Waffe oder Raumschiff?: Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe

Die Volksrepublik China soll eine Hyperschallwaffe getestet haben. China dementiert und sagt, es sei ein Raumschiff gewesen.

Ein Bericht von Patrick Klapetz veröffentlicht am
Die wehende amerikanische US-Flagge vor dem chinesischen Wappen in Beijing, China
Die wehende amerikanische US-Flagge vor dem chinesischen Wappen in Beijing, China (Bild: Getty Images News)

Ein Bericht der Financial Times entfacht Aufregung. Darin heißt es, die Volksrepublik China habe eine nuklearfähige Hyperschallrakete getestet. Diese habe laut einer mit dem Test vertrauten Person ihr eigentliches Testziel um nur knapp 40 Kilometer verfehlt. Dies sei bereits im Sommer gewesen.

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Am 18. Oktober 2021 dementierte der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, auf einer Pressekonferenz den Einsatz einer Waffe: "Es handelte sich nicht um eine Rakete, sondern um ein Raumfahrzeug. Dies ist von großer Bedeutung für die Senkung der Kosten für die Nutzung von Raumfahrzeugen."

Was ist eine Hyperschallwaffe?

Zu den Hyperschallwaffen gehören allerdings auch Gleitkörperraketen, die mit einer anderen Rakete zunächst ins All befördert werden. Diese umkreisen die Erde dann mit ihrem eigenen Schwung und fliegen mit fünffacher Schallgeschwindigkeit. Sie sind zwar langsamer als ballistische Raketen, dafür aber wendig und folgen nicht der festen Parabelflugbahn.

Der Financial Times erklärt der Experte für chinesische Nuklearpolitik, Taylor Fravel, dass solche Waffen die US-amerikanische Flugabwehr "ausheben" könnten. Denn diese sei auf ballistische Raketen ausgerichtet. Er sagte: "Hyperschall-Gleitflugkörper ... fliegen auf niedrigeren Flugbahnen und können während des Fluges manövrieren, was es schwierig macht, sie zu verfolgen und zu zerstören."

Große Anspannung zwischen China und den USA

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Der Vorwurf, dass die Volksrepublik eine Hyperschallwaffe teste, kann zu keiner ungünstigeren Zeit für das Reich der Mitte kommen. Die Spannungen zwischen China und Taiwan könnten gerade kaum größer sein. Die Volksrepublik will ihre Ein-Staaten-Politik durchsetzen und Taiwan seine Unabhängigkeit behalten.

Chinas Präsident Xi Jinping hat in der vergangenen Woche versprochen, trotz der verstärkten militärischen Aktivitäten Pekings und der zunehmenden Spannungen zwischen den beiden Nachbarn eine friedliche "Wiedervereinigung" mit Taiwan anzustreben, wie er es nennt.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen fand darauf für seine 23 Millionen Einwohner eine klare Antwort: "Es sollte absolut keinerlei Illusionen geben, dass sich das taiwanische Volk Druck beugen wird" und die Wiedervereinigung würde "weder ein freies und demokratisches Leben noch Souveränität" für Taiwans Bevölkerung bedeuten.

Bereits vor längerer Zeit haben die USA den Ausbau der diplomatischen Beziehungen mit Taiwan angekündigt, was die Volksrepublik zu Jahresanfang als ein Zeichen des Angriffs deutete. Sie drohte den USA im Januar mit harter Strafe. Ohnehin sind die Spannungen zwischen China und den USA groß. Es geht beispielsweise um Konflikte der Handelspolitik oder Verletzungen von Menschenrechten in China.

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Oder Aufregung um nichts?

Ob China tatsächlich eine solche Hyperschallwaffe getestet hat, ist unklar. Der chinesische Pressesprecher Liu Pengyu erklärte auf die Anschuldigungen, dass sein Land stets eine "defensive" Militärpolitik betreibe und es nicht auf ein bestimmtes Land abgesehen habe. Im Falle von Taiwan möge dies beispielsweise nicht unbedingt stimmen. Worin Pengyu womöglich aber Recht haben sollte: "Wir haben keine globale Strategie und keine Pläne für militärische Operationen wie die USA. Und wir sind überhaupt nicht an einem Wettrüsten mit anderen Ländern interessiert."

Die Nachricht, dass China eine Hyperschallwaffe getestet haben könnte, habe den US-Geheimdienst überrascht, heißt es bei der BBC. Am Montag erklärte der US-Botschafter für Abrüstung, Robert Wood, die USA seien "sehr besorgt" und fügte hinzu, Washington habe sich "mit militärischen Anwendungen dieser Technologie zurückgehalten".

Reportern im schweizerischen Genf sagte er: "Wir wissen einfach nicht, wie wir uns gegen diese Technologie verteidigen können, und China und Russland wissen das auch nicht." Zuvor hatte Mike Gallagher davor gewarnt, dass Washington, wenn es bei seinem derzeitigen Ansatz bleibe, innerhalb eines Jahrzehnts einen neuen Kalten Krieg mit China verlieren würde. Gallagher ist ein republikanisches Mitglied des Ausschusses für Streitkräfte des Repräsentantenhauses.

Laut Lijian vom chinesischen Außenministerium war nur ein Routinetest, um verschiedene Arten von wiederverwendbaren Raumfahrzeugen zu überprüfen. In der Tat sind Chinas Bemühungen im Weltraum groß. Am Samstagmorgen (Ortszeit) sind drei chinesische Taikonauten zum Kernmodul der zukünftigen chinesischen Raumstation Tiangong aufgebrochen. Sie sollen ein halbes Jahr auf der Station verbringen und wären damit länger als jede andere chinesische Person im All gewesen. Außerdem soll es den ersten Spacewalk einer Chinesin geben.

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Sharra 21. Okt 2021

Nicht lenkbare Raketen sind 90er. Du hast 30 Jahre Entwicklung verpennt.

desaboya 21. Okt 2021

Darfst dir gleich dieselbe Frage stellen.

jg (Golem.de) 20. Okt 2021

Sorry, hatte den Kommentar nicht gesehen, der Absatz ist schon heute morgen aus genau...

fabiwanne 20. Okt 2021

Die Zeiten des MIM-104 Patriot sind vorbei. Die USA hat man schon lange nicht mehr...

einglaskakao 20. Okt 2021

Also ich lebe nicht in den USA und habe damit nichts zu tun. Von welchem "Wir" sprichst...



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