Kabelnetzbetreiber: Tele-Columbus-Chef geht wegen Dominanz von United Internet

Nachdem United Internet den Aufsichtsrat bei Tele Columbus komplett übernommen hat, verliert der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber deswegen seinen Chef. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

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Timm Degenhardt
Timm Degenhardt (Bild: Sunrise)

Der Chef des zweitgrößten Kabelnetzbetreibers Tele Columbus, Timm Degenhardt, wird seinen Vertrag nicht verlängern. Das gab das Unternehmen am 17. Dezember 2019 bekannt. "Grund für seine Entscheidung sind die Veränderungen im Aufsichtsrat", erklärte Tele Columbus. Der Großaktionär United Internet hatte im August bei Tele Columbus (Pyur) sein eigenes Team im Aufsichtsrat durchgesetzt. Es gelang United Internet, alle bisherigen Aufsichtsratsmitglieder durch eigene Kandidaten zu ersetzen.

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Degenhardt werde seinen am 31. August 2020 endenden Vertrag als Vorstandsvorsitzender nicht verlängern. Er hatte die Position erst am 1. Januar 2018 übernommen. Der Aufsichtsrat werde "zu gegebener Zeit einen Nachfolger bestellen".

Degenhardt kam von dem schweizerischen Telekommunikationsbetreiber Sunrise. Bereits im Februar 2017 gab der Deutsche seinen Posten als Chief Consumer Officer auf, um "sich neuen Herausforderungen zuzuwenden". Er war bei Sunrise seit 2013 zunächst als Chief Marketing Officer und Chief Commercial Officer tätig gewesen sowie Mitglied des Vorstands und zuständig für das Endkundengeschäft. "Gerade im deutschen Markt gilt es, viele international bereits selbstverständliche Medien- und Technologie-Entwicklungen aufzuholen", sagte Degenhardt damals.

United Internet besitzt annähernd 29 Prozent an Tele Columbus, an dem sich im Oktober auch Rocket Internet mit rund 12 Prozent beteiligte.

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Tele Columbus hatte im dritten Quartal 24.000 Kunden verloren. Bei den Internetkunden gelang jedoch eine Steigerung um 2.000 im Vergleich zum Vorquartal auf 579.000.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) hat Klage gegen Tele Columbus eingereicht. Im Kundenanschreiben von Ende Februar kündigte die Firma Preiserhöhungen zum 1. April 2019 an. Der Anstieg belief sich auf knapp fünf Prozent des monatlichen Entgelts, in den meisten Verträgen sind das weniger als 2 Euro. Der Betreiber verwies in seinen Schreiben auf erhöhte Lohn-, Bau- und Energiekosten. Die Verbraucherschützer halten die zugrunde liegende Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für unzulässig.

"Bei Beträgen von ein bis zwei Euro monatlich lohnt es sich für einzelne Verbraucher nicht, ihre Rechte gegenüber Tele Columbus durchzufechten. Aber in der Summe geht es dennoch um viel Geld", sagte Michèle Scherer, Referentin für Digitale Welt bei der VZB. Denn die fragliche Klausel, Kunden seien erst bei einer Entgelterhöhung von mehr als fünf Prozent berechtigt, den Vertrag vorzeitig zu kündigen, halten die Verbraucherschützer für unzulässig.

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