Jultec-Chef: Entscheidungsvakuum bei deutschen Koaxnetzbetreibern verhindere Multi-GBit
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Die Technik schreitet voran und der neue Kabelnetzstandard Docsis 4.0(öffnet im neuen Fenster) wird auch in Deutschland kommen. Das hat Klaus Müller, Gründer und Geschäftsführer des deutschen Herstellers von Empfangs- und Verteiltechnik Jultec, Golem auf Anfrage erklärt. "Die Frage ist aber, was von den Möglichkeiten dann auch wirklich genutzt wird."
Bisherige Kabelstandards wie Docsis 3.1 nutzen Frequenzen bis maximal 1,2 GHz. Docsis 4.0 erweitert die Spektrumsgrenze in der ESD-Variante auf 1,8 GHz (1.800 MHz). Durch die Nutzung des 1.800-MHz-Bereichs steht deutlich mehr Übertragungskapazität im Downstream zur Verfügung. Dies ermöglicht es den Kabelnetzbetreibern, die Upstream-Frequenzen etwa auf bis 684 MHz anzuheben, ohne dass dem Downstream der Platz ausgeht.
Erst dieser erweiterte Frequenzraum macht die Docsis-4.0-Ziele von bis zu 10 GBit/s im Downstream und bis zu 6 GBit/s im Upstream über bestehende Koaxialkabel möglich. Doch um den Bereich bis 1.800 MHz zu nutzen, müssen Verstärker, Verteiler und Hausinstallationen im Kabelnetz schrittweise ausgetauscht werden, da ältere Bauteile Signale oberhalb von 1,0 bis 1,2 GHz stark dämpfen.
Verstärker und Passivkomponenten gegen 1,8-GHz-Modelle tauschen
Bei Docsis 4.0 stehen zwei unterschiedliche technologische Pfade bereit: ESD (Extended Spectrum Docsis) und FDX (Full Duplex Docsis). ESD setzt auf den Ausbau der Bandbreite nach oben; indem der Frequenzbereich auf 1.800 MHz erweitert wird, entsteht neuer Platz im Spektrum. Der Upstream wird auf höhere Frequenzen verschoben, während der Bereich von 684 MHz bis 1.800 MHz rein für den Downstream genutzt wird. Der größte Vorteil von ESD ist, dass bestehende Kabelnetz-Topologien mit mehreren Verstärkerstufen beibehalten werden können; es müssen lediglich die Verstärker und Passivkomponenten gegen 1,8-GHz-fähige Modelle getauscht werden.
FDX bleibt beim bisherigen Spektrum von 1,2 GHz, nutzt den Frequenzbereich zwischen 108 MHz und 684 MHz jedoch gleichzeitig für Upstream und Downstream. FDX verlangt jedoch ein Netz ohne Verstärker zwischen Glasfaserknotenpunkt (Node) und Haushalt, was extrem hohe Umbaukosten in der Tiefbau-Infrastruktur mit sich bringt.
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