Kaffee ohne Hitze: Forscher brühen Espresso mit Schallwellen
Forscher der University of New South Wales haben ein Verfahren entwickelt(öffnet im neuen Fenster), Espresso bei Raumtemperatur zuzubereiten, ganz ohne Hitze. Statt heißes Wasser unter Druck durch Kaffeemehl zu pressen, setzt das System auf hochfrequente Schallwellen. Eine Studie im Fachjournal Journal of Food Engineering(öffnet im neuen Fenster) beschreibt die Methode, deren Entwicklung von Dr. Francisco Trujillo geleitet wurde.
Wie das Verfahren funktioniert
Ein Schallwandler, ein kleines Metallbauteil an der Seite eines modifizierten Filterkorbs, versetzt den Korb in schnelle Schwingungen. Diese übertragen sich auf das Kaffeemehl und das Wasser. Dabei entsteht eine Ultraschallkavitation: Mikroskopisch kleine Blasen bilden sich im Wasser und kollabieren schlagartig. Beim Kollaps neben Kaffeepartikeln zersetzen sie die Oberfläche des Kaffeemehls und treiben Aromastoffe, Öle und Koffein ins Wasser, ohne dass Wärme nötig ist.
Schmeckt es auch so?
In einem Blindtest mit 100 Kaffeetrinkern konnten die Teilnehmer den Ultraschall-Espresso nicht vom klassisch gebrühten Kaffee unterscheiden. Die Zubereitung dauert bei der neuen Methode weniger als drei Minuten. Dr. Trujillo hatte zuvor bereits Cold Brew mit einer ähnlichen Methode von bis zu 24 Stunden auf drei Minuten verkürzt, allerdings ohne die typische Stärke und das Profil eines Espressos zu erreichen. Genau das war das erklärte Ziel der aktuellen Forschung.
Noch kein Produkt, aber ein Patent
Die Forscher sehen das größte Potenzial in der industriellen Produktion von Kaffeegetränken, wo Energieeinsparungen und kürzere Brühzeiten wirtschaftlich relevant wären. Ob das Verfahren im großen Maßstab funktioniert, ist bislang aber nicht erprobt. Eine Umsetzung in Heimgeräten oder Kaffeebars ist nicht absehbar. Die zugrunde liegende Technologie ist durch ein Patent von Dr. Trujillos Team geschützt.