Zuckerberg wies Bedenken zurück
Die Whistleblowerin Francis Haugen warf ihrem früheren Arbeitgeber Facebook vor, die Probleme von Mädchen mit deren Körperbewusstsein wider besseres Wissen zu verschlimmern. Inzwischen überschwemmt immer mehr KI-Slop die sozialen Medien, der von Kindern vermutlich oft nicht als solcher erkannt wird.
In einem Prozess über die Suchtgefahren sozialer Medien räumte Meta-Chef Mark Zuckerberg in dieser Woche ein(öffnet im neuen Fenster) , dass er die Bedenken von Mitarbeitern und 18 Experten hinsichtlich des Wohlergehens von Teenagern zurückgewiesen habe, um das Verbot von Instagram-Schönheitsfiltern aufzuheben. Er habe sich um die "freie Meinungsäußerung" gesorgt, sagte er zur Begründung. Ein Argument, mit die USA jegliche Regulierung von IT-Konzernen gerne abwiegeln und nun sogar in Europa verbotene Inhalte verfügbar machen wollen .
Die Gefahren und Risiken sozialer Medien erklärt die Netflix-Dokumentation Das Dilemma mit den sozialen Medien(öffnet im neuen Fenster) anschaulich. Die Doku wies schon 2020 auf das ungleiche Kräfteverhältnis bei der Nutzung sozialer Medien hin. Auf der einen Seite stehen große IT-Konzerne mit tausenden Mitarbeitern, die darum kämpfen, dass Nutzer möglichst viel Zeit am Smartphone verbringen. Die Kinder auf der anderen Seite der Apps können dem wenig entgegensetzen, da es noch an der erforderlichen Selbstregulierung fehlt. Kein Wunder, dass die Entwickler der Apps ihren Kindern die Nutzung verbieten.
Eltern haben die Verantwortung
Es liegt daher in der Verantwortung der Eltern, den Zugriff ihrer Kinder auf solche Apps zu unterbinden oder stark einzuschränken. Das ist durchaus möglich, wenn entsprechende Tools genutzt werden. Zudem ist es erforderlich, die Smartphones regelmäßig zu kontrollieren. Das gilt zum einen für die Bildschirmzeit, zum anderen für Apps. Diese Kontrolle raubt Eltern viel Zeit, die sie besser für sinnvollere Aufgaben nutzen könnten. Hilfreich ist dabei, wenn der Zugang zu App-Stores per Passwort geschützt bleibt.
Neben einer täglichen Maximaldauer sollte die Handynutzung zu bestimmten Tageszeiten wie abends oder morgens ebenfalls eingeschränkt sein. Sinnvoll ist, wenn sich das Handy nachts nicht im Schlafzimmer der Heranwachsenden befindet. Der Jugendstudie aus Baden-Württemberg zufolge stimmt die Mehrheit der 12- bis 19-Jährigen "der Aussage voll oder weitgehend zu, dass sie häufig mehr Zeit am Handy verbringen, als ursprünglich geplant" . Drei von zehn Befragten berichteten, dass sie sich morgens oft müde fühlten, weil sie in der Nacht zu lange am Handy gewesen seien.
Gruppenzwang als starker Faktor
Doch es ist alles andere als leicht, solche Kontrollen, Verbote oder Einschränkungen dauerhaft durchzusetzen. Das Schlagwort lautet Gruppenzwang. Früher oder später gibt es erste Freunde oder Freundinnen, die die sozialen Netzwerke nutzen oder dort selbst schon Inhalte hochladen. Dann quengeln die Kinder, ebenfalls einen Zugang zu erhalten. Dabei können sie so penetrant wie Sicherheitspolitiker bei der Forderung nach neuen Überwachungsmaßnahmen sein. Und einmal gewährte Befugnisse sind bekanntlich kaum noch rückgängig zu machen. Das gilt auch bei der Smartphone-Nutzung der Kinder.
Je mehr Freunde bestimmte Apps nutzen, desto schwieriger wird es, die ablehnende Haltung zu verteidigen. Schließlich wollen Eltern auch nicht, dass ihre Kinder zu digitalen Außenseitern werden.
In diesem Kontext wäre ein Social-Media-Verbot durchaus hilfreich.
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