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Jugendschutz: Auch Spanien und Griechenland forcieren Social-Media-Verbote

Während Spanien ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige vorbereitet, hat Griechenland mit der Kids Wallet bereits Fakten geschaffen.
/ Nils Matthiesen
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Europa beschränkt für Kinder den Zugang zu Social-Media. (Bild: Bastian Riccardi / Pexels)
Europa beschränkt für Kinder den Zugang zu Social-Media. Bild: Bastian Riccardi / Pexels

Europa geht mit zunehmender Härte gegen die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige vor, berichtet Gizmondo(öffnet im neuen Fenster) . Nach dem Vorbild Australiens hat Griechenland bereits Ende Oktober 2025 ein umfassendes Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft gesetzt. Die technische Umsetzung erfolgt über die staatliche App Kids Wallet. Dieses digitale Instrument dient als zentrale Schnittstelle für Eltern, um den Zugriff auf Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Snapchat direkt auf den Endgeräten der Kinder zu blockieren.

Nun zieht Spanien nach: Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte am Dienstag auf dem World Governments Summit in Dubai an, den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 16-Jährige gesetzlich zu untersagen. Er wolle Kinder vor dem "digitalen Wilden Westen" schützen. Ein entsprechender Gesetzentwurf zum Schutz Minderjähriger im digitalen Raum soll bereits kommende Woche in das spanische Parlament eingebracht werden.

Die Rolle der Kids Wallet und Plattformpflichten

In Griechenland erfolgt die Umsetzung auf Geräteebene: Die Kids Wallet ermöglicht eine verifizierte Altersprüfung und kann populäre Apps automatisch sperren, sobald ein Gerät als das eines Minderjährigen registriert ist. Neben sozialen Medien werden auch Glücksspiel- und Erotikseiten blockiert. Regierungsvertreter betonen, dass es sich nicht um ein Überwachungsinstrument, sondern um ein Werkzeug zur elterlichen Kontrolle handelt.

Spanien plant hingegen, die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen. Diese sollen verpflichtet werden, wirksame Systeme zur Altersverifikation einzuführen. Sánchez kündigte zudem an, dass die Staatsanwaltschaft verstärkt prüfen werde, ob Dienste wie Grok, Tiktok und Instagram gegen geltendes Recht verstoßen. Ziel sei eine "Nulltoleranz-Politik" gegenüber Algorithmen, die Essstörungen oder Selbstverletzung förderten.

Internationaler Trend zur Regulierung

Auch Frankreich treibt ähnliche Pläne voran. Ende Januar 2026 billigte die Nationalversammlung einen Entwurf, der den Zugang für Kinder unter 15 Jahren ab September 2026 untersagen soll. Im Gegensatz zu den Ansätzen in Spanien und Griechenland muss der Entwurf noch den Senat passieren. Wie bei früheren französischen Vorstößen bleibt zudem die Vereinbarkeit mit EU-Recht eine offene Frage.

Großbritannien setzt hingegen mit dem Online Safety Act seit Sommer 2023 auf eine strikte Altersverifikation für schädliche Inhalte oder Pornografie auf Plattformen wie Bluesky oder Discord. In Deutschland wird die Debatte um verpflichtende Alterskontrollen ebenfalls intensiv geführt, wobei der Fokus hierzulande verstärkt auf der Durchsetzung bestehender Jugendschutzvorgaben gegenüber den Plattformbetreibern liegt.

Kritik an den Vorstößen kommt von Kinderschutzorganisationen, Medienpädagogen und Plattformen wie Reddit(öffnet im neuen Fenster) . Reddit hat bereits Klage vor dem australischen High Court eingereicht und argumentiert, das Verbot verstoße gegen die Freiheit der politischen Kommunikation. Auch in den USA warnen Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU(öffnet im neuen Fenster) bei ähnlichen Gesetzesvorhaben vor möglichen Eingriffen in die Meinungsfreiheit.


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