Juniper-Backdoors: Wer China sagt, muss auch USA sagen

Chinesische Unternehmen bei 5G ausschließen, weil China US-Hintertüren in US-Produkten nutzt - diese Argumentation zu den Juniper-Backdoors ist unbefriedigend und einseitig.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Juniper Routing - MX Series 3D Universal Edge Router
Juniper Routing - MX Series 3D Universal Edge Router (Bild: Juniper)

Telekommunikationsausrüster, die Hintertüren in ihre Produkte setzen, sollten vom Ausbau von Netzen nicht nur in Deutschland ausgeschlossen werden. Woher sie kommen, ist dabei egal. Doch die Transatlantiker, die für ein enges Bündnis mit den USA einstehen, sind für Fakten offenbar blind.

Stellenmarkt
  1. Sales Consultant (m/w/d)
    M-net Telekommunikations GmbH, München, Augsburg
  2. IT Service Delivery Manager (m/w/d) im Bereich Unix
    Volkswagen Financial Services AG, Braunschweig
Detailsuche

Rund einen Monat haben sich Politiker, die ein Verbot von Huawei fordern, nicht zu existierenden Hintertüren beim US-Ausrüster Juniper geäußert, dessen Technik in deutschen Mobilfunknetzen eingesetzt wird. Nachdem Golem.de das bekannt gemacht hat, antwortete nun zumindest der FDP-Politiker Höferlin.

Weiter schweigen der SPD-Digitalpolitiker Falko Mohrs, der China-Berichterstatter der SPD-Fraktion im Bundestag, Metin Hakverdi, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und Vorstand der Atlantikbrücke, Norbert Röttgen (CDU), und der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz.

Für Höferlin stellt "jede Schwachstelle grundsätzlich eine Gefährdung der IT-Sicherheit dar. Das gilt natürlich auch in Bezug auf den Sicherheitsvorfall bei Juniper, der bereits 2015 seinen Anfang nahm und nun weitere Kreise in Richtung China zieht, wie kürzlich im US-Kongress deutlich wurde. Klar ist aber auch, dass es bei keinem IT-Ausrüster eine einhundertprozentige Sicherheit geben kann."

Schon deshalb seien die Sicherheitsstandards der Ausrüster allein nicht das entscheidende Kriterium beim Ausbau des 5G-Netzes als kritische Infrastruktur. "Vielmehr kommt es für mich auch auf das politische System hinter den Unternehmen an. Bekanntermaßen herrschen diesbezüglich zwischen China und den Vereinigten Staaten eklatante Unterschiede: Während in den USA die Unternehmensstrukturen transparent und die Rechtswege bekannt sind, werden wir von chinesischer Seite über die Strukturen der dortigen Internetfirmen und deren Verflechtungen zum Staatsapparat bewusst im Dunkeln gelassen."

Jeder kann Hintertüren ausnutzen

Die jüngste Aufarbeitung des Juniper-Vorfalls im US-Kongress - die es in China in dieser öffentlichen Form sicher nicht geben würde - lasse darüber hinaus vermuten, dass die Sicherheitslücke nun von China genutzt wird. "Auch dieser Umstand bestärkt mich in meiner Auffassung, dass eine Berücksichtigung Huaweis gerade mit Blick auf die Gefahren der Spionage und Sabotage ein unkalkulierbares Risiko für die Sicherheit und Integrität unserer Kommunikationsnetze darstellt."

Es ist schon sehr spannend, wie Höferlin das ausdeutet: Der Geheimdienst NSA lässt bewusst Sicherheitslücken in US-Technologie einbauen und nutzt sie wohl auch. China nutzt sie angeblich ebenfalls, was eben zeigt: Jede Sicherheitslücke kann von jedem genutzt werden. Und: Hintertüren wurden trotz aller Behauptungen aus den USA in Huawei-Technik bisher nicht nachgewiesen.

Nun gibt es in den USA ohne Zweifel mehr bürgerlich-demokratische Rechte als in der sogenannten Volksrepublik China, wo Oppositionelle direkt verhaftet oder ermordet werden wie im Jahr 1989 auf dem Tian'anmen oder die Massenmedien und sozialen Netzwerke staatlich direkt zensiert werden. Aber es findet eine gewisse Angleichung statt, wenn US-Präsident Donald Trump Unruhen in den USA gegen rassistische Gewalt und Morde der Polizei mit militärischer Gewalt stoppen will. Die faschistischen Proud Boys forderte Trump vor der Wahl auf, sich "bereit zu halten".

Daniela Schwarzer, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sagte: "Donald Trump hat wie kein US-Präsident die liberale Demokratie angegriffen. Er hat gegen Minderheiten, politische Gegner und Journalisten gehetzt."

Chinesische Unternehmen sollen laut Höferlin bei 5G ausgeschlossen werden, weil China von US-Diensten in US-Technologie eingebaute Lücken auch ausnutzt. Ein Verbot von Juniper-Routern fordert Höferlin dagegen nicht, weil man in den USA theoretisch vielleicht irgendwie dagegen klagen könne und vielleicht irgendwann irgendeine Aufarbeitung stattfinde. Dabei haben damit befasste Abgeordnete im US-Kongress festgestellt, dass es keine konkreten Aussagen dazu gibt, wie solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden sollen.

Anders als bei den chinesischen Herstellern Huawei und ZTE wissen wir nachweislich, dass die NSA bei mehreren US-Unternehmen Hintertüren einbauen ließ. Mit Dual EC DRBG hat sie einen Zufallszahlengenerator entwickelt und vom NIST standardisieren lassen, der letztlich eine standardisierte Backdoor ist. Der Firma RSA bezahlte die NSA sogar 10 Millionen US-Dollar, damit sie den unsicheren Zufallszahlengenerator in ihre Software integrierte.

Wer sich für die Sicherheit von 5G-Netzen einsetzt, kann also nicht zu Problemen aus den USA schweigen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Screenshots zeigen neue Oberfläche
Windows 11 geleakt

Durch einen Leak der ISO von Microsofts Betriebssystem Windows 11 sind Details der Benutzeroberfläche inklusive des Startmenüs bekannt geworden.

Screenshots zeigen neue Oberfläche: Windows 11 geleakt
Artikel
  1. Suchmaschinen: Huawei könnte bei Google-Konkurrent Qwant einsteigen
    Suchmaschinen
    Huawei könnte bei Google-Konkurrent Qwant einsteigen

    Die französische Suchmaschine Qwant macht weiterhin mehr Verluste als Umsatz. Das Geld von Huawei kann sie daher dringend gebrauchen.

  2. Mikromobilität: Im Rhein liegen Hunderte E-Scooter
    Mikromobilität
    Im Rhein liegen Hunderte E-Scooter

    Sie aus dem Wasser holen zu lassen ist zumindest einem Vermieter der E-Scooter zu teuer.

  3. Elon Musk: Tesla-Chef verkauft sein letztes Haus in Kalifornien
    Elon Musk
    Tesla-Chef verkauft sein letztes Haus in Kalifornien

    Seit Mitte 2020 trennt sich Elon Musk nach und nach von seinen Immobilien. Nun verkauft er sein letztes Anwesen - eine Villa in Kalifornien.

Kein Kostverächter 09. Dez 2020

Kann mna nicht einfach mal zum Thema posten oder es einach lassen? Die EU-Backdoors sind...

rirocx 07. Dez 2020

XD rly? Wenn nichts zusammenpasst einfach die Augen zukneifen und schauen was passiert?

holminger 05. Dez 2020

die USA sind ein Rechtsstaat, richtig. Aber nur für US-Amerikaner. Das Abhören von...

JensBerlin 05. Dez 2020

Schöner Beitrag, der leider durch das U-Boot-Beispiel wirklich kaputt gemacht wird - dazu...

Gryphon 05. Dez 2020

+1


Folgen Sie uns
       


  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Crucial MX500 500GB 48,99€ • Amazon-Geräte günstiger • WD Black SN850 500GB PCIe 4.0 89€ • Apple iPhone 12 mini 64GB Rot 589€ • Far Cry 6 + Steelbook PS5 69,99€ • E3-Aktion: Xbox-Spiele bei MM günstiger • Amazon Music Ultd. 6 Mon. gratis bei Kauf eines Echo Dot (4. Gen.) [Werbung]
    •  /