Jede Menge Ballast

Der aus The Walking Dead bekannte Steven Yeun spielt einen ehemaligen Kinderstar, der nun eine Western-Stadt für Kids betreibt. Die Figur hat mit der Haupthandlung eigentlich nichts zu tun, selbst der Kontakt zu Otis und Em ist nur peripher. Trotzdem widmet Peele ihr viel Zeit. So viel sogar, dass es eine ganze Sequenz darüber gibt, was den Mann traumatisierte, als er noch ein Junge war.

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Peele bringt einen kompletten Rückblick zur Show, in der das Kind als einziges überlebt, als ein Schimpanse in einen Blutrausch gerät. Das ist eine effektive und tatsächlich gruslig-stimmungsvolle Szene, aber sie hat keinen Bezug zur Handlung des Films. Das macht sie zu Ballast, den man loswerden sollte. Bezeichnend ist aber, dass dies die spannendste Szene ist, an die kein anderer Moment des Films heranreicht.

Der weiße Hai in den Lüften

Im Grunde setzt Peele das, was sich in den Wolken verbirgt, so ein, wie Steven Spielberg den Menschenfresser in Der weiße Hai genutzt hat. Nur, dass es nicht spannend ist. Denn Peele stellt Regeln auf, die sich nicht erschließen. So kann das Ding nur dann zuschlagen, wenn das Opfer es direkt ansieht. Sieht man weg, ist man sicher.

Peele zwingt die Figuren, irrational zu handeln. Es gibt jede Menge Momente, in denen man denkt: Kein echter Mensch würde das jetzt tun. Bei Peele tun sie es jedoch alle, weil die Figuren für ihn nur Mittel zum Zweck sind, um die Geschichte genauso zu erzählen, wie er sich das vorstellt.

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Die Figuren müssen aber auch handeln, wie sie es tun, weil Peele Nope natürlich auch mit Botschaften auflädt. Wenn er das Trauma des ehemaligen Kinderdarstellers zeigt, ist das eine kaum verklausulierte Anklage, dass jede Menge Kinder in Hollywood durch den seelischen Fleischwolf gedreht wurden und als beschädigte Erwachsene daraus hervorgingen.

Wenn er von den Pferden spricht, die ersetzt werden, ist das ein Kommentar auf Minderheiten, die in Hollywood nicht so sehr zum Zuge kommen, wie sie sollten. Allerdings wirkt der Kommentar aufgesetzt - und geht an der Sache vorbei, schließlich hat Peele mit seinen Erfolgsfilmen doch dazu beigetragen, dass sich im amerikanischen Film mittlerweile mehr Diversität zeigt.

Mit der Figur des desillusionierten Regisseurs, der mit einer handbetriebenen Kamera das Ding in den Wolken dokumentieren will, möchte er auch etwas aussagen - aber was? Vielleicht etwas über den Mist, den das moderne Hollywood reihenweise raushaut?

Ist denn auch etwas gut an Nope?

Nope enttäuscht auf ganzer Linie, aber er ist nicht gänzlich frei von Qualitäten. Zwar fehlen ihm mehrheitlich Szenen, die Spannung aufbauen, allerdings hat Kameramann Hoyte van Hoytema vieles in grandiosen Bildern eingefangen. Als man das erste Mal das Ding aus den Wolken über Daniel Kaaluya schweben sieht, ist das eindrucksvoll, zumal das Sounddesign und der Score von Michael Abels hervorragend sind.

Kamera und Musik sind die einzigen Elemente, die dem Film ein wenig Klasse geben. Die Schauspieler sind gut, das Material, mit dem sie arbeiten müssen, lässt sie jedoch im Stich.

So ist Nope nicht nur der dritte Film von Jordan Peele, den er als Autor, Produzent und Regisseur verantwortet, sondern auch der erste, der zeigt, dass man ihn vielleicht weniger mit Steven Spielberg vergleichen sollte, der früh den Status eines Wunderkinds hatte.

Vielmehr sollte man ihn mit M. Night Shyamalan vergleichen, der nach seinem ersten Hit The Sixth Sense auch immer weiter versuchte zu beweisen, dass dieser nicht nur ein Zufallsprodukt war. Was Peeles Ausflug in die Science-Fiction betrifft, muss man jedoch sagen: Nope, das war nichts.

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 Jordan Peeles Nope: Ein Titel, der alles sagt
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