proof, also das Verfahren zum Altersnachweis ohne Übermittlung des echten Geburtsdatums, dürfte zum Start nicht einsatzbereit sein.

Das Digitalministerium räumt das inzwischen selbst ein. Eine Sprecherin erklärte dem Tagesspiegel, die Wallet werde zum Start noch nicht alle nach der eIDAS-Verordnung(öffnet im neuen Fenster) erforderlichen Funktionen umfassen. Deutschland startet also mit einer Lösung, die EU-Vorgaben zunächst nur teilweise erfüllt.

Sicherheitsbewertung steht aus

Hinzu kommen offene Sicherheitsfragen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat bislang keine abgeschlossene Bewertung vorgelegt. Insider berichten, die vorgesehene Architektur der Sprind-Wallet könnte die regulären BSI-Standards absehbar nicht erfüllen. Interne Sicherheitsbedenken sollen sowohl von der Sprind als auch von der BSI-Hausleitung beiseitegeschoben worden sein, was beide Seiten dementieren.

Wildberger bleibt optimistisch, die Zweifel wachsen

Minister Wildberger gibt sich unbeirrt. Bei einem Auftritt in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger versicherte er auf die skeptische Frage, ob wirklich alles Anfang 2027 komme:"Ja, natürlich!" Die Frage ist, wie viel dieses Versprechen bringt, wenn ein Großteil der angekündigten Funktionen schlicht nicht fertig sein wird.


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