Jubiläum: Das Smartphone wird 20 - ein Blick auf IBMs Simon

1994 kam ein Gerät auf den Markt, das rückwirkend als erstes Smartphone bezeichnet werden kann. Der Name war noch nicht einmal erfunden und das Simon genannte Gerät von IBM kein großer Erfolg. Typische Merkmale eines modernen digitalen Begleiters waren aber schon vorhanden.

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Der IBM Simon
Der IBM Simon (Bild: Microsoft Research)

16-MHz-CPU und eine Spezialversion von MS-DOS - das war das, was 1994 den IBM Simon antrieb. Das Gerät, das Mobiltelefon und PDA-Funktionen mit einem Touchscreen vereinte, kam am 16. August vor 20 Jahren auf den Markt. Es gilt rückblickend als das erste Smartphone, auch wenn der Begriff damals noch gar nicht erfunden war. In ersten Ankündigungen und Presseberichten aus der Mitte der 1990er Jahre wurde Simon meist als "PDA" bezeichnet, also als "Personal Digital Assistent". Diese kleinen Geräte wie der Palm Pilot mit monochromen und meist nicht beleuchteten LCD waren damals sehr beliebt.

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Im Unterschied zu heutigen Smartphones konnte Simon nicht drahtlos ins Internet - die Mobilfunknetze beherrschten das 1994 noch nicht. Schriftliche Nachrichten ließen sich dennoch nicht nur per SMS austauschen, denn Simon konnte Faxe senden und empfangen. Auch Mail war möglich, wenn auch nur durch den Anruf bei einem Server, der mit Lotus cc:Mail arbeitete. Solche Einwahlverbindungen zu einem Firmenserver waren damals ein üblicher Kommunikationsweg. Dafür war aber eine Kabelverbindung nötig, ein Modem war in Simon eingebaut, das zugehörige Telefonkabel musste aber nachgekauft werden.

  • Bedienelement des Simon (Bild: IBM)
  • Die vorinstallierten Programme des Simon (Bild: Microsoft Research)
  • Die Rückseite besteht fast nur aus Akku, dennoch.... (Bild: IBM)
  • ... muss das Gerät in eine Ladeschale.
Die vorinstallierten Programme des Simon (Bild: Microsoft Research)

Die Benutzeroberfläche von Simon versteckte mit Icons, Fenstern und Registerkarten das zugrundeliegende Embedded-DOS von Datalight vor dem Nutzer. Bedient wurde sie über einen Touchscreen, und zwar entweder mit den Fingern oder mit einem mitgelieferten Stift. Dieser Bildschirm arbeitete aber im Gegensatz zu modernen Smartphones nicht kapazitiv, sondern resistiv - der Stift diente also eher zum genauen Antippen von kleinen Flächen, die für die Finger schlecht zu treffen waren.

  • Bedienelement des Simon (Bild: IBM)
  • Die vorinstallierten Programme des Simon (Bild: Microsoft Research)
  • Die Rückseite besteht fast nur aus Akku, dennoch.... (Bild: IBM)
  • ... muss das Gerät in eine Ladeschale.
Die Rückseite besteht fast nur aus Akku, dennoch.... (Bild: IBM)

Eine wichtige Gemeinsamkeit mit heutigen Smartphones war die Fähigkeit, neue Anwendungen zu installieren. Diese sollten IBM zufolge auf den von PC bekannten PCMCIA-Steckkarten erscheinen, angesichts von nur 50.000 verkauften Exemplaren ergab sich aber kein großer Markt für Drittentwickler. Das einzig verbreitete Format von Steckkarten bedingte neben dem Nickel-Cadmium-Akku wohl auch den Formfaktor: Simon wog über 500 Gramm und war ganze 23 Zentimeter lang. Dennoch konnte nur rund eine Stunde telefoniert werden.

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Ebenso war der Prozessor schon ein System-on-a-Chip (SoC), wie sie auch heute üblich sind. Es handelte sich um ein Modell der Vadem-Reihe von NEC, auf dem Grafiklogik, Schnittstellen und auch der damals sonst meist externe Speichercontroller integriert waren. Wichtigstes Merkmal war aber die x86-Kompatibilität, die den Einsatz eines schon weit entwickelten und stabilen Embedded-DOS ermöglichte.

Wie bei so vielen ersten Exemplaren einer neuen Kategorie war Simon kein Erfolg, was wohl auch am hohen Preis von 600 US-Dollar mit Zwei-Jahres-Vertrag oder 1.100 US-Dollar ohne Providersubvention gelegen haben dürfte. Das Gerät wurde nicht einmal ein Jahr lang angeboten, ein Nachfolger erschien nie. Eine länger erfolgreiche Serie von Smartphones startete erst 1996 Nokia mit dem Communicator. Simon war seiner Zeit offenbar nur zwei Jahre voraus, und dennoch wegweisend. Daher hat auch Microsoft Research dem Gerät eine Webseite gewidmet, auf der sich zahlreiche Originalunterlagen inklusive des Handbuchs (PDF) finden. Wie sich die 1994 langsam etablierte Kategorie der Notebooks anfühlte, zeigt unser Test des Compaq Aero 4/33C, das im selben Jahr erschien.

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