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Jugendschutz: Frankreich plant Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige

Frankreich will Kindern unter 15 Jahren ab September 2026 den Zugang zu sozialen Medien verbieten. Das Gesetz steht vor der Debatte.
/ Nils Matthiesen
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Macron plant ein Social-Media-Verbot in Frankreich. (Bild: JOHN THYS / AFP via Getty Images)
Macron plant ein Social-Media-Verbot in Frankreich. Bild: JOHN THYS / AFP via Getty Images

Frankreich bereitet eine deutliche Verschärfung des Jugendschutzes im digitalen Raum vor. Die Regierung beabsichtigt, Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ab September 2026 den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Tiktok, Instagram oder Snapchat vollständig zu untersagen, berichtet Le Monde(öffnet im neuen Fenster) . Präsident Emmanuel Macron bezeichnete das Vorhaben als notwendige Maßnahme zur digitalen Hygiene. Das Ziel sei, Minderjährige wirksamer vor Cybermobbing, Suchtmechanismen und dem Kontakt mit potenziell schädlichen Inhalten wie Gewalt oder Pornografie zu schützen.

Das Gesetzesvorhaben befindet sich derzeit allerdings noch im Gesetzgebungsverfahren. Nachdem der Senat im Dezember 2025 eine entsprechende Initiative unterstützt hatte, wurde der Entwurf an die Nationalversammlung weitergeleitet. Dort soll die parlamentarische Debatte über die konkrete Ausgestaltung Anfang 2026 beginnen. Bevor die Abgeordneten jedoch final über den Entwurf abstimmen, wird der Staatsrat (Conseil d'État) den Text am 8. Januar 2026 einer rechtlichen Prüfung unterziehen. Dabei geht es insbesondere um die Vereinbarkeit mit europäischem Recht, um juristische Hürden wie bei früheren Gesetzgebungsversuchen zu vermeiden.

Verschärfung bestehender Regelungen

Der neue Vorstoß geht über das "Gesetz zur digitalen Mehrjährigkeit" aus dem Jahr 2023 hinaus. Jene Regelung sah lediglich vor, dass Kinder unter 15 Jahren für die Eröffnung von Konten die Zustimmung ihrer Eltern benötigen. Aufgrund technischer Schwierigkeiten bei der Altersprüfung und mangelnder Durchsetzung strebt die Regierung nun ein striktes Verbot an. Parallel dazu soll auch das Verbot von Mobiltelefonen auf Gymnasien ausgeweitet werden. In Grund- und Mittelschulen gilt ein solches Handyverbot in Frankreich bereits seit dem Jahr 2018.

Ein zentraler Aspekt der kommenden Verhandlungen ist die technische Umsetzung der Altersverifikation. Bisherige Systeme erwiesen sich in der Praxis oft als leicht umgehbar. Die Regierung nimmt die Plattformbetreiber in die Pflicht, verlässliche Lösungen zu implementieren, die das Alter der Nutzer sicher feststellen, ohne dabei deren Privatsphäre zu gefährden. Welche Sanktionen konkret bei Verstößen gegen das neue Verbot verhängt werden, muss im parlamentarischen Prozess noch definiert werden. Während bestehende Gesetze bei Jugendschutzverstößen bereits Bußgelder vorsehen, stehen die Details für das geplante Verbot ab 2026 noch aus.

Internationales Vorbild und Ausblick

Mit dem geplanten Schritt folgt Frankreich dem Beispiel Australiens . Dort trat im Dezember 2025 ein weltweit erstes Gesetz in Kraft, das Kindern unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien untersagt. Emmanuel Macron drängt zudem auf eine stärkere Regulierung auf Ebene der Europäischen Union, um einheitliche Standards für Tech-Konzerne zu schaffen. Er betonte, dass der Schutz der psychischen Gesundheit von Jugendlichen oberste Priorität habe und Frankreich bereit sei, national voranzugehen, sollte eine EU-weite Einigung ausbleiben.

Kritiker verweisen derweil auf die Gefahr, dass Jugendliche die Sperren über VPN-Dienste umgehen könnten. Zudem wird debattiert, inwieweit ein staatliches Verbot in die elterliche Erziehungshoheit eingreift. Dennoch genießt das Vorhaben in der französischen Bevölkerung laut Umfragen hohen Rückhalt. Die Nationalversammlung wird in den kommenden Monaten darüber entscheiden, in welcher Form das Gesetz final verabschiedet wird und wie die technische Kontrolle in der Praxis sichergestellt werden soll.


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