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Kamikaze-Drohnen: Bundeswehr vergibt Drohnen-Großauftrag an Start-ups

Die Bundeswehr will Kamikaze-Drohnen von Helsing und Stark Defence für jeweils 269 Millionen Euro beschaffen.
/ Andreas Donath
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Helsing HX-2-Drohne (Bild: Helsing)
Helsing HX-2-Drohne Bild: Helsing

Die Bundeswehr plant die Beschaffung von Kamikaze-Drohnen bei zwei deutschen Start-ups. Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin sollen Initialverträge über jeweils 269 Millionen Euro erhalten. Die Gesamtsumme des Rahmenvertrags könnte über sieben Jahre auf bis zu 4,3 Milliarden Euro anwachsen.

Das berichtete T-Online(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Vorlagen für den Haushaltsausschuss des Bundestags. Der Spiegel hatte die Nachricht zuvor ebenfalls gemeldet. DroneXL veröffentlichte Details(öffnet im neuen Fenster) aus den Beschaffungsunterlagen, die dem Parlament vorgelegt wurden.

Helsing erhält einen Rahmenvertrag von bis zu 1,46 Milliarden Euro für seine HX-2-Drohne. Das Münchner Unternehmen wurde 2021 gegründet und wird von Daniel Ek, dem Gründer von Spotify, unterstützt. Techcrunch berichtete(öffnet im neuen Fenster) , dass Ek im Juni 2025 eine Finanzierungsrunde anführte, die Helsing auf 12 Milliarden Euro bewertete.

Stark Defence kann auf einen Optionsrahmen von bis zu 2,86 Milliarden Euro für sein Virtus-System zugreifen. Das Berliner Unternehmen wurde im Februar 2024 von ehemaligen Bundeswehr-Offizieren gegründet. Tracxn dokumentiert(öffnet im neuen Fenster) , dass zu den Investoren Peter Thiels Thiel Capital zählt.

Rheinmetall zunächst nicht berücksichtigt

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall erhält vorerst keinen Zuschlag. Bloomberg meldete am 26. Januar(öffnet im neuen Fenster) , dass das Unternehmen übergangen werde. Die FV-014 Raider wurde erst im September 2025 auf der DSEI-Messe in London gezeigt. An der entscheidenden Erprobung in Munster im Oktober nahm Rheinmetall nicht teil.

Ein separater Vertrag für Rheinmetall könnte später im Jahr folgen, falls die Drohne die Tests besteht. Hartpunkt zitiert(öffnet im neuen Fenster) den SPD-Parlamentarier Andreas Schwarz mit der Aussage, die beiden schnellsten Anbieter sollten nicht länger auf den langsamsten warten.

Die Verträge enthalten Innovationsklauseln, die Helsing und Stark verpflichten, der Bundeswehr stets die neueste Technologie anzubieten. Das Handelsblatt ergänzt(öffnet im neuen Fenster) , dass die Verträge Leistungsziele enthielten. Bei Nichterfüllung laufe der Vertrag aus.

Letzte Hürde noch nicht genommen

Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss den Verträgen noch zustimmen. Die Wirtschaftswoche datierte(öffnet im neuen Fenster) die Abstimmung auf die letzte Februarwoche 2026. Die Genehmigung gilt als sicher.

Die Drohnen sind für die Panzerbrigade 45 in Litauen bestimmt. Die Brigade wurde am 22. Mai 2025 in Vilnius aktiviert und soll bis Ende 2027 mit 4.800 Soldaten voll einsatzfähig sein. Generalinspekteur Carsten Breuer verknüpfte bei Tests im Dezember die Erprobung direkt mit der Litauen-Brigade.

Bei den Tests in der Letzlinger Heide Anfang Dezember 2025 zeigte sich Breuer zufrieden. Die offizielle Bundeswehr-Website dokumentiert(öffnet im neuen Fenster) seine Anwesenheit. Er gab die Treffwahrscheinlichkeit beider Systeme mit über 90 Prozent an.

Teilweise Zweifel an der Zuverlässigkeit

Frühere Tests hatten gemischte Ergebnisse gezeigt. DroneXL berichtete im Oktober 2025(öffnet im neuen Fenster) , dass Starks Virtus in vier Angriffsversuchen bei zwei getrennten Übungen kein einziges Ziel traf. Bei der Bundeswehr-Erprobung in Munster verfehlte eine Drohne ihr Ziel um über 150 Meter.

Militarnyi berichtete(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf die Welt und ein Dokument des Verteidigungsministeriums, dass Helsings HX-2 in der Donbas-Region nur bei 5 von 14 Einsätzen erfolgreich war.

Helsing bestritt die negative Darstellung und verwies auf konkrete Kampferfolge. In kontrollierten Tests in Deutschland, Großbritannien und Kenia lag die Trefferquote der HX-2 bei nahezu 100 Prozent. Bei der Bundeswehr-Erprobung traf das System bei 17 von 17 Versuchen.

Die stufenweise Vertragsstruktur mit Optionen deutet darauf hin, dass die Bundeswehr auf iterative Weiterentwicklung setzt. Die Taz schreibt(öffnet im neuen Fenster) , dass die Innovationsklauseln die in der Ukraine beobachtete Entwicklungsdynamik bei Drohnentechnologie reflektieren.


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