Erdabzweiger in deutschen Kabelnetzen bekommen Probleme
"1.800 MHz werden durch die Erdabzweiger in deutschen Kabelnetzen nicht funktionieren", stellte Müller klar. "Ich kenne aber einen ausländischen Netzbetreiber, der seine Verteilung komplett in Schränken hat, der gerade auf 1.800 MHz ausbaut, denn das bedeutet nur einen Tausch der Komponenten, ganz ohne Bagger und Erdarbeiten."
Natürlich könne man auch per Remote PHY das Glas bis in den Keller bringen und von dort im Gebäude Docsis 4.0 verteilen, erklärte Müller weiter. "Den Vollduplex sehe ich noch nicht wirklich, denn wenn das so toll und einfach wäre, würde man das auch beim VDSL machen. Wenn man dafür ein neues, performantes Koaxnetz im Haus bauen müsste, stellt sich aber die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, zum Beispiel auf G.fast zu setzen, statt auf Docsis, wenn man denn die NE 4 nicht ausbauen möchte, denn dann könnte man auch gleich Glas legen."
Bis wir aber in jeder Wohnung Glas haben, würden 20, wenn nicht sogar 30 Jahre vergehen. "Für die Zeit brauchen wir Übergangslösungen. Die seien da, man müsse nur endlich auch mal wollen und anfangen", forderte der Diplom-Ingenieur.
Problem der Überdeckung mit den GSM-Netzen
"Bereits mit Docsis 3.0 gab es die Möglichkeit, den Vorwärtsweg bis 1.000 MHz – statt 862 MHz – zu nutzen, allerdings hat dies nach meiner Information niemand wirklich gemacht, da die Probleme in diesem höheren Frequenzbereich doch zunehmen, wobei es nicht unbedingt nur die Dämpfung ist, sondern die Überdeckung mit den GSM-Netzen", sagte Müller. Außerdem seien hier bei einem zu geringen Kapazitätsgewinn die Investitionen einfach zu hoch gewesen.
Docsis 3.1 biete dagegen durch OFDM und die dynamischen Profile einen erheblichen spektralen Effizienzgewinn. "Ich kann sowohl Strecken mit hoher Dynamik durch hohe Modulation maximal nutzen, aber beispielsweise auch entfernte Teilnehmer auf problematischen Strecken bedienen", sagte Müller. Deswegen werde Docsis 3.1 in bestehenden Netzen auch ohne Frequenzbereichserweiterung genutzt, "denn es ist nur ein Tausch von CMTS und den Modems notwendig, wobei sogar die 3.0-Modems weiter betrieben werden können, denn es gibt üblicherweise Misch-/Parallelbetrieb", erklärte Müller.
Durch die adaptiven Möglichkeiten von 3.1 gebe es laut Müller eine Chance, das Signal dann mit bis 1.218 MHz auch durch die ursprünglich bis 450 MHz ausgelegten Erdabzweiger, die in Deutschland vielfach vergraben sind, zu leiten. "Wenn es bei den Netzbetreibern gerade nicht so ein Entscheidungsvakuum gäbe, wäre das eine kostenmäßig überschaubare Möglichkeit, die Datenraten in den bestehenden Netzen mehr als zu verdoppeln, insbesondere den kritischen Upstream", sagte Müller.
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