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Joule: SAPs KI-Wette wackelt

Die eigenen Kunden zweifeln am Nutzen von Joule, dem KI-Assistenten, auf den SAP seine Zukunft aufgebaut hat.
/ Michael Linden
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SAP-Logo (Bild: Pau Barrena/AFP via Getty Images)
SAP-Logo Bild: Pau Barrena/AFP via Getty Images

SAP bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen: Kunden und Implementierungspartner stellen zunehmend infrage, ob die KI-Tools des Softwarekonzerns ihren Preis wert sind. Das geht aus Gesprächen hervor, die Bloomberg mit mehr als einem Dutzend Beteiligter geführt hat(öffnet im neuen Fenster) .

Im Mittelpunkt der Kritik steht Joule, SAPs KI-Assistent, der im September 2023 eingeführt und seitdem auf das gesamte Softwareportfolio ausgeweitet wurde. Einige Nutzer bemängeln, das Tool sei kaum brauchbar, solange Anfragen nicht extrem präzise formuliert würden. Ein Manager bei einem großen Implementierungspartner bezeichnete es als "glorifiziertes Suchwerkzeug" – nützlich zum Finden von Informationen in Dokumenten, aber nicht in der Lage, Geschäftsprozesse grundlegend zu verbessern.

Auch Volkswagen testete Joule und stufte das Tool laut einer mit dem Vorgang vertrauten Person als noch nicht ausgereift ein. Der Konzern sah keinen klaren Weg zu nennenswerten Kosten- oder Ressourceneinsparungen. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Zwei große Implementierungspartner in den USA und Deutschland – den beiden wichtigsten Märkten von SAP – berichteten Bloomberg, dass sie in Kundengesprächen kaum Nachfrage nach den KI-Produkten wahrnehmen. Auch das Preismodell steht in der Kritik.

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SAP widerspricht dem Bild, das Kritiker zeichnen. Ein Unternehmenssprecher betonte, es gebe "starkes und breites Interesse von Kunden aus verschiedenen Branchen" , und die Nutzung entwickle sich wie erwartet. Im Jahr 2025 habe die Technologie Hunderte Millionen Dokumente verarbeitet – das sei "gelebter Alltag für unsere Kunden" .

SAP-Vorstandschef Christian Klein verwies auf Zahlen, wonach mehr als zwei Drittel der Kundenbestellungen im jüngsten Quartal KI-Produkte enthielten – ein Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal. Die Zahl der Joule-Nutzer sei 2025 um das Neunfache gewachsen. Gesamtzahlen zu aktiven Nutzern oder separate KI-Umsätze veröffentlicht SAP jedoch nicht.

Im Januar 2026 meldete SAP Quartalszahlen, die nichts Gutes verhießen . Die Aktie verlor am Berichtstag rund 16 Prozent und notiert seitdem noch immer etwa 15 Prozent tiefer als zuvor.

Einige Kunden suchten dem Bericht von Bloomberg nach bereits Alternativen außerhalb des SAP-Ökosystems. Chris Blatchford, CTO des britischen Einzelhändlers Kingfisher, erklärte, das Unternehmen werde seine bestehende SAP-Software nicht upgraden, sondern Teile der Infrastruktur mit Drittanbieter-Support von Rimini Street auf Google Cloud migrieren. "Wir fordern von Anbietern echten Mehrwert" , sagte er im November 2025 auf dem Gartner-Symposium in Barcelona. "Präsentiert mir nicht einfach ein neues Lizenzmodul, das meine Kosten um das Zwanzigfache erhöht."


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