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Jugendschutz: Behörden gehen verstärkt gegen Twitter-Pornografie vor

Mit einem KI-Tool suchen Medienanstalten nach jugendgefährdenden Inhalten. Derzeit erhalten Betreiber ungeschützter Accounts Briefe von der Polizei.

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Anbieter wie Twitter geraten ins Visier von Jugendschützern. (Bild: Pixabay)

Medienaufsicht und Ermittlungsbehörden gegen derzeit verstärkt gegen Anbieter pornografischer Inhalte vor. Betroffen seien unter anderem Accounts von Portalen wie Twitter, die über keine angemessene Altersverifikation verfügen, berichtete Wired.com unter Berufung auf mehrere betroffene Anbieter.

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In den vergangenen Wochen hätten mehr als 100 Pornodarsteller und Models in Deutschland gleichlautende Schreiben erhalten und müssten mit Strafverfahren rechnen. Zudem hätten die Behörden Twitter angewiesen, entsprechende Konten zu sperren.

In den vergangenen Jahren haben Jugendschützer verstärkt versucht, den freien Zugang zu pornografischen Inhalten im Netz zu erschweren. Dies betraf unter anderem Pornografieportale wie Xhamster, Pornhub, Youporn und Mydirtyhobby. Laut Jugendmedienstaatsvertrag (PDF) sind pornografische Angebote zulässig, "wenn vonseiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden (geschlossene Benutzergruppe)".

Dem Wired-Bericht zufolge stammten viele der jüngsten Anzeigen von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Eine Sprecherin bestätigte, dass im Dezember 2022 32 Accounts und im März 2023 104 Accounts der Staatsanwalt gemeldet worden seien. Die Sprecherin schätzte, dass die meisten Fälle mit einer Geldstrafe von 300 Euro erledigt würden und keine weiteren Maßnahmen folgten. Rein rechtlich sei auch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr möglich.

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Einige der Betroffenen sollen dem Bericht zufolge von Twitter aufgefordert worden sein, die Inhalte zu entfernen, da die Accounts gegen deutsches Recht verstießen. Andere hätten Briefe von der Polizei erhalten, hieß es unter Berufung auf das schwule Paar Tim und Julian Blesh. Das Paar geht davon aus, vermutlich eine Geldstrafe zu erhalten.

Bei Twitter sind bestimmte Inhalte nur für Erwachsene zugänglich. Allerdings verfügt der Dienst über kein Verfahren, um das Alter der Nutzer zu überprüfen. Es reicht aus, im eigenen Profil ein entsprechendes Alter anzugeben.

Automatisierte Suche mit Kivi

Um die Inhalte im Netz aufzuspüren, haben die Behörden das KI-basierte Tool Kivi entwickelt. Nach Angaben der sächsischen Landesmedienanstalt durchsucht das Programm unter anderem das russische Netzwerk VKontakte (vk.com), Twitter, Telegram, TikTok, Youtube, BitChute und Gettr. Seit dem Start des Programms soll sich die Zahl der monatlichen Anzeigen durch die Behörden verdoppelt haben.

Tobias Schmid, Direktor der Medienanstalt NRW, sagte zum Einsatz des Programms: "In erster Linie suchen wir natürlich nach besonders schweren Delikten, das heißt, nach Verstößen gegen die Menschenwürde, Rassenhass und ähnliches; darüber hinaus nach Jugendgefährdung und entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten. Das Identifizieren von Delikten erfolgt entlang dieser Gruppierungen. Pornografie ist einfach zu erkennen und hat eine sehr hohe Trefferquote."