Jugendschutz: Warum kaum noch Games auf dem Index landen

Actionspiele wie Doom und Dead Rising 4 enthalten viel Gewalt - sind aber weit davon entfernt, auf dem Jugendschutzindex zu landen. Warum ist das so, und weshalb hat Wolfenstein 3D eine Sonderrolle?

Artikel veröffentlicht am ,
Rechtsanwalt Felix Hilgert auf der Quo Vadis 2018 in Berlin
Rechtsanwalt Felix Hilgert auf der Quo Vadis 2018 in Berlin (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Was im Hintergrund des Vortrags auf der Quo Vadis 2018 zu sehen war, hätte früher Jugendschützer auf die Barrikaden getrieben: Grafiken mit den Verpackungen von Actionspielen wie Dead Rising 4, Doom und Killing Floor 2. Heute regt sich über diese Titel kaum jemand auf, alle sind ganz regulär und ohne Schnitte bei den Gewaltszenen im Handel erhältlich. Die Gremien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) haben lediglich darauf geachtet, dass die Altersfreigabe "ab 18" lautet - aber weitere Bedenken, so wie noch vor wenigen Jahren, bestehen offenbar nicht.

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Lorenzo von Petersdorff, der als Legal Counsel für die Onlineprüfungen der USK zuständig ist, kennt die Gründe: Die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen habe sich geändert, aber auch die in den Gremien der USK. Die Mitglieder dort würden inzwischen wissen, dass von einem Doom keine unmittelbare Gefahr für das Wohl und Wehe der künftigen Generationen ausgehe. Außerdem seien die Diskussionen über Gewaltinhalte inzwischen differenzierter als früher.

So gebe es selbst in einem relativ brutalen Titel wie Wolfenstein 2 zwar "Gewaltspitzen", aber die würden eben nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Spielzeit ausmachen. Außerdem würde es eine Rolle spielen, ob der Spieler auch andere Möglichkeiten habe, um voranzukommen - etwa durch Schleichen statt immer nur durch die direkte Konfrontation.

Der Rechtsanwalt Felix Hilgert von der Kanzlei Osborne Clarke ergänzt, dass es zwei Arten von Inhalt in Spielen gebe, bei denen auch heute noch echte Konsequenzen drohen würden: "Gewalt gegen Zivilisten, und das vor allem, wenn es keine Sanktionen gibt". Die Publisher wüssten das und würden bei den eigentlichen Spielentwicklern von vornherein dafür sorgen, dass es derartige Stellen nicht gibt. Auf diesem Wege habe "Deutschland quasi seinen Jugendschutz in die Welt exportiert", so Hilgert.

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Nach Einschätzung des Rechtsanwalts hätten die Publisher inzwischen wohl auch gute Chancen, ebenso wie Filme etwa die Hakenkreuze in Spielen mit dem Zweiten Weltkrieg als Thema zu lassen - "heute sagt man, dass Games auch Kunst sein können". Allerdings wolle wohl keine Firma die Gefahr in Kauf nehmen, öffentlich "für" Hakenkreuze oder ähnliche Symbole einzutreten. Das ist vermutlich auch der Grund, aus dem Bethesda bei den neueren Wolfenstein-Spielen die Hakenkreuze entfernt, statt sich um eine rechtliche Klärung zu kümmern.

Während viele ältere Indizierungen inzwischen auf Antrag zurückgenommen werden, sei das beim 25 Jahre alten Wolfenstein 3D übrigens anders. Da gebe es das ganz besondere Problem, dass es das einzige Spiel sei, bei dem ein deutsches Gericht im Jahr 1998 tatsächlich entschieden hat, dass es wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole beschlagnahmt werden könnte.

Rein rechtlich sei das zwar vermutlich ein Fehler gewesen - auch damals hätte wohl schon die Kunstfreiheit gelten müssen, unter anderem weil die Symbole klar dem Feind zugeordnet werden können. Trotzdem, die Entscheidung von 1998 stehe einfach und könne nicht so ohne weiteres revidiert werden.

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derKlaus 29. Apr 2018

Es trifft da selten Populärmusik. Im Jugendmedienschutzreport fand man immer auch...

Lord Gamma 29. Apr 2018

Als ob. Wenn dann hat sich die Kompetenz der Kontrolleure geändert. Wir haben früher als...

My1 29. Apr 2018

wo ist denn bitte eine JUGENDgeährdung, wenn es nicht mal eine Freigabe für Jugendliche gibt?

echnaton192 29. Apr 2018

Genau um Absatz (3), die Kunstfreiheit und wegen der Ungleichbehandlung des...



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