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John Sugar bei Apple TV+: Die Crime-Serie mit dem aufregendsten Twist seit langem

Die neue Serie John Sugar mit Colin Farrell bietet die krasseste Wendung, seit Bobby Ewing von den Toten zurückgekehrt ist. Achtung, Spoiler!
/ Peter Osteried
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Colin Farrell ist John Sugar - auch Dobermänner machen ihm keine Angst. (Bild: Apple TV+)
Colin Farrell ist John Sugar - auch Dobermänner machen ihm keine Angst. Bild: Apple TV+

Spoiler-Hinweis : Wir verraten hier, welchen Twist John Sugar am Ende der sechsten von acht Folgen nimmt. Wer sich nicht spoilern lassen will, sollte nicht weiterlesen.

John Sugar ist ein Privatdetektiv, der in Los Angeles nach einer verschwundenen Frau sucht. Die Serie bringt den Film Noir der 50er Jahre in die Moderne – aber warum ist das für Sci-Fi-Fans interessant? Dazu kommen wir gleich; grundsätzlich ist zu sagen, dass Apple TV+ seit seiner Gründung ein besonderes Auge auf Science-Fiction und im Lauf der Jahre eine ganze Reihe hochklassiger Serien produziert hat.

Was für eine Serie ist nun also John Sugar – zumindest bis zum großen Moment in der sechsten (von acht) Folgen der ersten Staffel?

Ein hartgesottener Detektiv

John Sugar spricht mehrere Sprachen und er ist ein exzellenter Detektiv, dessen Spezialität es ist, verschwundene Menschen aufzuspüren. Gewalt wendet er nur an, wenn er keine andere Wahl hat. Wenn er es tut, ist er auch darin extrem effizient.

John Sugar ist einer von den Guten. Er hilft den Menschen, wann immer und wo immer er kann, so auch einem Obdachlosen, dem er mit etwas begegnet, das dieser Mensch schon seit langer Zeit nicht mehr bekommen hat: Respekt.

In Los Angeles ist er, weil ein alter Filmproduzent ihn angeheuert hat, um seine verschwundene Enkelin Olivia zu suchen. Es ist ein Auftrag, der John Sugar besonders berührt: weil Olivia ihn an seine eigene Schwester erinnert, aber auch, weil er ein großer Filmfan ist, insbesondere der Klassiker.

Das teilt er mit seinem Schöpfer Mark Protosevich, der alte Filme liebt und darum immer wieder kleine Szenen alter Filme einbaut – vielleicht als Memento der Hauptfigur, vielleicht um ihre Gefühlswelt zu illustrieren. Vor allem aber macht er es, weil er das moderne Publikum auf alte Filme aufmerksam machen will. Die US-Entertainment-News-Plattform The Wrap hat sich sogar die Mühe gemacht(öffnet im neuen Fenster) , die Clips der ersten sechs Folgen den Filmen zuzuordnen.

John Sugar ist eine grandiose Serie. Sie funktioniert nach den Mustern des Film Noir, nur dass die Hauptfigur weniger ambivalent gezeichnet ist. Colin Farrell ist großartig darin, den empathischen Detektiv zu spielen. Es ist eine seiner bis dato besten Leistungen.

Allein als Crime-Serie wäre John Sugar herausragend. Aber die Serie ist weit mehr als das.

Achtung, Spoiler-Territorium: Was in der sechste Folge passiert

In der sechsten Folge kommt Sugar der verschwundenen Frau immer näher. Er spürt einige Verbrecher in ihrem Haus auf, wird aber überwältigt. Als ihn einer der Verbrecher erschießen will, gibt es einen Moment, der extrem schnell vorübergeht, aber hängenbleibt – weil er so merkwürdig ist. Es sieht aus, als würde John Sugar die Kugel mit seiner Hand abwehren. Verletzt wird er trotzdem. Als ihn ein Freund zusammenflickt und eine Blutkonserve mitbringt, schimmert die eigenartig.

Am Ende der Folge kommt der mitgenommene John in sein Hotelzimmer, geht ins Bad, erklärt im trockenen Off-Kommentar, dass er nur für einen kurzen Augenblick nach Hause will. Dann setzt er sich eine Spritze in den Hals. Seine Augen werden blau – und er nimmt seine wahre Form an. Die eines Außerirdischen, der wie eine Mixtur aus Drax aus Guardians of the Galaxy und Dr. Manhattan aus Watchmen anmutet. Dann endet die Folge.

Es ist einer der größten What-the-Fuck-Momente des Serien-Fernsehens seit langem. Die Serie vollführt am Ende der vorvorletzten Folge einen Genrewechsel.

Das muss man sich so vorstellen, als würde man From Dusk Till Dawn als Gaunerfilm sehen und nicht wissen, dass zur Mitte des Films Vampire ins Spiel kommen. Diese Sogwirkung hat das Finale der sechsten Folge auf die Zuschauer. Es stellt sich das Gefühl ein, gerade Fernseh-Historie gesehen zu haben – ein Twist und Gamechanger, über den noch lange gesprochen werden wird.

Farrell war von dem Twist der Serie begeistert, weil er ihm erlaubt, im Grunde zwei Figuren zu spielen. Den John Sugar vor dem Twist und den danach.

Colin Farrell liebt die späte Enthüllung

Im Interview mit Radio Times(öffnet im neuen Fenster) sagte Farrell: "Das erklärt bis zu einem gewissen Grad seine kindliche Unschuld, sein Interesse an der Geschichte des Kinos und seine Begeisterung für das bewegte Bild im Film, insbesondere dem Film Noir." John Sugar sehe Los Angeles als einen kaputten Ort, aber auch als einen Ort, der ihm immer wieder ans Herz geht und für den er sehr viel Empathie empfindet. "Das bedeutet, dass er nicht so abgestumpft ist wie ein Mensch, er sieht die Dunkelheit und die Gewalt, und er erlebt sie regelmäßig durch seinen Job als Privatdetektiv."

Farrell findet, dass die Serie damit auch etwas über die Menschheit aussagt, vor allem über die Hoffnung auf das, was sie sein könnte: "Er sieht, welches Potenzial in den Menschen steckt. Und er sieht, dass sie zu viel Liebe, Zärtlichkeit und Großzügigkeit fähig sind. Es war also eine interessante Perspektive, durch die sich diese Geschichte entfalten konnte."

Die Anfänge als Sci-Fi-Serie

Dabei hätte es gar nicht so überraschend sein dürfen. Vor zwei Jahren wurde die Serie von Apple TV+ als Sci-Fi-Sendung angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Viele Zuschauer werden diese Ankündigung aber kaum wahrgenommen haben oder sie ließen sich vom Noir-Feeling der Serie so einnehmen, dass sie gar nicht mehr daran dachten.

Dabei hatte Protosevich anfangs überlegt, den großen Twist schon am Ende der ersten Folge zu bringen(öffnet im neuen Fenster) . Er entschied sich dagegen, da er fürchtete, das würde den Blick des Publikums auf John Sugar zu sehr verändern.

Er wollte den Zuschauern zuerst John Sugars Menschlichkeit näherbringen, sie sollte nicht von seiner Andersartigkeit tangiert werden. Mit der sechsten Folge wird aus einer Noir- also eine Sci-Fi-Serie.

Wie sehr die Enthüllung, wer John Sugar ist, die Serie verändern wird, muss sich in den nächsten zwei Folgen zeigen. Was die Serie weiterhin bleibt: Die Suche eines Mannes nach einer verschwundenen Frau, ein Neo-Noir-Krimi, aber nun eben mit einer Figur, die sich fundamental verändert hat – und dann vielleicht auch wieder nicht. John Sugar mag kein Mensch sein, aber seine Menschlichkeit zeichnet ihn aus.


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