Kandidaten-Triell: Sogar Gendern ist wichtiger als Digitalisierung

Das Kanzlerkandidaten-Triell auf RTL hat leider bestätigt: Das Thema Digitalisierung interessiert in diesem Wahlkampf offenbar niemanden mehr.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz (v. l. n. r.) beim Kandidatentriell auf RTL
Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz (v. l. n. r.) beim Kandidatentriell auf RTL (Bild: Michael Kappeler/Pool via Reuters)

Noch zu Beginn dieses Jahres war für politische Beobachter klar, dass es im Bundestagswahlkampf 2021 auch darum gehen würde, wie Deutschland die Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Schulen meistern kann. Zu desaströs war der Eindruck, den die Bürger diesbezüglich während der Corona-Pandemie gewonnen hatten. Doch das erste Kanzlerkandidaten-Triell am Sonntag beim Fernsehsender RTL bestätigte den Verlauf des diesjährigen Wahlkampfs: Digitale Themen finden im Grunde gar nicht mehr statt.

Stellenmarkt
  1. Senior Solution Architect Azure (m/w/d)
    operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, München, Hamburg
  2. IT-Infrastruktur-Systembetre- uer (m/w/d)
    Psychiatrisches Zentrum Nordbaden, Wiesloch
Detailsuche

Das liegt sicherlich nicht daran, dass Deutschland plötzlich seine Probleme bei der Digitalisierung wie von Zauberhand gelöst hätte. Doch in den vergangenen Monaten haben sich andere Themen in den Vordergrund geschoben, die deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit erhielten. So ließen die RTL-Moderatoren Pinar Atalay und Peter Kloeppel die Kandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) zunächst über die Situationen in Afghanistan diskutieren.

Anschließend ging es ausführlich um Corona und um den Klimawandel, was angesichts der Hochwasserkatastrophen in Nordrhein-Westfalen und im Ahrtal mehr als berechtigt ist. Des Weiteren ging es um soziale Gerechtigkeit, Steuerpolitik, Gendern und innere Sicherheit. Digitalisierungsthemen? Fehlanzeige.

Laschet ignoriert EuGH-Urteil zu Vorratsdatenspeicherung

Lediglich am Rande diskutierten Laschet und Scholz mehr oder weniger kompetent über das Thema Vorratsdatenspeicherung. Nach Ansicht des CDU-Vorsitzenden und nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten kann man Kindesmissbrauch im Internet nur abstellen, "wenn man die Beweise sichern kann. Wenn wir da auch eine Vorratsdatenspeicherung haben, dass wir auf diese schlimmen Dinge zurückgreifen können. Alles bisher nicht durchsetzbar. Ich glaube, wir brauchen hier einen Neuanfang, um diesen Formen von Kriminalität entgegenzutreten".

Golem Akademie
  1. IT-Fachseminare der Golem Akademie
    Live-Workshops zu Schlüsselqualifikationen
  2. 1:1-Videocoaching mit Golem Shifoo
    Berufliche Herausforderungen meistern
  3. Online-Sprachkurse mit Golem & Gymglish
    Kurze Lektionen, die funktionieren
Weitere IT-Trainings

SPD-Kandidat und Bundesfinanzminister Scholz belehrte ihn dann, dass die Vorratsdatenspeicherung derzeit auf Eis liege, weil sie vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüft werde. "Wenn das entschieden wird, wird die sofort in Kraft gesetzt, weil das Gesetz ja schon da ist", sagte Scholz. Doch die Bestätigung der von Union und SPD beschlossenen Vorratsdatenspeicherung ist eher unwahrscheinlich, da der EuGH die anlasslose und massenhafte Speicherung von Telekommunikationsdaten bislang immer abgelehnt hat.

Golem ENTHUSIAST

Nicht besonders auf der Höhe der Diskussion zeigte sich Laschet zudem beim Thema Videoüberwachung. "Ich finde, dass öffentliche Plätze durchaus durch Videoüberwachung sicherer werden. Ein ewig langer Streit. Geht nicht, dieses jenes", sagte der Unionskandidat. Baerbock belehrte Laschet zu Recht, dass eine Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen wie an Bahnhöfen oder im Nahverkehr längst üblich sei. Die aktuell diskutierte Frage, ob die Kameras gesuchte Verdächtige mithilfe automatisierter Gesichtserkennung aufspüren sollen, sparten Moderatoren und Kandidaten hingegen aus.

Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass Laschet, Scholz und Baerbock ihre Kompetenz bei Digitalisierungsthemen doch noch beweisen müssen. Denn am 12. September (ARD/ZDF) und am 19. September (ProSieben/Sat.1/Kabeleins) sind weitere Trielle geplant. Zudem gibt es am 23. September in ARD und ZDF eine Diskussionsrunde mit den Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien. Vielleicht wird in diesem Sextell endlich die Frage geklärt, ob es nach der Bundestagswahl ein Digitalministerium geben soll.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


W-Mann 12:44 / Themenstart

Ja es ist wirklich fürchterlich wie hier gewaltsam ohne jeden Sinn und Verstand ein...

ApfelTasche 07. Sep 2021 / Themenstart

.. man da nicht wirklich durchsteigt und im Grunde genommen es auch nicht versteht. Also...

Sharra 01. Sep 2021 / Themenstart

Und auch du kannst deinen Beissreflex zurückfahren. Ich hatte Baerbock und die Grünen gar...

Alessey 01. Sep 2021 / Themenstart

Nicht mit Fakten kommen. Einfach höchstmieten fodern, ist viel einfacher. Konsequenz...

Clown 01. Sep 2021 / Themenstart

Eben. Wir haben hier ein älteres BQ und ein OnePlus 7T Pro. Beide sind mit den...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Datenleck
Daten von 106 Millionen Thailand-Reisenden geleakt

In einer ungeschützten Datenbank fanden sich die Daten der Thailand-Reisenden aus den letzten zehn Jahren - inklusive Reisepassnummern.

Datenleck: Daten von 106 Millionen Thailand-Reisenden geleakt
Artikel
  1. Laserbeamer: Xiaomis Kurzdistanzprojektor kostet unter 1.500 Euro
    Laserbeamer
    Xiaomis Kurzdistanzprojektor kostet unter 1.500 Euro

    Der Fengmi R1 kann aus der Nähe Bilder von 50 bis 200 Zoll aufspannen und kostet relativ wenig. Dafür macht er bei der Auflösung Abstriche.

  2. Betriebssystem: Einige Windows-11-Apps funktionieren nicht ohne Internet
    Betriebssystem
    Einige Windows-11-Apps funktionieren nicht ohne Internet

    Um Platz zu sparen, müssen sich einige vorinstallierte Windows-11-Apps mit dem Internet verbinden. Auch ein Microsoft-Konto ist dafür nötig.

  3. Weihnachtsgeschäft: Amazon benötigt wieder 10.000 Saisonkräfte
    Weihnachtsgeschäft
    Amazon benötigt wieder 10.000 Saisonkräfte

    Amazon stellt im Weihnachtsgeschäft wieder viele Befristete ein und zahlt angeblich 12 Euro brutto.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Asus 23,8" FHD 144Hz 166,90€ • PS5 bei Amazon zu gewinnen • Gaming-PC mit Ryzen 5 & RTX 3060 999€ • Corsair MP600 Pro 1TB mit Heatspreader PS5-kompatibel 162,90€ • Alternate (u. a. Asus WLAN-Adapter PCIe 24,90€) • MM-Prospekt (u. a. Asus TUF 17" i5 RTX 3050 1.099€) [Werbung]
    •  /