Opt-out: Voraktivierter Jugendschutzfilter gefordert

Auch Baden-Württembergs Landesanstalt für Kommunikation plädiert für eine von den Providern voraktivierte Jugendschutzsperre wie in Großbritannien. Durch eine Opt-out-Regelung setzten sich Erwachsene aktiv mit dem Jugendschutz auseinander, sagt deren Präsident im Gespräch mit Golem.de.

Artikel veröffentlicht am , Christiane Schulzki-Haddouti
Ein Kind schaut auf ein Notebookdisplay.
Ein Kind schaut auf ein Notebookdisplay. (Bild: AFP/Getty Images)

Das britische Jugendschutzfilter-Modell, wonach Provider eine Jugendschutzsperre voreingestellt haben, gewinnt in Deutschland immer mehr Befürworter. Nach dem niedersächsischen Landesmedienchef Andreas Fischer, der vor drei Wochen dafür warb, sich auch in Deutschland damit auseinanderzusetzen, plädiert nun auch Thomas Langheinrich, der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, für das Modell.

Inhalt:
  1. Opt-out: Voraktivierter Jugendschutzfilter gefordert
  2. 'Gegenteil von einer heimlichen staatlichen Überwachung'

Nutzer stören sich vor allem daran, dass der Filter von den Providern zunächst aktiviert wird und dass sie sich aktiv per Opt-out dagegen entscheiden müssen. Im Gespräch mit Golem.de betont Langheinrich, dass dies vor allem eine "Entscheidungserleichterung für einen Erwachsenen" sei. Er vergleicht den Jugendschutzfilter mit einem Virenfilterangebot, das Provider auch heute schon per Opt-out anbieten.

"Kinderschutz by Design"

Grundsätzlich wirbt Langheinrich für einen "Kinderschutz by Design" auch in Geräten wie PCs, Routern und Smartphones - ähnlich wie sich Datenschützer schon seit langem für "Privacy by Design" einsetzen: "Die Geräte sollten von vornherein so konfiguriert sein, dass Eltern die Jugendschutzsperren aufheben müssen", sagt Langheinrich. "Dabei sollte es einfach und handhabbar gestaltet sein. Letztlich soll das den Nutzer dazu bringen, darüber nachzudenken: Will ich das? Ja oder nein." Dieses Prinzip gelte auch für andere Sicherheitsmaßnahmen, die ein Nutzer auf einem Gerät erst einmal freischalten müsse, etwa um den Zugriff auf seine Daten zu erlauben.

Langheinrich betont, dass die Initiative dafür aus der Wirtschaft kommen müsse. Der staatliche Jugendschutz in Deutschland greife zu kurz, sagt Langheinrich, dessen Behörde für den Jugendschutz in Onlinemedien in Baden-Württemberg zuständig ist: "Wir wissen, dass wir mit bürokratischen Methoden nicht viel erreichen, sondern nur, wenn die Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen."

Langheinrich zieht hierfür einen Vergleich mit der Automobilindustrie heran: Die meisten Automobilhersteller würden inzwischen ihre Wagen mit Isofix ausstatten, obwohl nur die Kunden das System brauchten, die Kindersitze einbauen. Kinderschutz könne zudem auch eine Frage des Images sein: So werbe ein großer deutscher Automobilhersteller damit, die besten Schutzmechanismen für Kinder zu haben.

Gesellschaftliche Verpflichtung der Provider

Der baden-württembergische Landesmedienchef sagt: "Genauso stelle ich mir das beim Internet-Service-Provider vor: dass er erkennt, dass er den Zugang anbietet, aber nicht verantwortlich für jede Website ist. Aber dass er weiß, dass er an der Datenflut verdient. Da gehört es zur gesellschaftlichen Verpflichtung in einem ganz begrenzten Bereich, nämlich dem Kinder- und Jugendschutz, Verantwortung zu übernehmen." Im Umweltbereich müsse jeder Verantwortung übernehmen, der eine gefahrerhöhende Sache in die Welt bringe. Auch im Straßenverkehr gebe es eine Gefährdungshaftung: Sobald man ein Auto fährt, ist man gefahrerhöhend und trägt an einem Unfall automatisch eine Mitschuld. Langheinrich: "Das sollte auch im Internet so sein."

Tatsächlich haben sich die Provider schon 2008 im Rahmen einer Selbstverpflichtung gegenüber dem Europarat bereits dazu verpflichtet, ihre Kunden stärker über Kinder- und Jugendschutzmaßnahmen zu informieren. Auch erlaubt die Selbstverpflichtung den Einsatz von Jugendschutzfiltern mit Wissen und nach den Vorgaben der Nutzer. So brachte der britische Provider Talktalk die Jugendschutzsoftware aus eigenem Antrieb auf den Markt. Aktuell sträubt sich jedoch der deutsche Internetproviderverband Eco mit dem Argument gegen den Vorschlag, dass damit eine Zensurinfrastruktur aufgebaut werde. Damit widerspricht er gleichwohl der Selbstverpflichtung, die er selbst schon vor Jahren eingegangen ist.

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'Gegenteil von einer heimlichen staatlichen Überwachung' 
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Hardy65 07. Mär 2014

Überwachung der Kleinen ist gut - aber nicht von der NSA. Wir sollten eine NSA-ähnliche...

nw42 06. Mär 2014

nichts gegen Jugendschutz, aber das ist schon wieder dummer blinder Aktionismus... Ich...

Anonymer Nutzer 06. Mär 2014

Mal zum Wachrütteln: Deinem Informationsanschluss soll eine Infrastruktur vorgeschalten...

dopemanone 06. Mär 2014

oder warum sind von 10 artikeln 8 stück magenta-hinterlegt?? langsam nerfts! und ihr...



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