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Kaputtes Lizenzmodell: MPEG-Gründer sieht Videocodecs in Gefahr

Wegen eigener Probleme und der freien Konkurrenz der Aomedia sieht der Gründer der Moving Pictures Expert Group deren Lizenzmodell in Gefahr. Er zieht daraus den abwegigen Schluss, dass damit auch die Weiterentwicklung von Videocodecs gefährdet werde.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Der Gründer der MPEG: Leonardo Chiariglione
Der Gründer der MPEG: Leonardo Chiariglione (Bild: Isabella Chiariglione, Wikimedia/CC-BY-SA 3.0)

"Gute Geschichten haben ein Ende, so dass auch das MPEG-Geschäftsmodell nicht ewig überdauern kann", schreibt der Gründer der Moving Pictures Expert Group (MPEG), Leonardo Chiariglione, in seinem Blog. Als Grund dafür nennt Chiariglione einerseits die derzeit extrem verworrene Lizenzsituation für den MPEG-Codec HEVC alias H.265 und andererseits die sich abzeichnende starke freie Konkurrenz der Alliance for Open Media (Aomedia) mit dem kommenden Internet-Standard-Codec AV1.

Inhalt:
  1. Kaputtes Lizenzmodell: MPEG-Gründer sieht Videocodecs in Gefahr
  2. Keine MPEG, keine Codecs
  3. Open Source rettet den Codec

Mit dem Ende der Einnahmen der MPEG-Teilnehmer über das bisherige Modell werde es aber auch mit der MPEG-Organisation selbst zu Ende gehen und damit letztlich auch mit der Weiterentwicklung von Videcodecs, vermutet Chiariglione. Dazu wird es angesichts des breiten Industrie-Interesses wohl aber nicht kommen. Vermutlich werden aber auch die Lösungsvorschläge des MPEG-Gründers nicht mehr zur Rettung der MPEG beitragen. Stattdessen wird sich wohl eher das Open-Source-Modell der Aomedia durchsetzen.

Die Lizenzierung für den HEVC-Vorläufer AVC alias H.264 ist vergleichsweise einfach. Mit der MPEG-LA gibt es nur ein Konsortium, das die Patente verwaltet. Für Lizenznehmer ist eine Jahreshöchstgebühr festgelegt. Für HEVC gibt es dagegen zusätzlich zur MPEG-LA das konkurrierende Konsortium HEVC Advance, die im vergangenen Jahr gegründete Velos-Media, deren Lizenzbestimmungen bisher nicht öffentlich sind, sowie weitere große Unternehmen mit möglichen Patenten an HEVC, die in keinem der Konsortien organisiert sind. Die Kosten für HEVC-Lizenzen sind damit schwer zu kalkulieren. Außerdem sind sie extrem hoch - vor allem im Vergleich zu AVC -, da sie meist auch nicht mehr gedeckelt sind.

Chiariglione schließt daraus: "Endlich wird allen klar, dass das alte MPEG-Geschäftsmodell bankrott ist, dass sich alle Investitionen (zusammen Hunderte Millionen US-Dollar) der Industrie für den neuen Video-Codec in Rauch auflösen werden und dass sich das kostenfreie Lizenzmodell der Aomedia auf andere Geschäftssegmente ausbreiten wird". Der Informatiker fügt noch an: "Die Situation kann als tragisch bezeichnet werden".

Zukunft der MPEG steht auf dem Spiel

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Als möglichen Ausweg aus dem Dilemma schlägt Chiariglione größere Änderungen an dem bisherigen Vorgehen der MPEG vor. So solle es künftig einen von der Gruppe angebotenen Standard-Codec geben, der zwar lizenzkostenfrei zur Verfügung steht, allerdings weiter an bestimmte weitere Lizenzbedingungen geknüpft sein könnte.

Darüber hinaus sollten die Coding-Werkzeuge der MPEG so gestaltet werden, dass deren Herkunft und Eigentumsrechte klar erkennbar seien. Darauf aufbauend sollte es keine Profile in den MPEG-Standards mehr geben. Die Standards sollten letztlich auch vorsehen, dass bestimmte Coding-Werkzeuge an- und abgeschaltet werden können. Nutzer und Lizenznehmer könnten so relativ leicht sehen, welche Rechte sie verwenden wollen, und dies über die Coding-Werkzeuge steuern. So wäre dann auch klar, bei welchen Konsortien die entsprechenden Rechte lizenziert werden müssten.

Diese Idee wird so ähnlich auch für den freien Codec AV1 der Aomedia umgesetzt. Wie etwa das Aomedia-Mitglied Bitmovin schreibt, werden Kodierexperimente in AV1 erst dann standardmäßig aktiviert, wenn daran hängende Immaterialgüterrechte abschließend geklärt sind und die Funktionen so problemlos von der Aomedia verteilt werden können. Für andere Experimente fallen demzufolge vielleicht doch Lizenzzahlungen an, oder es besteht zumindest die theoretische Gefahr, für deren Nutzung verklagt zu werden.

Doch trotz dieser Überlegungen und Lösungsvorschläge betrachtet Chiariglione die Zukunft der MPEG alles andere als gut und befürchtet mit einem Ende der MPEG gar ein Ende der Entwicklung von Videocodecs.

Keine MPEG, keine Codecs 
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