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Jugendschutz: Australiens Social-Media-Bann weitgehend wirkungslos

Ein neuer Bericht zeigt: Trotz des gesetzlichen Verbots nutzen über 60 Prozent der australischen Jugendlichen weiterhin soziale Netzwerke.
/ Nils Matthiesen
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Wirksamkeit von Social-Media-Bann fraglich (Symbolbild) (Bild: Pixabay)
Wirksamkeit von Social-Media-Bann fraglich (Symbolbild) Bild: Pixabay

Das flächendeckende Verbot sozialer Netzwerke für Minderjährige unter 16 Jahren in Australien stößt bei der praktischen Durchsetzung auf massive Schwierigkeiten. Ein aktueller Bericht der britischen Molly Rose Foundation – einer Organisation, die sich für Internetsicherheit einsetzt, pauschale Verbote jedoch kritisch bewertet – offenbart, dass die technischen Barrieren der Plattformbetreiber von der Zielgruppe systematisch unterlaufen werden. Das berichtet Fortune.com(öffnet im neuen Fenster). Laut einer Umfrage(öffnet im neuen Fenster) unter 1.050 australischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren behalten über 60 Prozent der Nutzer trotz des Banns den Zugang zu mindestens einer Plattform.

Die Methoden zur Umgehung der Altersverifikation sind vielfältig. Neben dem Einsatz von Virtual Private Networks (VPN) zur Standortverschleierung nutzen Jugendliche Berichten zufolge biometrische Daten von Eltern oder diskutieren in Foren über den Einsatz von Masken, um Gesichtserkennungstools zu täuschen. Zwar meldeten die Plattformbetreiber der australischen Regierung die Entfernung von insgesamt 4,7 Millionen Accounts minderjähriger Nutzer, doch der Bericht legt nahe, dass viele Jugendliche schlicht neue Konten erstellten oder bestehende Profile unentdeckt blieben.

Behörden prüfen Durchsetzung

Die australische eSafety-Kommissarin kündigte an, eine strikte Durchsetzungshaltung einzunehmen. Es werde untersucht, ob die Betreiber angemessene Schritte unternommen haben, um Accounts von unter 16-Jährigen konsequent zu sperren. Etwa zwei Drittel der befragten Jugendlichen gaben an, dass die Plattformen keine spürbaren Maßnahmen ergriffen hätten, um ihre bestehenden Konten nach Inkrafttreten des Gesetzes zu deaktivieren.

Kritik kommt unter anderem vom Australian Child Rights Taskforce(öffnet im neuen Fenster). Die Organisation befürchtet, dass Plattformbetreiber durch den pauschalen Ausschluss Minderjähriger den Anreiz verlieren könnten, spezifische Sicherheitsfunktionen für Kinder weiterzuentwickeln. Wenn Kinder offiziell nicht mehr existieren dürfen, entfällt die Notwendigkeit für kindgerechte Schutzmechanismen innerhalb der Apps.

Wissenschaftliche Einordnung der Risiken

Jacqueline Nesi, Professorin für Psychiatrie und menschliches Verhalten an der Brown University, betont die Komplexität der Datenlage. Während Studien einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und psychischen Belastungen wie Depressionen herstellen, bieten die Plattformen laut Nesi auch Räume für Zugehörigkeit und Selbstentdeckung, etwa für LGBTQ+-Jugendliche(öffnet im neuen Fenster). Nesi ergänzt in diesem Zusammenhang, dass das Verbot nicht zwangsläufig falsch sei – es bedeute lediglich, dass die Art der Umsetzung derzeit nicht funktioniere.

Andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien und mehrere US-Bundesstaaten beobachten das australische Vorgehen als Pilotprojekt. Die aktuellen Zahlen verdeutlichen jedoch, dass gesetzliche Restriktionen allein kaum ausreichen, solange Jugendliche technische Wege zur Umgehung finden und das Bedürfnis nach digitaler Sozialisierung offline nicht ausreichend aufgefangen wird.


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