Kagi Small Web ausprobiert: Surfen wie vor 25 Jahren
Das Internet steckt voller kleiner, privater Blogs, auf denen oft liebevoll aufbereitete Inhalte zu finden sind. Da derartige Seiten häufig keine SEO-Optimierung durchlaufen haben, sind sie in einer normalen Websuche schwer zu finden. Die alternative Suchmaschine Kagi (g+) hat daher bereits 2023 ihre Small-Web-Initiative gestartet(öffnet im neuen Fenster).
Kagis Small Web ist ein Archiv von rund 30.000 Blogs, die alle denkbaren Themen abdecken und von Privatpersonen erstellt wurden. Auch Videos bei Youtube, Github-Projekte und Comics sind enthalten. KI-Inhalte soll es nicht geben. Bislang konnten die Inhalte über eine spezielle Webseite aufgerufen oder mit Kagi durchsucht werden. Nun hat Kagi auch eine App für Android und iOS veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) – wir haben sie ausprobiert.
Die Small-Web-App bietet Zugang zu den gleichen 30.000 Webseiten wie die Weboberfläche, hat aber noch zusätzliche Funktionen. Öffnen wir die App, werden wir ohne Umschweife mit der ersten Webseite begrüßt – in unserem Fall ein Beitrag zur Komplexität der englischen Sprache.
Nächster Beitrag durch Wischen
Wischen wir nach links, erscheint das nächste Blog. So können wir uns durch das Angebot wischen und uns vom nächsten Thema überraschen lassen. Kagi zufolge werden die Beiträge manuell kuratiert und stammen aus der vorigen Woche, was die Auswahl aktuell halten sollte. Uns sind aber auch schon ältere Beiträge untergekommen.
Das Wischen zum nächsten Beitrag ist spannend, aber durch die Vielzahl an Themen manchmal auch unübersichtlich. Kagi hat daher mit der App eine Kategorisierung eingeführt, die auch in der Weboberfläche genutzt werden kann.
Damit lassen sich Themen eingrenzen, was zu interessanteren Ergebnissen führt, wenn man sich nur für bestimmte Aspekte interessiert. Die Themenauswahl ist ausreichend groß und in die drei Obergruppen Technologie und Wissenschaft, Kultur und Kreativ sowie Leben und Welt eingeteilt.
Jede Gruppe enthält eine Vielzahl von Unterthemen, wie etwa Fotografie, Retro, Essen und Trinken, Politik, DIY, Programmieren und Sysadmin. Interessant finden wir auch die Rubrik Essays, in der Blogs mit langen Texten enthalten sind. Die Themenauswahl beschränkt sich auf die Webseiten, die im Small Web enthalten sind – Videos, Github-Projekte und Comics können nicht kategorisiert werden.
Bunte Mischung aus Blogbeiträgen zu spannenden Themen
Unser Eindruck ist, dass die Blogauswahl am besten kuratiert ist. Bei den Videos werden uns etwa auch Youtube-Beiträge von Vox angezeigt, das zu einem großen Medienkonglomerat gehört und so ziemlich das Gegenteil von Small Web sein dürfte. Bei der Einführung von Small Web erklärte Kagi, dass "Small Youtube" Beiträge von Content Creators enthält, die unter 400.000 Abonnenten haben – keine sonderlich kleine Zahl.
In der App gibt es einen Lesemodus, der in unserem kleinen Test zuverlässig funktioniert und die Webseiten auf einem angenehm dunklen Hintergrund rendert. Bilder werden dabei zuverlässig dargestellt. Nutzer können Beiträge zudem liken; in der Liked-Rubrik lassen sich die Artikel mit den meisten Likes direkt aufrufen.
Außerdem gibt es eine Lesezeichenfunktion. Die so markierten Artikel lassen sich später lesen, was bei der Fülle an Inhalten hilfreich ist. Die Lesezeichensammlung ist hinter dem Drei-Punkte-Menü versteckt, das sich in der rechten oberen Ecke der App befindet. Artikel lassen sich auch teilen.
Strenge Vorgaben bei der Aufnahme neuer Webseiten ins Small Web
Nutzer können die Liste an Small-Web-Internetseiten selbst erweitern. Über Github(öffnet im neuen Fenster) können Webseiten und Youtube-Channels hinzugefügt werden, die dann für die Auswahl an Artikeln oder Videos infrage kommen.
Dabei müssen einige Regeln beachtet werden: Unter anderem sind illegale oder NSFW-Inhalte untersagt, Blogs dürfen zudem nicht mithilfe von KI erstellt worden sein. Zudem ist es Voraussetzung, dass die Webseite einen RSS-Feed hat.
Eine hinzugefügte Webseite muss ein Blog sein, dessen letzter Post nicht älter als zwölf Monate sein darf. Youtube-Kanäle müssen mindestens ein Video pro Woche veröffentlichen. Größter Pferdefuß für Nutzer, die des Englischen nicht mächtig sind: Aktuell werden keine Inhalte akzeptiert, die nicht auf Englisch sind. Webseiten, die Teil des Small Web sind, können das mit einem Badge auf der Seite zeigen.
Fazit
Die neue App für Kagis Small Web ist eine echte Möglichkeit, kleinere, aber mitunter sehr unterhaltsame und interessante Inhalte zu entdecken. Moderne Websuchmaschinen (auch Kagis eigene) geben privaten Blogs mit wenig Traffic in der Regel kaum eine Chance; in den Suchergebnissen rangieren sie weit hinten.
Die neuen Kategorien machen das Stöbern auch mit der Weboberfläche übersichtlicher. Wer sich thematisch überraschen lassen will, kann auch weiterhin alle Inhalte durchgehen, ohne eine Rubrik zu wählen.
Kagi Small Web lässt sich ohne Nutzerkonto verwenden. Ein Abo wie für die Suchmaschinenfunktion ist nicht notwendig.
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