Kaiserära Reiwa: Unicode 12.1 unterstützt die neue japanische Zeitrechnung

Ein Zeichen mehr: Für Japan wurde Unicode in einer neuen Version veröffentlicht. Das Land braucht dieses Zeichen dringend, da eine neue Kaiserära erstmals in das IT-Zeitalter fällt. Wer will kann in seinem Browser mit diesem Artikel auch schon testen, ob das Zeichen unterstützt wird.

Artikel veröffentlicht am ,
Mit ein paar Tagen Verspätung unterstützt Unicode die neue Reiwa-Ära.
Mit ein paar Tagen Verspätung unterstützt Unicode die neue Reiwa-Ära. (Bild: Tomohiro Ohsumi/Getty Images AsiaPac)

Mit ein paar Tagen Verspätung sind jetzt auch für Computer und anderes IT-Equipment die Voraussetzungen geschaffen worden, die neue japanische Reiwa-Zeitrechnung zu unterstützen. Unicode hat die Version 12.1.0 des Unicode-Standards veröffentlicht. Die Änderungsliste ist dabei ziemlich kurz, es gibt nämlich nur ein neues Zeichen, was die Anzahl der unterstützten Zeichen auf 137.929 erhöht. Die Änderung ist aber gerade für Japan von besonderer Bedeutung.

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Mit der Krönung eines neuen Kaisers beginnt nämlich traditionsgemäß eine neue Zeitrechnung. Die prinzipielle Möglichkeit, eine neue Zeitrechnung als Unicode-Charakter darzustellen, bestand zwar schon zu Beginn der Computerära, doch dies ist das erste Mal, dass das tatsächlich vollzogen wurde. Die letzte Thronbesteigung fand 1989 statt, zu einem Zeitpunkt, als eine GUI noch etwas Seltenes war, genauso wie die Darstellung diverser Zeichen. So wurde die jetzt ausgelaufene Heisei-Ära erst mit Unicode 1.1 1993 eingebaut.

Eine weitere Besonderheit ist die kurzfristige Ankündigung. Erst einen Monat vor der Krönung wurde der Name und damit das Zeichen der neuen Zeitrechnung bekannt. Ein Kompromiss, damit sich die IT-Industrie vorbereiten konnte, denn normalerweise wird der Name einer Zeitrechnung erst mit der Krönung bekannt gegeben.

Mit der Veröffentlichung von Unicode 12.1 ist es aber noch nicht getan. Jetzt sind Updates für die Betriebssysteme, die darauf basieren, an der Reihe. Manche Geräte werden nie die neue Zeitrechnung unterstützen. Für die noch unterstützten Windows-Systeme dürfte ein Update zu erwarten sein. Das schließt auch Windows 7 ein, denn zum einen läuft der Support noch bis Anfang 2020 und zum anderen verkauft Microsoft die sogenannten Extended Security Updates. Für Macs sind Updates für die letzten drei Betriebssysteme zu erwarten. Linux sollte ebenfalls sehr schnell und umfangreich die Unterstützung des Reiwa-Zeichens bekommen.

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Betriebssysteme ohne die Unterstützung werden, sofern sie etwa frei mit Unicode-Zeichen Dateien speichern können, durchaus Probleme mit der Darstellung bekommen. Letztendlich kann man aber von einer umfangreichen Unterstützung von Laptops und Desktops ausgehen.

Bei Smartphones und Tablets wird es hingegen kompliziert. Ob es noch einmal ein Update für Windows 10 Mobile für die Reiwa-Ära geben wird? Und was passiert mit den vielen Android-Telefonen, die längst keine Betriebssystemupdates und teils auch keine App-Updates mehr bekommen? Mit einem Android 2.x-Gerät kann nur noch mit Mühe der Browser aktualisiert werden, um das Zeichen zumindest im Web korrekt darzustellen. Das gilt auch für alte iOS-Geräte und deren Safari-Browser. Immerhin gibt es seitens Apple einen vergleichsweise langen Support.

Die Situation ist also recht spannend und zeigt, wie flexibel - oder eben auch nicht - unsere Industrie sein kann. Im Folgenden haben wir die Zeichen in unseren Artikel eingebaut:

Den Anfang macht die nun abgelaufene Heisei-Ära. Das [㍻-Zeichen], zur Orientierung in eckigen Klammern dargestellt, sollten alle modernen Browser darstellen können. Das funktioniert auch bei uns. In der Reiwa-Ära wird es bei uns komplizierter. Das [㋿-Zeichen] dürfte vermutlich keiner unserer Leser schon sehen können. Doch irgendetwas sollte dort stehen. Firefox zeigt bei uns etwa ein Viereck mit 32 und darunter FF an. Google Chrome hingegen gar nichts. Edge wiederum zeigt eine kleine Paketbox an, Opera liefert ein leeres Viereck.

Hierzulande ist die Situation ein wenig mit der Einführung des Euro-Zeichens vergleichbar, das bis heute problematisch ist. Erst mit den Zeichentabellen ISO-8859-15 und Windows-1252 wurde die Darstellung möglich, allerdings befindet sich das Euro-Zeichen je nach Betriebssystem an einer anderen Stelle innerhalb der Tabelle. Wer schon einmal eine Rakete von unten (offiziell: Währungssymbol) statt des Euro-Zeichens gesehen hat, der weiß: Da ist etwas gehörig schiefgelaufen. Wer es korrekt machen wollte, musste beispielsweise in Usenet-Clients Alt+0164 eintippen - und bekam unter Windows eine Rakete geliefert, denn das Euro-Zeichen steht unter Windows-1252 auf Position 128. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bis heute manchmal, auf das Euro-Zeichen zu verzichten.

Weitere Informationen zur neuen Zeitrechnung finden sich in unserem Artikel Neue Kaiserära in Japan: Das Jahr-1-Problem.

Nachtrag vom 8. Mai 2019, 15:04 Uhr

Mehrere Leser berichten im Forum, dass das Reiwa-Zeichen korrekt dargestellt werde. Wir können dies derzeit mit mehreren Rechner-/Browser-Kombinationen nicht reproduzieren.

Nachtrag vom 9. Mai 2019, 9:18 Uhr

Die Anzeige des Reiwa-Zeichens unter Windows 10 hängt nach Forenberichten mit KB44956667 zusammen, das für Windows 1809 und 1904 im Update-Katalog existiert. Das Update ist optional, wird aber teilweise (auch bei Rechnern von Golem.de) nicht angeboten. Andere Nutzer berichten, dass es automatisch installiert wird. Das Update wurde von Microsoft vor der Veröffentlichung von Unicode 12.1 freigegeben.

Nachtrag vom 9. Mai 2019, 11:45 Uhr

Für Windows-Nutzer lässt sich die Anzeige des Reiwa-Zeichens mit KB44956667 aktivieren. Das funktionierte auf einem unserer Rechner, die das Update nicht angeboten bekommen haben. Wer will, kann sich die Aktualisierung über den Microsoft Update Catalog herunterladen.

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Stebs 11. Mai 2019

Hier funktionierte es auf Anhieb mit Firefox Nightly, aber auch dem regulären Firefox 66...

George99 09. Mai 2019

Ich wüsste ja gerne noch, wie dieses Zeichen nun aussieht? Und wo gibt es 2019 noch...

nubok 09. Mai 2019

Bei mir funktioniert die Anzeige unter Windows 10 einwandfrei. Ebenso habe ich eine mir...

ase (Golem.de) 09. Mai 2019

[...] Ja, so im Nachhinein schon. Mir kam einfach nicht in den Sinn, dass vor dem...



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