Jugendschutz: EU-Kommission erhöht Druck auf Tiktok
Nach vorläufiger Einschätzung der EU-Kommission(öffnet im neuen Fenster) schützt Tiktok Kinder und Jugendliche nicht ausreichend. Die Brüsseler Behörde sieht bei mehreren Einstellungen und Funktionen der Plattform Risiken für Minderjährige und fordert das Unternehmen deshalb zu Änderungen auf.
Konkret beanstandet die Kommission, dass auch Personen ohne eigenes Tiktok-Konto die öffentlichen Profile und Inhalte Minderjähriger sehen könnten. Die Veröffentlichungen seien damit nicht auf Mitglieder der Plattform beschränkt. Dadurch seien junge Nutzer einem erhöhten Risiko für Cybermobbing und missbräuchliche Kontaktversuche ausgesetzt.
Zudem warnt die Behörde vor langfristigen Folgen: "Da das, was Minderjährige veröffentlichen, für immer online bleiben und sie bis ins Erwachsenenalter begleiten kann, birgt die Funktion zudem das Risiko potenziell lebenslanger Folgen." Sie fordert deshalb, Inhalte von Kindern und Jugendlichen standardmäßig nur für Tiktok-Nutzer sichtbar zu machen, die von den Minderjährigen akzeptiert wurden. Posts von 16- und 17-Jährigen sollten außerdem nicht mehr anderen Nutzern empfohlen werden.
Tiktok verweist auf bestehende Schutzmaßnahmen
Ein weiteres Verfahren betrifft mögliche Suchtrisiken durch stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos. Nach Einschätzung der EU-Kommission könnten diese Mechanismen Minderjährige dazu verleiten, immer länger auf der Plattform zu bleiben. Bereits im Februar präsentierte die Behörde dazu vorläufige Ermittlungsergebnisse und verlangte Änderungen.
Mit Blick auf die kritisierten Kontoeinstellungen verteidigte der Anbieter seine Schutzmaßnahmen: "Jugendkonten auf Tiktok verfügen bereits ab der Einrichtung des Kontos über mehr als 50 voreingestellte Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen, die unter Einbeziehung von Expertinnen und Experten entwickelt wurden", teilte eine Sprecherin mit. Man gehöre zudem zu den wenigen Plattformen, auf denen jüngere Teenager keine Direktnachrichten nutzen könnten.
Das Unternehmen kann sich in beiden Verfahren gegen die Vorwürfe verteidigen oder die Bedenken der EU durch Änderungen ausräumen. Kommt keine einvernehmliche Lösung zustande, könnte die Kommission formell einen Verstoß feststellen und eine Strafe von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes verhängen. Auch tägliche Strafzahlungen wären möglich, um Tiktok zum Einlenken zu bewegen.
EU-Kommission nimmt weitere Plattformen ins Visier
Auf Grundlage des Digital Services Act, der große Plattformen zum wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen verpflichtet, untersucht die EU-Kommission derzeit auch andere Dienste. So prüft die Behörde bei Snapchat, ob das soziale Netzwerk das Mindestalter von 13 Jahren durchsetzt und junge Nutzer vor Cybergrooming sowie Werbung für Alkohol, Drogen und Vapes schützt. Bei mehreren Pornoseiten kam die Behörde vorläufig zu dem Schluss, dass sie Jugendliche ebenfalls nicht ausreichend von ihren Inhalten fernhalten.
Facebook und Instagram wiederum wirft die Behörde unzureichende Alterskontrollen und eine zu große Suchtgefahr durch personalisierte Empfehlungen, automatisch abgespielte Videos und endloses Scrollen vor. Die Verfahren befeuern zugleich die Debatte über eine allgemeine Altersgrenze für soziale Netzwerke, für die die EU-Kommission eine europaweite Lösung anstrebt.
- Anzeige Hier geht es zum Gimbal DJI OM 4 bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.