Kameras und KI: Amazon will die Paketauslieferung überwachen

Mit im Lieferfahrzeug angebrachten Kameras will Amazon in den USA seine Angestellten, Verkehrssituationen und die Paketübergabe überwachen.

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Wird an der Frontscheibe des Lieferfahrzeugs angebracht und filmt in alle Richtungen: Überwachungssystem von Netradyne
Wird an der Frontscheibe des Lieferfahrzeugs angebracht und filmt in alle Richtungen: Überwachungssystem von Netradyne (Bild: Amazon/Screenshot: Golem.de)

Amazon will seine Lieferfahrzeuge in den USA mit Überwachungskameras ausstatten, um die Auslieferung von Paketen besser beobachten zu können. Dabei filmt und analysiert das System nicht nur die betroffenen Angestellten, sondern auch die Umgebung der Fahrerkabine mit insgesamt vier HD-Kameras. Das System soll mittels künstlicher Intelligenz (KI) gefährliche Verkehrssituationen oder Verhaltensweisen des Fahrers erkennen, aber auch die Paketübergabe dokumentieren.

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Das System filme die ganze Zeit, eine Audioaufnahme finde hingegen nicht statt, betont Karolina Haraldsdottir, Amazons Senior Managerin für Sicherheit auf der letzten Meile in einem nicht öffentlich gelisteten Video auf Vimeo, das rund eine Woche alt ist. Allerdings könne nicht live auf die Kameras zugegriffen werden.

Immerhin kann das System laut Haraldsdottir in Pausen, wenn der Motor aus ist, durch ein fünfsekündiges Drücken einer Taste deaktiviert werden - allerdings nur die Kamera, die das Innere des Fahrzeugs filmt. Sie bewirbt die Überwachungstechnik als Verbesserung der Kundenerfahrung und der Sicherheit für die Fahrer.

Innovative Überwachung durch Amazon

"Wir sind immer auf der Suche nach innovativen Wegen, um die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten. Deshalb haben wir uns mit Netradyne zusammengetan, um das Fahrerlebnis zu verbessern", sagt Haraldsdottir in die Kamera. Die kalifornische Firma Netradyne liefert Hard- und Software für das Überwachungssystem Driveri. Das Unternehmen biete "branchenführende Sicherheitssysteme, die Kollisionen durch Warnungen in der Fahrerkabine um ein Drittel reduzieren und um ein weiteres Drittel durch die Verbesserung des Fahrerverhaltens", erklärt Haraldsdottir.

Das System soll unangemessenes Fahrverhalten wie zu schnell fahren oder Ablenkung, beispielsweise durch ein Smartphone, erkennen und die Amazon-Angestellten darauf aufmerksam machen. Zudem sollen U-Turns, starkes Bremsen oder eine verdeckte Kamera das System triggern. Damit sollen Unfälle reduziert und die Fahrer besser zur Verantwortung gezogen werden können. Die Trigger sollen zu einem automatischen Upload des Videomaterials führen. Ein Upload könne jedoch auch vom Angestellten selbst getriggert werden, betont Haraldsdottir.

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Das Onlinemagazin The Information (Paywall) konnte mit einigen Amazon-Fahrern sprechen, die ihrerseits besorgt über den Einsatz der Technologie sind. Sie befürchten eine unfaire und invasive Überwachung, die sie noch mehr unter Druck setzen könne, die enge Terminplanung einzuhalten und dadurch zu einer weiteren Mehrbelastung führen könnte.

Amazon immer wieder in der Kritik

Wegen des schlechten Umgangs mit seinen Angestellten gerät Amazon immer wieder in Kritik. So wurde erst kürzlich bekannt, dass Amazon seinen Flex-Fahrern Trinkgeld von über 60 Millionen US-Dollar vorenthalten hatte. Selbst den Toilettengang nach der Pause soll Amazon seinen Angestellten untersagt haben.

Auch in Sachen Überwachung steht Amazon häufig in der Kritik. So soll das Unternehmen ein Patent angemeldet haben, das die Überwachung von Nachbarschaften mit Lieferdrohnen von Amazon beschreibt. Auch an der Gesichtserkennungssoftware Rekognition von Amazon entzündet sich regelmäßig Kritik. In Folge von Black-Lives-Matter-Protesten 2020 setzte das Unternehmen die Gesichtserkennungssoftware für die Polizei für ein Jahr aus, wälzte allerdings die Verantwortung an die Politik ab - auf die es jedoch mit einem eigenen Gesetzesentwurf Einfluss nimmt.

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