Warum ist die Chatkontrolle problematisch?

Die geplanten Vorgaben sind aus mehreren Gründen problematisch, da sie gewissermaßen eine dauerhafte Onlinedurchsuchung aller Kommunikationsinhalte auf den Endgeräten erfordern. Bislang erfolgt eine solche Durchsuchung heimlich durch Ermittlungsbehörden und ist nur in wenigen Einzelfällen erlaubt, weil damit das Fernmeldegeheimnis und das Recht auf die Integrität informationstechnischer Systeme außer Kraft gesetzt werden. Eine anlass- und verdachtsunabhängige Aufhebung dieser Grundrechte hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Falle der Vorratsdatenspeicherung mehrfach abgelehnt.

Stellenmarkt
  1. Ingenieur Validierung & Verifikation für mechatronische Fahrwerkaktuatoren (m/w/d)
    Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
  2. Software Consultant/IT-Projektmanager (m/w/d) Transportlogistik
    ecovium GmbH, Bielefeld, Düsseldorf
Detailsuche

Darüber hinaus besteht das Risiko, dass solche Systeme früher oder später für andere Zwecke eingesetzt werden. Da selbst die Kommission eine Missbrauchsgefahr der Technik sieht, sollen Anbieter "wirksame interne Verfahren" einsetzen, um eine missbräuchliche Nutzung zu verhindern oder aufzudecken. Damit soll beispielsweise verhindert werden, dass die Anbieter nach anderen Inhalten suchen und diese ausleiten. Da verschlüsselte Kommunikation ebenfalls gescannt werden soll, ist vertrauliche Kommunikation im Grunde nicht mehr möglich.

Wie fehleranfällig ist die Technik?

Zwar soll die Technik "ausreichend zuverlässig" sein, um die Zahl von falschen Meldungen möglichst stark zu reduzieren. Doch bei den unzähligen Nachrichten, die jeden Tag über Messenger ausgetauscht werden, sorgt auch eine extrem niedrige Fehlerrate dafür, dass massenhaft private und intime Nachrichten, Bilder und Videos an staatliche Behörden übermittelt werden - obwohl sie nicht im Entferntesten etwas mit Kindesmissbrauch zu tun haben.

Dabei dürfte die Fehlerrate bei einem Scan nach bisher unbekannten Missbrauchsabbildungen sowie von Textnachrichten auf mögliches Grooming deutlich höher sein und für noch viel mehr falsch-positive Meldungen sorgen.

Golem Akademie
  1. Cinema 4D Grundlagen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    04.-06.07.2022, Virtuell
  2. Informationssicherheit in der Automobilindustrie nach VDA-ISA und TISAX® mit Zertifikat: Zwei-Tage-Workshop
    19./20.07.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Zwar ist der Einsatz der Technik derzeit nur gegen Kindesmissbrauchsabbildungen und Grooming geplant, doch einmal eingeführt, lassen sich die Inhalte, nach denen gescannt werden soll, beliebig erweitern. So könnte beispielsweise auch nach terroristischen Inhalten, organisierter Kriminalität, politischem Aktivismus, Whistleblowing oder kritischem Journalismus gesucht werden.

Welche Rolle spielt das EU-Zentrum?

Das unabhängige EU-Zentrum soll mehrere Aufgaben übernehmen. So soll es eine Datenbank mit Indikatoren erstellen, die eine zuverlässige Identifizierung von kinderpornografischem Material und der Kontaktaufnahme zu Kindern im Sinne der EU-Vorschriften ermöglichen. Auch soll die Behörde Meldungen über solche Inhalte von den Dienstanbietern entgegennehmen, auf mögliche falsch-positive Fälle prüfen und an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden und Europol weiterleiten. Das Zentrum soll den Anbietern die erforderlichen Techniken zur Inhalteerkennung kostenlos bereitstellen.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Plante Apple nicht etwas Ähnliches?

Der US-Konzern Apple plante im Jahr 2021 einen sogenannten Fotoscan. Das Unternehmen wollte die Fotos von iPhone- und iPad-Nutzern auf kinderpornografisches Material scannen, bevor diese in die iCloud geladen werden. Der Scan der Fotos soll direkt auf den Geräten der Nutzer erfolgen. Dazu sollten Hashes von den vorhandenen Dateien gebildet und lokal mit einer Datenbank abgeglichen werden, die Hashes von bekanntem kinderpornografischen Material enthält.

Die Pläne wurden nach dem Aufschrei von Nutzern und Sicherheitsexperten aber nicht umgesetzt. Apple lege mit dem angekündigten Fotoscan den Grundstein für globale Zensur, Überwachung und Verfolgung, warnten damals 90 Menschenrechtsorganisationen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Wie kann so ein Scan funktionierenHilft die Chatkontrolle überhaupt gegen Kindesmissbrauch? 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


win.ini 07:52 / Themenstart

Also ein Tempolimit bringt doch sehr wohl etwas?!

ds4real 15. Mai 2022 / Themenstart

Kinder sind Mal wieder ein vorgeschobenes Totschlagargument. Ich finde die Aussage, dass...

CraWler 13. Mai 2022 / Themenstart

https://www.piratenpartei.de/2022/05/10/zerstoerung-des-digitalen-briefgeheimnisses-klage...

Mucky78 13. Mai 2022 / Themenstart

Das hatte ich schon verstanden. Ich wollte damit nur sagen, auch wenn der zweite Teil...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Raspberry Pi
Besser gießen mit Raspi und Xiaomi-Pflanzensensor

Wer keinen grünen Daumen hat, kann sich von Sensoren helfen lassen. Komfortabel sind sie aber erst, wenn die Daten automatisch ausgelesen werden.
Eine Anleitung von Thomas Hahn

Raspberry Pi: Besser gießen mit Raspi und Xiaomi-Pflanzensensor
Artikel
  1. Activision Blizzard: Ausgewogene-Charakter-Tool sorgt für Diskussionen
    Activision Blizzard
    Ausgewogene-Charakter-Tool sorgt für Diskussionen

    Sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung? Entwickler von Call of Duty und Overwatch können ein Werkzeug für mehr Vielfalt verwenden.

  2. Bundesländer: Umweltminister einig über Autobahn-Tempolimit
    Bundesländer
    Umweltminister einig über Autobahn-Tempolimit

    Die Landesumweltminister der Bundesländer haben sich einstimmig für ein Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen. Was fehlt, ist dessen Höhe.

  3. Emirates Telecommunications Group: Abu Dhabi wird größter Anteilseigner von Vodafone
    Emirates Telecommunications Group
    Abu Dhabi wird größter Anteilseigner von Vodafone

    Für 4,4 Milliarden US-Dollar hat Emirates Telecommunications Group 10 Prozent an Vodafone erworben. Der staatliche Konzern ist bekannt für seine Internet-Inhaltefilter.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 46% Rabatt auf Mäuse & Tastaturen • Grafikkarten günstig wie nie (u. a. RTX 3080Ti 12GB 1.285€) • Samsung SSD 1TB (PS5-komp.) günstig wie nie: 143,99€ • Microsoft Surface günstig wie nie • Jubiläumsangebote bei MediaMarkt • Bosch Prof. bis zu 53% günstiger[Werbung]
    •  /