Just Cause 4 im Test: Physikalisch berechnetes Chaos

Just Cause gilt als Vorreiter für offene Welten, jetzt geht der vierte Teil wieder einen Schritt voran: Hauptfigur Rico Rodriguez kämpft mit und gegen Physik- und Wettereffekte. Das macht stellenweise sehr viel Spaß - ein richtig großer Wurf ist den Entwicklern aber nicht geglückt.

Artikel veröffentlicht am ,
Artwork von Just Cause 4
Artwork von Just Cause 4 (Bild: Square Enix)

Den ersten Schuss haben in Just Cause 4 haben wir nicht auf einen Gegner abgefeuert, sondern auf ein Fass. Natürlich haben wir geahnt, dass das mit einem Feuersymbol markierte Behältnis explodiert und ein oder zwei Feinde in der Nähe ausschaltet. Was wir nicht geahnt haben: Gleichzeitig wurde ein Öltank demoliert. An dessen Ende ist ein Feuerstrahl ausgetreten, worauf das riesige Ding wie eine wild gewordene Rakete über das Schlachtfeld sauste und fast alle Gegner eliminierte.

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Nach dieser Überraschung holen wir erst mal tief Luft und erklären, worum es geht. In dem von Avalanche Studios produzierten Just Cause 4 kämpfen wir als Rico Rodriguez auf der tropischen Insel Solis gegen den Superschurken Espinosa und dessen Helferin Gabriela sowie gegen die Söldnerarmee Schwarze Hand. Espinosa und Gabriela sind auf komplizierte Art mit Rico und dessen Helferin Mira verbunden - die hanebüchene Story wird durch die relativ aufwendigen Zwischensequenzen nicht plausibler oder interessanter.

Als Rico können wir uns auf Solis die meiste Zeit frei bewegen, um durch das Erfüllen von Aufgaben nach und nach immer mehr Regionen zu übernehmen und so Espinosa und seine Helfer irgendwann zu besiegen. In den besten Momenten haben wir tatsächlich das Gefühl, in einer großen Auseinandersetzung zwischen einer Söldnerarmee und dem einheimischen Widerstand zu stecken: Dann sehen wir um uns Leuchtspurmunition zwischen den Fronten hin- und hersausen, sehen Explosionen und Truppenbewegungen.

Die eigentlichen Einsätze sind dann aber recht simpel: Wir müssen Generatoren finden und zerstören, Gefangene befreien oder zusammen mit einem Computerexperten einen Server der Feinde hacken. Einige wenige dieser Jobs müssen wir unter Zeitdruck erledigen - davon abgesehen, ist der einzige verfügbare Schwierigkeitsgrad aber sehr fair.

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Der eigentliche Clou von Just Cause 4 ist die Physik, die wir so in anderen aktuellen Spielen nicht finden. Wir können Öltanks als Boden-Boden-Rakete verwenden, und auch sonst viele andere Objekte aus der Umgebung für unsere Zwecke nutzen. Beispielsweise Ballons an riesigen Containern befestigen und Letztere über feindlichen Stellungen abstürzen lassen. Mehr Chaos richten wir mit Schubraketen, Sprengstoff und weiteren kombinierbaren Extras an, die zum großen Teil über den weiterentwickelten Enterhaken aus den früheren Spielen aufgerufen werden.

Wetter zum Weglaufen

Die technische Qualität dieser simulierten Physik ist im Vergleich mit den meisten anderen Spielen beeindruckend. Trotzdem sollte man in diesem Baukasten keine echt aussehenden Effekte erwarten: Herunterfallende oder umstürzende Gegenstände wirken oft zu leicht und reagieren übertrieben - beim Anrichten von Chaos (das ist ein genau so genannter Wert im Spiel) macht das System trotzdem Spaß.

Eng damit verbunden sind die Wetterextreme, die Inseldiktator Espinosa mit einer Supermaschine herbeizaubern kann. So gibt es eine Mission, in der eine riesige Windhose ganze Siedlungen zerstört; auch Rico kann sich dann mit dem Fallschirm oder dem Wingsuit in die Höhe tragen lassen - muss aber aufpassen, dass er nicht mit herumgewirbelten Flugzeugen oder Lastkraftwagen kollidiert.

Das sieht imposant aus, und auch sonst macht die Grafik an vielen Stellen einen guten Eindruck - vor allem, wenn man sich die riesige Inselwelt mit ihren Bergen, Tälern und Stränden aus der Höhe anschaut. Am Boden wirken einige der Gebäude und die für den Dschungel verwendeten Texturen stellenweise aber detailarm. Etwas mehr stört uns, dass das Spiel immer wieder kleine Grafikfehler produziert, etwa plötzlich verschwindende Gebäude oder Ruckler.

Just Cause 4 ist für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 erhältlich. Der Preis liegt auf allen Plattformen bei rund 60 Euro. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, das englische Original lässt sich über die Optionen aktivieren. Besonders störend auf Konsolen ist, dass Untertitel und eingeblendete Hilfstexte in einer winzigen Schrift verfasst sind. Es gibt weder Mikrotransaktionen noch einen Multiplayermodus. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Vor allem mit den Physik- und Wettereffekten bringt Just Cause 4 spannende neue Elemente in eine offene Welt. Es macht anfangs sehr viel Spaß, mit explodierenden Öltanks und sonstigen zerstör- und manipulierbaren Gegenständen eine Insel ins Chaos zu stürzen. An diesen Stellen blitzt immer wieder das anarchische Potenzial der ungewohnt großen Freiheit auf. Eine Zeit lang trägt die Mischung aus Bastelkasten für experimentierfreudige Spieler und sehr flotter Action mit viel Wumms prima.

Leider ist das interessante Konzept nicht so richtig zu Ende geführt, denn die Abenteuer von Rico bieten trotz der vielen Möglichkeiten langfristig zu wenig Abwechslung, insbesondere beim immer gleichen Befreien von Regionen. Außerdem stören die vielen kleinen, in der Summe aber eben doch allzu sichtbaren Fehlerchen, sowie die fast schon beleidigend blöde Handlung.

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treysis 15. Apr 2020

Und ich kenne keinen Linkshänder (mich eingeschlossen), der seine Maus mit links bedient.

SirFartALot 13. Dez 2018

Gefaellt mir. Vielleicht wird das in Zukunft ja der Standardspruch: "Ihr habt ein neues...

Tom01 11. Dez 2018

Ehem, aber die Heist-Missionen in GTA V Online sind aber ziemlich schwierig.

olus87 10. Dez 2018

Moin, ich habe die XBOX One X mit diesem Spiel beglückt und es ist nur so gespickt von...



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