Jugendschutz: EU-App zur Altersverifikation ist startklar
Nach einem mehrmonatigen Test hat die EU-Kommission die Entwicklung einer datensparsamen App zur Altersverifikation abgeschlossen. Die App sei "technisch fertig und steht den Bürgerinnen und Bürgern in Kürze zur Verfügung", sagte die zuständige EU-Kommissarin Henna Virkkunen am 15. April 2026 in Brüssel(öffnet im neuen Fenster).
Nutzer könnten damit ihr Alter nachweisen, "ohne weitere persönliche Daten preiszugeben". Zur Begründung sagte Virkkunen: "Weil wir nicht wollen, dass Plattformen unseren Reisepass oder unser Gesicht scannen." Dieses Vorgehen wird als Zero-Knowledge-Proof(öffnet im neuen Fenster) bezeichnet.
Zugang zu Pornoseiten nur nach Alterscheck
Die Kommission hatte den Test im Juli 2025 in den EU-Ländern Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien gestartet. Der digitale Alterscheck soll künftig verhindern, dass Kinder und Jugendliche in der EU auf Pornografie und andere nicht altersgerechte Inhalte im Internet zugreifen können.
Das Alter wird in der App beispielsweise über einen elektronischen Personalausweis überprüft. Verfahren über Drittanbieter, beispielsweise Apps zum Onlinebanking, sollen ebenfalls möglich sein. Nach Erhalt des Altersnachweises wird in der App die Verbindung zwischen dem Nutzer und dem Nachweisgeber unterbrochen. Der Altersnachweis enthält demnach keine Informationen zur Rückverfolgung des Nutzers wie Name oder Geburtsdatum.
Quellcode ist offen
Laut Virkkunen funktioniert der Nachweis "auf jedem Gerät – Smartphone, Tablet, Computer und so weiter". Zudem sei die Anwendung "vollständig Open Source – jeder kann den Code einsehen". Die genannten Testländer sowie Zypern und Irland planten bereits, den Alterscheck in ihre digitale Bürger-ID zu integrieren. Der Code findet sich auf Github(öffnet im neuen Fenster).
Die übrigen 20 EU-Mitgliedstaaten sollen ebenfalls eine entsprechende Technik nutzen. "Aus diesem Grund werde ich noch in diesem Monat einen EU-weiten Koordinierungsmechanismus einrichten", sagte Virkkunen und fügte hinzu: "Wir brauchen einen strukturierten Ansatz für die EU-weite Anerkennung nationaler Lösungen. Und die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass Altersnachweise einfach und EU-weit ausgestellt werden können."
Virkkunen appellierte an die betroffenen Inhalteanbieter, den Alterscheck auf der Basis der App einzusetzen. "Es gibt keine Ausreden mehr. Europa bietet eine kostenlose und benutzerfreundliche Lösung, die unsere Kinder vor schädlichen und illegalen Inhalten schützen kann", sagte die Kommissarin.
Von der Leyen warnt Plattformen
Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen(öffnet im neuen Fenster) wurde der Altersnachweis nach denselben Prinzipien wie die App zur Überprüfung der Covid-19-Impfzertifikate, die Covpass-App, entwickelt. Von der Leyen warnte: "Wir ziehen jene Onlineplattformen zur Rechenschaft, die unsere Kinder nicht ausreichend schützen."
Seit Inkrafttreten des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) leitete die Kommission bereits Verfahren gegen Pornoplattformen wegen Defiziten beim Jugendschutz ein. Zuvor waren Dienste wie Pornhub, Stripchat, XVideos und XNXX als "sehr große Onlineplattform" eingestuft worden. Das verpflichtet die Plattform unter anderem dazu, den Zugang Minderjähriger zu pornografischen Inhalten zu verhindern, beispielsweise durch eine Altersverifikation.
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