Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Jugendschutzgesetz wirkungslos: Australiens Social-Media-Verbot scheitert an Teenagern

Eine Studie zeigt: Die Befolgungsquote des Social-Media-Verbots für Jugendliche unter 16 Jahren in Australien sinkt dramatisch.
/ Nils Matthiesen
32 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Social-Media-Verbot in Australien scheitert. (Symbolbild) (Bild: mitbg000 / Pexels)
Social-Media-Verbot in Australien scheitert. (Symbolbild) Bild: mitbg000 / Pexels

Australien führte im Dezember 2025 ein Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ein, eigene Konten auf Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Snapchat zu besitzen. Eine Studie(öffnet im neuen Fenster) von Christopher Roth vom Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik und Filip Milojević von der University of Chicago belegt nun erneut das Scheitern der Maßnahme.

Die Befragungen von 970 Jugendlichen im März und April 2026 sowie 792 Jugendlichen im Juni 2026 (unter Einbezug von 423 Wiederholungsbefragten und 93 Befragten in beiden Wellen) zeigen einen Einbruch der Befolgungsquote von 27 Prozent im April auf 6 Prozent im Juni 2026. Der Anteil der 14- bis 15-Jährigen, die trotz Verbot innerhalb der letzten sieben Tage eine Plattform nutzten, stieg im selben Zeitraum von 64 auf 92 Prozent.

Technische Umgehung und Unterstützung aus dem Umfeld

Die Jugendlichen nutzen einfache Wege zur Umgehung der Sperren. Neben der Angabe falscher Geburtsdaten verwenden sie VPN-Verbindungen außerhalb Australiens oder nutzen Konten von Geschwistern und Eltern. Drei von vier Befragten halten das Umgehen für einfach oder sehr einfach, während bei 60 Prozent der 14- bis 15-Jährigen noch kein Konto gelöscht wurde. Bei 22 Prozent der Weiternutzer halfen Eltern, ältere Geschwister oder andere Erwachsene beim Wiedereinrichten nach Deaktivierung.

Soziale Faktoren und Gruppendruck

Die Rückkehr auf die Plattformen wird durch soziale Netzwerke getrieben. Ein Ausstieg erfordert eine hohe Aussteiger-Quote im Freundeskreis, die im Mittel bei 66 Prozent liegt. In der Juni-Befragung gab die Hälfte der Jugendlichen an, nach einem vorübergehenden Ausstieg zurückgekehrt zu sein, da das Umfeld weitermachte. 63 Prozent berichteten von einer gestiegenen Nutzung im Freundeskreis gegenüber dem Vormonat.

Zudem hat die Regeltreue negative Auswirkungen auf das Ansehen: Nur 4 Prozent halten Aussteiger für beliebter, 45 Prozent für weniger beliebt. Nutzer ohne Unterbrechung besitzen im Schnitt 366 Instagram-Follower, während Aussteiger 201 Follower aufweisen. Neben Roth und Milojević wirkten Leonardo Bursztyn, Aaron Leonard (University of Chicago), Rafael Jiménez-Durán (Bocconi-Universität Mailand), Angela Duckworth (University of Pennsylvania) und Cass Sunstein (Harvard Law School) an der Studie mit.


Relevante Themen