Just Cause 3 im Test: Bombast-Action im Inselparadies
Medici – das klingt nach mediterraner Entspannung und Sonnenschein. Und die fiktive Inselgruppe hätte tatsächlich das Zeug zum Urlaubsparadies – wäre da nur nicht General Di Ravello, der Liegestrände und Lagunen mit seinen Truppen unterjocht. Im Actionspiel Just Cause 3 unterstützt der Spieler als Rico Rodriguez die Rebellen tatkräftig dabei, den Diktator zu stürzen – wobei ihm nahezu jedes Mittel zur Sabotage recht ist.

Wer bei Just Cause 3 eine interessante Story erwartet, wird wie schon bei den Vorgängern enttäuscht. Es gibt zwar einige Zwischensequenzen und vertonte Dialoge, die aber eher durch viele platte Sprüche, Klischees und einfallslose Ereignisse auffallen. Der Humor wirkt erzwungen, zudem sind die deutschen Stimmen oft aufgesetzt – Spannung und Atmosphäre entstehen so nicht.
Dafür schöpft der Titel spielerisch aus dem Vollen: Gleich zu Beginn schießt Rico mit einem Raketenwerfer von der Tragfläche eines Flugzeugs, später steuert er Geländewagen ebenso wie Boote und Helikopter, springt von Klippen, jagt Brücken und Militäranlagen in die Luft und vollbringt Massenzerstörung nach Zielvorgabe. Just Cause 3 verschwendet wenig Zeit mit Taktik und Knobelei, stattdessen lässt es den Spieler von der ersten Minuten an praktisch pausenlose Action erleben.
Die Bedienung ist dabei in der getesteten PC-Version denkbar einfach: Mit der Kombination aus Maus und Tastatur werden Fahrzeuge gesteuert, Geschütztürme bedient, Minen angebracht und ausgelöst, Waffen aufgehoben und abgefeuert oder Upgrades installiert.
Etwas komplizierter zu handhaben, dafür besonders hilfreich ist der Greifhaken, der mit der rechten Maustaste aktiviert wird. Rodriguez kann sich so an nahezu jedem Felsen, Vorsprung oder Hindernis hochziehen und in kurzer Zeit große Entfernungen überwinden. In Kombination mit seinem Wingsuit und dem ebenfalls verfügbaren Fallschirm sind so spektakuläre Flugaktionen in Spider-Man-Manier ebenso wie Abschüsse und Attacken aus der Luft möglich. Rasante Sprünge von Klippen und über Abgründe gelingen nach etwas Übung ebenfalls beeindruckend gut.
Außerdem lassen sich mit dem Greifhaken Gegenstände verbinden und spektakuläre Kettenreaktionen auslösen. Wenn Rico Fässer mit brennbarem Material in ein Kraftwerk zieht, dann brennt, explodiert und rumst es an allen Ecken und Enden. Das freie Ausprobieren und Herumspielen, was sich womit für die größtmögliche Zerstörung kombinieren lässt, stellt einen großen Reiz des Spiels dar.
Freiheit mit Einschränkung und das Fazit
Just Cause 3 ist stellenweise ein recht frei erlebbares Open-World-Abenteuer, in dem der Spieler immer weitere Areale aus den Fängen des Diktators entreißen muss. Allerdings sind die abzuarbeitenden Hauptaufgaben oft nur sehr linear zu lösen. Und dann wird es auch mal fummelig – manchmal dauert es, bis mit der Maus genau die Stelle anvisiert wurde, an der der Haken funktioniert oder die Mine angebracht werden kann.

Nicht immer ist nachvollziehbar, wann der Spieler frei über die Art der Zerstörung und das spielerische Vorgehehen entscheiden kann und wann er genau so agieren muss, wie es die Entwickler der Avalanche Studios(öffnet im neuen Fenster) vorgesehen haben.
Just Cause 3 leidet zudem trotz der vielfältigen Optionen etwas an Monotonie. Was zu Beginn noch abwechslungsreich und spannend ist, fühlt sich nach mehrmaliger Wiederholung – wenn schon wieder eine Siedlung eingenommen, Stromanlagen und Masten zerstört und ein feindlicher Hinterhalt ausgehoben werden muss – eher nach Fleißarbeit an.
Hinzu kommt, dass die Truppen des Generals nicht durch besondere Intelligenz auffallen, sondern stumpf und unorganisiert agieren. Massives Geballer ohne Planung reicht im Normalfall für den Sieg aus.
Grafisch ist Just Cause 3 gut, aber nicht überragend geworden. Die schiere Masse an Explosionen, die zu weiten Teilen zerstörbare Umgebung und die beeindruckende Optik, wenn Rico einmal mehr wilde Kombinationen aus Haken, Fallschirm und Fluganzug praktiziert, sind zu Beginn beeindruckend, verlieren aber im Spielverlauf etwas von ihrer Faszination. Schönen Szenerien und einer tollen Weitsicht stehen diverse Grafikfehler, Flimmerkanten und Ruckler gegenüber. Im Test erlebten wir zudem gelegentliche Abstürze sowie abrupt endende Zwischensequenzen.
Just Cause 3 ist ab sofort für PC, Xbox One und Playstation 4 verfügbar. Das Spiel kostet 50 (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsolen). In der deutschen Version sind unter anderem der Let's-Player Gronkh und der Schauspieler Moritz Bleibtreu als Synchronsprecher zu hören. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Das Spiel hat von der USK eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten.
Fazit
Irrwitzige Action, Explosionen am Fließband, superheldenartige Spezialmanöver mit Greifhaken und Fallschirm: Gerade die ersten Spielstunden von Just Cause 3 sind dank unzähliger Waffen und Extras, Fahrzeugen und ständig neuen Herausforderungen ein unterhaltsam überzogener Zerstörungsspaß.
Im Spielverlauf verliert der Titel allerdings etwas von seinem Reiz. Inhaltliche Wiederholungen, etwa beim immer ähnlichen Erobern von Siedlungen, sowie ein paar technische Ausrutscher trüben das grundsätzlich kurzweilige Rebellenleben.
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