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Kapazitätsengpässe: Oranienburg erlaubt keine neuen Hausanschlüsse mehr

Der Strombedarf in Oranienburg ist zu hoch für neue Verbraucher geworden. Ein neues Umspannwerk kommt zu spät für neue Wärmepumpen und Wallboxen .
/ Friedhelm Greis , dpa
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Neue Ladesäulen gibt es in Oranienburg erstmal nicht. (Bild: Tobias Schwarz / AFP via Getty Images)
Neue Ladesäulen gibt es in Oranienburg erstmal nicht. Bild: Tobias Schwarz / AFP via Getty Images

Mit der brandenburgischen Stadt Oranienburg hat erstmals eine deutsche Kommune einen Genehmigungsstopp für neue Hausanschlüsse sowie größere Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen verhängt. "Nach vorläufiger Bewertung der Bundesnetzagentur handelt es sich um Fehleinschätzungen bei der Planung" , teilte die Regulierungsbehörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Vergleichbare Fälle in Deutschland gebe es aus ihrer Sicht nicht. Die Situation sei aber nicht akzeptabel.

Die Ursache für den Engpass besteht nach Angaben der Stadtwerke Oranienburg (öffnet im neuen Fenster) darin, dass der Netzbetreiber Edis keine zusätzliche Leistung über sein vorgelagertes Hochspannungsnetz bereitstellen kann. Schon vor mehr als einem Jahr seien zusätzliche Kapazitäten am Umspannwerk angefordert worden.

Zum erhöhten Strombedarf hätten unter anderem "das starke wirtschaftliche Wachstum, der Zuzug von Neubürgern nach Oranienburg sowie der verstärkte Einbau von Wärmepumpen geführt" , hieß es. Der Strombedarf habe "sich enorm entwickelt, schneller, als es in der Vergangenheit vorausgesehen wurde" , sagte Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos).

Neues Umspannwerk kommt zu spät

Ein seit 2023 geplantes neues Umspannwerk soll jedoch erst Ende 2026 den Betrieb aufnehmen und eine "deutlich erhöhte Stromabnahme aus dem Hochspannungsnetz ermöglichen" . Nach Angaben der Stadtwerke wird zusammen mit Edis an einer Zwischenlösung gearbeitet, um den Engpass zu beseitigen. Der Stadt zufolge ist die Nutzung eines temporären Ersatz-Umspannwerks oder der Einsatz von Gasturbinen zur Stromversorgung im Stadtwerke-Netz möglich.

Die Bundesnetzagentur hat erst im vergangenen November den Anschluss von steuerbaren Verbrauchern neu geregelt . Die neuen Vorgaben sollen verhindern, dass Netzbetreiber die Installation von Wallboxen oder Wärmepumpen generell ablehnen können, weil eine Überlastung des Netzstranges durch zu viele Verbraucher drohen könnte. Im Gegenzug erhalten die Netzbetreiber die Möglichkeit, diese Verbraucher auf eine Mindestleistung von 4,2 Kilowatt (kW) drosseln zu können.

Doch im Falle Oranienburgs droht keine Überlastung des Niederspannungsnetzes. Vielmehr können die Stadtwerke nicht genügend Strom aus dem vorgelagerten Hochspannungsnetz beziehen. Die Bundesnetzagentur verwies jedoch darauf, dass Netzbetreiber die allgemeine Pflicht hätten, Verbraucher anzuschließen. Das gelte auch für Wärmepumpen oder Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge. "Netzbetreiber haben ihr Netz zudem vorausschauend zu ertüchtigen, um grundsätzlich Problemen mit mangelnder Kapazität vorzubeugen" , hieß es weiter.


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