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Journalistinnen: Fotos mit NSO-Trojaner gestohlen und veröffentlicht

Private Bilder von Journalistinnen wurden zur Rufschädigung veröffentlicht. Die Fotos sollen aus per NSO gehackten Smartphones stammen.

Artikel veröffentlicht am ,
Trojanisches Pferd (Symbolbild) (Bild: Chirodex/Pixabay)

Private Fotos von den gehackten Smartphones mehrerer Journalistinnen und Aktivistinnen aus dem Nahen Osten wurden laut einem Bericht des Nachrichtensenders NBC veröffentlicht, um den Betroffenen zu schaden. Die Smartphones sollen mit der umstrittenen Spionagesoftware Pegasus des israelischen Trojanerherstellers NSO gehackt worden sein.

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Von einem Freund wurde Ghada Oueiss, eine libanesische Rundfunkjournalistin bei Al-Jazeera, auf die Fotos hingewiesen, die auf Twitter die Runde machten. Die Fotos stammten von ihrem Smartphone und zeigten sie im Bikini in einem Whirlpool. Sie wurden von einem Netzwerk von Twitter-Accounts mit der falschen Behauptung, die Fotos seien im Haus ihres Chefs aufgenommen worden, verbreitet.

"Ich wusste sofort, dass mein Telefon gehackt worden war", sagte Oueiss, sie vermutet, dass mit den Fotos ihre Reputation zerstört und damit ihre kritische Berichterstattung über das saudische Regime zum Schweigen gebracht werden sollte. "Diese Fotos wurden nirgendwo veröffentlicht. Sie waren nur auf meinem Telefon."

"Es war, als wäre jemand in mein Haus eingedrungen"

Viele der Konten, die das Bild teilten, unterstützen laut dem Bericht den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman Al Saud, bekannt als MBS, darunter auch verifizierte Konten von Regierungsvertretern. "Ich bin eine unabhängige, liberale Frau, und das provoziert ein frauenfeindliches Regime", sagte Oueiss. Sie hatte bewusst nur Fotos von sich veröffentlicht, auf denen sie ein Jacke trug und vermied es, Interviews über ihr Privatleben zu geben.

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Auf die Veröffentlichung der Fotos folgten Tausende Tweets und Direktnachrichten, die sie angriffen und beleidigten. "Ich bin es gewohnt, online belästigt zu werden. Aber das war anders", fügte sie hinzu. "Es war, als wäre jemand in mein Haus eingedrungen, in mein Schlafzimmer, in mein Badezimmer. Ich fühlte mich so unsicher und traumatisiert."

Im Dezember vergangen Jahres reichte sie Klage gegen den Kronprinzen, zusammen mit anderen Angeklagten, darunter der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed, ein. Auch zwei Twitter-Nutzer aus Florida, welche die Bilder online weitergegeben haben sollen, sind Teil der Beklagten. Teil der Klage ist auch ein Bericht eines digitalen Forensikers, der die Schadsoftware Pegasus auf ihrem Smartphone gefunden haben soll.

"Pegasus ist eine Waffe, die gegen Journalismus eingesetzt wird"

"Pegasus ist ein Spyware-Tool und eine Waffe, die gegen Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Menschenrechtsaktivismus und Journalismus eingesetzt wird", sagte Rasha Abdul Rahim, Direktorin von Amnesty Tech, einer Abteilung von Amnesty International, die sich auf Technologie- und Überwachungstools konzentriert. "Die Meinungsfreiheit von Frauen wird sowohl online als auch offline auf ganz spezifische Weise missbraucht und gezielt angegriffen." Der Fokus liege darauf, sie zum Schweigen zu bringen, die Aufmerksamkeit auf ihren Körper zu lenken oder darauf, was sie tragen oder sagen sollten.

Oueiss ist nicht die einzige Betroffene. Mit der Schadsoftware Pegasus, die an staatliche Organisationen verkauft wird, wurden unter anderem Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und Politiker gehackt und überwacht. Ein geleakter Datensatz enthält 50.000 Telefonnummern, bei denen es sich um potenzielle Ausspähziele von NSO-Kunden aus den Jahren 2016 bis 2021 handeln soll.

Während die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate nicht auf eine Anfrage von NBC antwortete, erklärte das Außenministerium, dass die Anschuldigungen jeglicher Beweisgrundlage entbehren würden. Das saudi-arabische Außenministerium schwieg zu der Anfrage. Louis Rynsard, ein Sprecher der NSO Group, betonte, dass das Unternehmen "aus vertraglichen und nationalen Sicherheitsüberlegungen die Identität unserer Regierungskunden nicht bestätigen oder leugnen kann". Allerdings hatte NSO-Chef Shalev Hulio in der Vergangenheit erklärt, dass es okay sei, Journalisten zu überwachen.

Auch ehemalige Profireiterin aus Saudi-Arabien betroffen

Auch die Aktivistin und ehemalige Profireiterin aus Saudi-Arabien Alya Alhwaiti berichtet von veröffentlichten Bildern, die nur auf ihrem Smartphone gewesen seien. Auf einem der Fotos ist sie laut NBC auf der Hochzeit eines Freundes zu sehen, trägt ein kurzes Kleid und hat einen Bluterguss am Bein vom Reiten. Auf einem anderen sonnt sie sich in Shorts und T-Shirt.

Auch diese Bilder wurden auf Twitter mit erfundenen Geschichten geteilt. So wird sie beschuldigt, betrunken und promiskuitiv zu sein und jemandem erlaubt zu haben, in ihren Oberschenkel zu beißen. Hunderte Konten beleidigten sie daraufhin und schickten ihr Morddrohungen. Auch hier schienen die Konten regierungsfreundlich zu sein.

Alhwaiti, die seit Jahren in London lebt, gab an, das Smartphone dem Citizen Lab der Universität Toronto gegeben zu haben. Diese sollen Spuren der Schadsoftware Pegasus gefunden haben. Alhwaiti führt die Angriffe auf ihre Kritik am Mord des Journalisten Jamal Khashoggi zurück, dessen Freunde und Kollegen ebenfalls mit NSO-Schadsoftware ausspioniert wurden. "Es ist schwer, mit der Angst zu leben. Was hält sie davon ab, das, was sie Khashoggi angetan haben, überall zu wiederholen?", sagte sie.