Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Jolla im Test: Das Smartphone, das Nokia nicht wollte

450 Vorbesteller kamen nach Helsinki zum Launch-Event für das langersehnte erste Smartphone mit Jollas Betriebssystem Sailfish OS. Es hat eine durchdachte Gestensteuerung sowie intelligente Wechselcover und unterstützt Android -Apps.
/ Tobias Költzsch
211 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Jollas erstes Smartphone mit Sailfish OS (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
Jollas erstes Smartphone mit Sailfish OS Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

Mit seinem ersten Smartphone möchte Jolla dort weitermachen, wo Nokia 2011 aufgehört hat, als es das Betriebssystem Meego aufgab. Jolla wurde von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet, um ein auf Meego basierendes neues Betriebssystem zu programmieren: Sailfish OS. Einer der leitenden Mitarbeiter von Jolla ist der ehemalige Leiter der Meego-Entwicklung bei Nokia, Marc Dillon. Viele treue Meego-Nutzer warten schon lange auf einen Nachfolger für ihr mittlerweile betagtes Nokia N900 - zusammen mit aktueller Hardware wie LTE-Unterstützung, Snapdragon-Prozessor und intelligenten Wechselcovern scheint das Jolla-Smartphone dafür geeignet zu sein.

Benutzeroberfläche Sailfish OS

Das Open-Source-Betriebssystem Sailfish OS basiert auf der Mer-Plattform, die ihrerseits auf Meego basiert. Auf Jollas erstem Smartphone läuft Sailfish OS in der Version 1.0.0.5, Codename Kaajanlampi. Die Benutzeroberfläche teilt sich in drei Hauptbereiche auf: den Sperrbildschirm, die Übersicht über die offenen Apps und das App-Verzeichnis. Das Smartphone hat weder einen Home-Button noch Navigationstasten, die Bedienung erfolgt komplett über Gesten. An der Seite befinden sich lediglich ein Einschalter und eine Lautstärkewippe.

Die Gestensteuerung von Sailfish OS erinnert etwas an die von Blackberrys mobilem Betriebssystem Blackberry 10, ist allerdings deutlich umfangreicher. Der Nutzer weckt das Jolla-Smartphone entweder konventionell über den Einschalter auf oder wie bei Nokias Lumia-Geräten mit einem Doppeltipp auf den Bildschirm.

Sperrbildschirm mit Zusatzmenü

Der Sperrbildschirm zeigt in der linken oberen Ecke neue Nachrichten und weitere Statusmeldungen. Wird eine Sicherheitssperre mit Code eingerichtet, erscheint diese nach dem Wegwischen des Sperrbildschirms. Am oberen Displayrand ist ein in der aktuellen Hauptfarbe gehaltener heller Streifen zu sehen. Dieser zeigt an, dass mit einem Wisch von der Bildschirmmitte nach unten eine Menüauswahl aufgerufen werden kann - ein System, das Jolla an zahlreichen Stellen des Betriebssystems nutzt.

Über dieses Menü kommt der Nutzer im Falle des Sperrbildschirms schnell zu den Einstellungen, der Kamera und der Telefonfunktion. Außerdem kann er das Smartphone stumm schalten. In Apps kann er mit der Geste meist grundlegende Funktionen ausführen, beispielsweise einen Kontakt in der Telefon-App suchen oder im Browser einen neuen Tab erstellen.

Umfangreiche Gestensteuerung

Wischt der Nutzer vom oberen Rand nach unten in den Bildschirm hinein, schaltet er das Smartphone in den Standby-Modus - dies funktioniert auch von der Übersicht der geöffneten Apps und dem App-Verzeichnis aus. Innerhalb einer App führt diese Geste dazu, dass das Programm geschlossen wird.

Ein Wisch vom linken oder rechten Rand in den Bildschirm hinein legt die App auf dem Übersichtsbildschirm ab, wo sie schnell wieder aufgerufen werden kann. Zudem kann der Nutzer hier bei manchen Apps Grundfunktionen ausführen, ohne das Programm selbst zu öffnen. Insgesamt können maximal neun Apps in der Übersicht abgelegt werden, ab der zehnten wird die jeweils älteste automatisch ausgeblendet, aber nicht beendet.

Dieser Übersichtsbildschirm ist besonders bei Jollas eigenem E-Mail-Client nützlich, da so schnell kontrolliert werden kann, ob neue Nachrichten vorliegen. Beim Browser ist es möglich, die aktuell geöffnete Seite neu zu laden oder einen neuen Tab zu öffnen. Zusätzlich werden bei manchen Apps Informationen angezeigt, so dass diese stellenweise ähnlich wie Widgets unter Android arbeiten.

Facebook-Benachrichtigungen ohne installierte App

Wischt der Nutzer von unten in den Bildschirm, öffnet er die Benachrichtigungsübersicht. Hier erscheinen Benachrichtigungen von allen eingerichteten Konten, also beispielsweise Google-Plus-, Facebook-, Twitter- und SMS-Nachrichten. Diese erscheinen auch dann, wenn keine der passenden Apps installiert ist - neue Facebook-Kommentare oder Nachrichten werden beispielsweise direkt im Browser angezeigt, wenn auf die Benachrichtigung geklickt wird.

Ähnlich wie bei Windows Phone 8 erscheint jede Benachrichtigung auch als Toast-Nachricht, die direkt angeklickt werden kann. Solch eine Benachrichtigung erscheint auch, wenn der Nutzer beispielsweise E-Mails löscht: Er hat dann fünf Sekunden Zeit, mit einem Fingertipp die Löschung noch zu verhindern.

App-Navigation ebenfalls mit Gesten

Innerhalb von Menüs und manchen Apps navigiert der Nutzer ebenfalls mit Wischgesten. Ein Wisch nach links entspricht dabei entweder dem Befehl für vorwärts oder dient der Zustimmung; ein Wisch nach rechts bringt den Nutzer zum vorigen Bildschirm zurück. Jede Wischgeste kann bei Sailfish OS auch nur angedeutet werden. So kann der Nutzer etwa bei einer Benachrichtigung über eine neue E-Mail kurz nach deren Absender schauen, während er weiter in der aktuell genutzten App bleibt. Dieses Prinzip erinnert an den Blackberry Hub von Blackberrry 10, bei dem der Nutzer durch eine angedeutete Geste einen Blick auf seine E-Mails werfen kann.

Aktuell ist die App-Auswahl im Jolla-Store noch sehr übersichtlich. Das Jolla-Smartphone wird relativ nackt ausgeliefert, nicht einmal ein E-Mail-Programm ist aktuell vorinstalliert. Jolla hat daher im Appstore eine eigene Rubrik mit grundlegenden Programmen angelegt. Hier finden sich neben dem E-Mail-Client auch Programme wie eine Taschenrechner-App, ein Dokumenten-Reader und eine nachinstallierbare Unterstützung für Microsoft Exchange.

Kompatibilität mit Android-Apps

Die nativen Sailfish-OS-Apps können in Qt oder QML entwickelt werden. Bevor das erste Jolla-Smartphone auf den Markt kam, hatte der Hersteller angekündigt, dass auch Android-Apps unter Sailfish OS laufen . Jolla selbst hält diese Option für essenziell, um auf dem Smartphone-Markt eine Chance zu haben, wie ein Mitarbeiter Golem.de erklärt. Zu stark sei mittlerweile Androids Dominanz, die mit einem gewissen Grad an Kompatibilität durchbrochen werden solle. Über den Yandex-Appstore lassen sich einfach Android-Programme installieren, wie beispielsweise Skype oder der Opera-Browser. Die Auswahl ist aber auch hier begrenzt.

Manuelle Installation von Android-Apps

Android-APKs lassen sich jedoch auch problemlos manuell auf dem Jolla-Smartphone installieren. Dazu muss eine APK-Datei einfach ausgeführt werden, die App wird dann automatisch installiert. Da es momentan noch keinen Datei-Explorer zu geben scheint, sind per USB-Kabel auf das Smartphone gespielte Dateien allerdings nicht aufzufinden. Werden die APKs in einen Cloud-Speicher hochgeladen, können sie aber heruntergeladen und installiert werden. Das ist umständlich, solange es keinen Dateimanager für Sailfish-OS gibt. Zwar kann über den Yandex-Store der ES File Manager für Android installiert werden, dieser hat jedoch keinen Zugriff auf das Dateisystem von Sailfish OS.

Manche Android-Apps funktionieren auf Jollas Smartphone nicht. Dazu zählen beispielsweise einige Programme, die zusätzliche Dateien herunterladen müssen.

In einer Android-App kann der Nutzer nicht mit Gesten in Menüs zurückgehen, dafür wird die von Android gewohnte Zurück-Taste eingeblendet. Auch die zuletzt verwendeten Apps kann der Nutzer mit einem Software-Button einblenden, den Home-Button gibt es nicht. Um zum Startbildschirm zurückzukehren oder die App zu schließen, verwendet der Nutzer die Sailfish-OS-Befehle.

Sailfish OS künftig auch auf Android-Smartphones

Die Android-Kompatibilität Jollas geht so weit, dass Android-Nutzer künftig Sailfish OS einfach auf ihren Smartphones installieren können, wie Jolla-Chef Tomi Pienimäki dem Magazin Talouselämä verraten hat. "Das ist der Plan. Wir sind im Geräte- und im Betriebssystemgeschäft. Es ist ziemlich einfach, Sailfish OS auf einem Android-Gerät zu installieren" , erklärt Pienimäki.

Insgesamt ist Sailfish OS übersichtlich und gut gelungen, zudem läuft es - abgesehen vom ruckeligen Browser - flüssig in den Menüs. Auch mit mehreren geöffneten Apps kann das Jolla-Smartphone gut umgehen. Jedoch stehen aktuell noch kaum die Hardware fordernde native Apps zur Verfügung. Die Kompatibilität zu Android-Apps ermöglicht es dem Nutzer, das App-Spektrum zu erweitern. Momentan noch nicht vorhandene native Sailfish-OS-Apps können auf diese Weise ersetzt werden, beispielsweise Facebook und Twitter. Aktiviert der Nutzer den Entwicklungsmodus, kann er mit einem Command-Terminal auf das System zugreifen. Da Sailfish OS ein echtes Linux-System ist, ist die Shell komplett funktionstüchtig.

Intuitive Steuerung, stellenweise fehlen noch Funktionen

Die Benutzerführung ist umfangreich, durchdacht und intuitiv, Jolla hat das bereits gute Gestensystem von Blackberry 10 noch übertroffen. Stärker als bei anderen gestenbasierten Betriebssystemen passierte es uns, dass wir auf anderen Smartphones die Sailfish-OS-Gesten ausführen wollten - besonders den Aufruf der Benachrichtigungen und das Ablegen der Apps. Auch für Nutzer, die von mobilen Betriebssystemen ohne Gestensteuerung wie Android oder iOS kommen, ist Sailfish OS bereits nach kurzer Zeit zugänglich.

An manchen Stellen fällt allerdings auf, dass es sich um ein neues Betriebssystem handelt: Gelegentlich werden Apps direkt nach dem Start beendet, im Browser fehlt ein Querformatmodus, und manchmal bricht die WLAN-Verbindung ab beziehungsweise baut sich nicht selbstständig auf. Jolla selbst bezeichnete Sailfish OS dementsprechend auf der Launch-Party noch als Betaversion.

Gehäuse mit intelligenten Wechselschalen

Das Gehäuse des Jolla-Smartphones ist aus Kunststoff, die Rückseite kann ausgetauscht werden. Charakteristisch sind die deutlichen Unterschiede zwischen Vorder- und Rückseite: Die Displayseite des Smartphones ist am oberen und unteren Rand eckig, am linken und rechten Rand abgerundet. Bei der Rückseite ist es umgekehrt, zudem ist diese im Unterschied zur schwarzen Vorderseite bunt.

Das Gerät ist gut verarbeitet und knarzt nicht. Das Design ist ungewöhnlich, die deutlich sichtbare Zweiteilung des Gehäuses ist offenkundig beabsichtigt, wird die Rückseite doch als "The Other Half" , die andere Hälfte, bezeichnet.

Wechselschalen mit Chip

Die Wechselcover dienen nämlich nicht nur der Optik, sondern bieten dank eines eingebauten Chips - wahrscheinlich ein RFID-Chip - weitergehende Möglichkeiten. Die momentan erhältlichen Cover - neun Farben stehen zur Verfügung - verändern jeweils das Hintergrundbild und das gesamte Farbschema des Jolla-Smartphones. Diese Funktion nennt Jolla Ambiente.

Zwei über dem Akku angebrachte Kontakte lesen die Informationen des Chips aus und verändern entsprechend die Einstellungen. Das im Lieferzustand angebrachte weiße Cover aktiviert die Voreinstellung "Snow White", die die Benutzeroberfläche in Weiß- und Blautöne taucht. Das speziell zu den ersten Jolla-Phones ausgelieferte orangerote Poppy-Red-Cover hingegen ändert das Farbschema in Rottöne.

Farbauswahl mit Ambiente

Der Nutzer kann auch sein eigenes Ambiente erstellen, basierend auf einem Foto oder einer Grafik. Jolla liefert einige Vorlagen mit, selbst aufgenommene Fotos funktionieren auch problemlos.

Sobald das Ambiente eines Wechselcovers installiert wurde, steht es dem Nutzer auch zur Verfügung, wenn das entsprechende Cover nicht verwendet wird. Das bisher installierte Ambiente kann ausgewählt werden, indem der Nutzer im Sperrbildschirm oder der App-Ablage vom linken oder rechten Rand in den Bildschirm wischt. Hier findet der Nutzer auch selbst erstellte und gespeicherte Ambiente-Varianten.

Weitere Einsatzmöglichkeiten für Wechselcover denkbar

Im Gespräch mit Golem.de hat ein Jolla-Mitarbeiter weitere Einsatzgebiete für die Wechselcover genannt. So sei es beispielsweise denkbar, dass ein Fußballclub eigene Wechselschalen verteile. Jeder, der diese auf sein Jolla-Smartphone steckt, hätte dann das Vereinslogo als Hintergrundbild und ein Ambiente in den Vereinsfarben.

Auch Interaktionen mit Apps seien denkbar. Unter dem Rückdeckel befinden sich zudem ein weiteres Kontaktpaar und zwei Einzelkontakte, die in Zukunft wohl auch zum Einsatz kommen - denkbar wären eine ansteckbare Tastatur oder ein Rückdeckel mit Drahtlosladetechnik. Jolla selbst plant offenbar einen NFC-Chip im Rückdeckel, im Smartphone selbst ist keiner eingebaut.

Durchschnittliche Hardware

Das IPS-Display des Jolla-Smartphones ist 4,5 Zoll groß und hat eine Auflösung von 960 x 540 Pixeln. Das ergibt eine Pixeldichte von knapp 245 ppi. Aufgrund der eher niedrigen Auflösung werden Bildschirminhalte nicht komplett scharf dargestellt. Dies ist insbesondere bei feinen Details wie kleiner Schrift bemerkbar. Ein Treppeneffekt ist ebenfalls sichtbar.

Das Display ist relativ blickwinkelstabil, verliert aber merklich an Helligkeit, wenn von der Seite darauf geschaut wird. Die Farben sind natürlich, der Kontrast ist gut. Das mit Gorilla Glass 2 geschützte Display ist unempfindlich gegen Fingerabdrücke und lässt sich leicht abwischen.

Der Lagesensor arbeitet ohne Verzögerung. Der Helligkeitssensor hat allerdings keine merklichen Auswirkungen auf die Displayhelligkeit.

Dual-Core-Prozessor und LTE

Im Inneren des Jolla-Smartphones arbeitet ein Dual-Core-Prozessor von Qualcomm mit einer Taktrate von 1,4 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 1 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 16 GByte. Davon stehen dem Nutzer knapp 14 GByte zur Verfügung. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut.

Das Jolla-Smartphone unterstützt GSM, UMTS und LTE auf bisher noch nicht veröffentlichten Frequenzen. Jolla verspricht, dass das Smartphone weltweit auf allen Kontinenten funktioniert. WLAN beherrscht das Gerät nach 802.11b/g/n, also nur auf der Frequenz 2,4 GHz. Bluetooth läuft in der Version 4.0 EDR HS, ein GPS-Empfänger mit Glonass-Unterstützung ist vorhanden. Ein NFC-Chip ist nicht eingebaut, dieser soll aber offenbar über einen passenden Rückdeckel nachgerüstet werden können.

Kamera mit buntem Weißabgleich

Die auf der Rückseite eingebaute Kamera hat 8 Megapixel, einen Autofokus und ein LED-Fotolicht. Die Qualität der aufgenommenen Bilder ist gut. Die Schärfe ist ausgeglichen, der Kontrast und die Farben bei Tageslichtaufnahmen gut.

In dunkleren Umgebungen fängt der Bildsensor jedoch schnell an zu rauschen. Bei Mischlicht funktioniert der automatische Weißabgleich nicht mehr zuverlässig, was zu komplett blau getönten Aufnahmen führen kann. Dies passiert auch bei Blitzlichtaufnahmen häufiger.

Kamera-App mit wenig Einstellungsmöglichkeiten

Die Kamera-App selbst wird auch durch Gesten bedient: Wischt der Nutzer nach unten, werden die Einstellungsmöglichkeiten eingeblendet. Hier kann der Nutzer den Weißabgleich, die Blitzfunktion und die Fokusart einstellen oder die Videofunktion aktivieren. Ein Wisch nach rechts öffnet die Galerie.

Detaillierte Einstellungen bietet die Kamera-App jedoch noch nicht. Wir konnten weder die Auflösung noch das Bildformat einstellen, unterschiedliche Aufnahmemodi wie bei anderen mobilen Betriebssystemen, beispielsweise einen Serienbildmodus, gibt es ebenfalls nicht.

Die Frontkamera hat 2 Megapixel und eignet sich für Videotelefonie.

Magere Akkulaufzeit

Das Jolla-Smartphone misst 131 x 68 x 9,9 mm und wiegt 141 Gramm. Der wechselbare Akku hat eine Nennladung von 2.100 mAh, die Kapazität beträgt 7,98 Wh. Jolla gibt die Sprechzeit im UMTS-Modus mit 10 Stunden an, die Standby-Zeit mit 500 Stunden.

In unserem Test hält das Smartphone bei durchschnittlicher Nutzung gerade so einen Tag durch. Sobald wir das Smartphone öfter als sonst nutzen, sinkt die Nutzungsdauer schnell. Dabei haben wir hauptsächlich E-Mails überprüft, Facebook genutzt und im Internet gesurft.

Die angegebenen Standby-Zeiten scheinen bei unserem Gerät nicht realistisch zu sein. So hatte das Smartphone an einem Abend eine Restladung von ungefähr 40 Prozent, am nächsten Morgen war das Gerät komplett entladen. Dies kann am Betastatus von Sailfish OS liegen.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Jolla-Smartphone ist ab sofort in Finnland in den Läden des Netzbetreibers DNA für 400 Euro erhältlich. Wie ein Mitarbeiter Jollas Golem.de erklärte, soll der internationale Verkauf künftig aus Kostengründen hauptsächlich über einen eigenen Onlineshop erfolgen, obwohl der Hersteller auch mit anderen Netzbetreibern und Händlern über eine Vermarktung verhandelt.

Fazit

Jollas erstes Smartphone ist eine gelungene Plattform für das neue mobile Betriebssystem Sailfish OS. Dank der umfangreichen und intuitiven Gestensteuerung lässt sich das Smartphone bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit deutlich angenehmer bedienen als Geräte mit anderen Systemen.

Sailfish OS ist übersichtlich, klar strukturiert und läuft bereits in der aktuellen Betaversion flüssig und nahezu stabil. Allerdings vermissen wir noch einige Funktionen wie beispielsweise einen Querformatmodus im Browser und mehr Einstellungsmöglichkeiten, etwa bei der Kamera-App. Hier sollte Jolla mit Updates noch nachbessern, ebenso bei der zu kurzen Akkulaufzeit.

Die Kompatibilität mit Android ist praktisch, Android-Apps funktionieren in den meisten Fällen problemlos. Das könnte für Jolla essenziell sein, um auf dem Smartphone-Markt zu bestehen. Denn die Dominanz von Android und iOS scheint zu groß, um mit einem weiteren geschlossenen System Erfolg haben zu können.

Die "The Other Half" genannten Wechselschalen könnten künftig dank des eingebauten Chips zu mehr als nur zur bloßen Veränderung der Optik des Smartphones dienen. Momentan ändern sie bereits das Hintergrundbild und das Farbschema des Gerätes, andere Funktionen sind denkbar.

Der Verkaufspreis von 400 Euro ist bei der gebotenen Hardware verglichen mit manchen Android-Smartphones vergleichsweise hoch, zu bedenken ist allerdings, dass für diesen Preis nicht nur das Smartphone mit der neuen Idee der Wechselcover mit Chip bezahlt wird, sondern auch die Entwicklung eines komplett neuen Smartphone-Betriebssystems. Sailfish OS erscheint uns verglichen mit dem ebenfalls noch recht neuen Firefox OS ausgereifter und leistungsfähiger - es zielt jedoch auch weniger auf den Einsteigerbereich ab.

Das erste Jolla-Smartphone eignet sich nicht nur für Meego-Enthusiasten, sondern ist dank seiner benutzerfreundlichen Bedienung auch reizvoll für Nutzer anderer mobiler Betriebssysteme. Interessenten müssen momentan aber noch über kleine Schwächen der Betaversion des Betriebssystems hinwegsehen können.


Relevante Themen