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Jobsuche in der IT: "Networking? Ich hasse Networking!"

Es gibt viele Leute, die Networking anstrengend und peinlich finden. Wenn man einen Job sucht, ist es aber viel besser, als in Massen Bewerbungen zu verschicken. Und es muss gar nicht wehtun.
/ Jennifer Kim
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Networking kostet Überwindung - lohnt sich aber bei der Jobsuche. (Bild: Pexels)
Networking kostet Überwindung - lohnt sich aber bei der Jobsuche. Bild: Pexels

Dieser Text ist eine Übersetzung und am 23. August 2023 hier erschienen(öffnet im neuen Fenster) .

Ich gebe schon seit Langem Ratschläge für die Stellensuche – seit dem College, als ich eine Kolumne über Berufsberatung für die Campuszeitung schrieb. Es gibt ziemlich viele dieser Ratschläge, vor allem, wenn es um die Frage geht: Wie komme ich in die Technologiebranche? Dieser Text enthält Ratschläge, die ich nirgendwo anders gesehen habe und von denen ich wünschte, ich hätte sie schon früher bekommen.

Ein Spoiler gleich vorweg: Als erfahrene IT-Fachkraft sollte man sich bei der Stellensuche darauf konzentrieren, sein Netzwerk zu nutzen statt Bewerbungen zu verschicken, wie man es wahrscheinlich früher mal gelernt hat.

Der Arbeitsmarkt [hier geht es um die USA, Anm. d. Red.] ist für Bewerber aktuell ziemlich hart. Ich lese auf Linkedin immer wieder Beiträge wie "Ich habe mich auf über 200 Stellen beworben und bin total entmutigt."

Auch wenn jeder Mensch anders ist: Dieser mengenorientierte Ansatz wahrscheinlich nicht der effektivste. Ein strategisches Umdenken führt schneller zu besseren Zielen – und zwar so.

Erstens: Ich verstehe es. Denn Networking wird einem nicht beigebracht und viele denken dabei an Treffen und peinlichen Smalltalk. Das kann durchaus passieren.

Wenn man aber nicht gerade erst anfängt, sind Veranstaltungen, auf denen man niemanden kennt, nicht die effektivste Art, seine Zeit zu nutzen – vor allem, wenn man bedenkt, dass schätzungsweise(öffnet im neuen Fenster) 40 bis 60 Prozent der Stellen keine Bewerber aus Jobbörsen berücksichtigen und diese Stellen über Netzwerke und Empfehlungen besetzt werden.

Networking ist wie ein Eisberg: Veranstaltungen und Konferenzen sind die winzige Spitze. Das meiste Eis befindet sich unter der Oberfläche, in den DMs, Zooms und Mittagessen – alles nicht öffentlich sichtbar. Hier liegen die Geheimnisse einer effektiven netzwerkbasierten Stellensuche.

Das mag einschüchternd klingen, als gäbe es ein Reich von "Netzwerkern" aus Stanford/Ivy-League-Absolventen mit einer Vielzahl von Verbindungen, von denen jeder irgendwie einen Onkel in den hohen Rängen einer Investmentbank oder Private-Equity-Firma hat.

Aber keine Sorge: Ich bin zum Beispiel Absolventin einer öffentlichen Universität – und die echte netzwerkbasierte Stellensuche erfordert keinen privilegierten Hintergrund, sondern ist für so ziemlich jeden möglich.

Als erstes sollte man einen Blick auf sich selbst werfen – über die eigene Karriere nachdenken und darüber, was man mitbringt.

Dann sollte man eine Liste früherer Kollegen erstellen, auf sie zugehen – und es ihnen dabei leicht machen, helfen zu wollen.

Es geht um Folgendes: Statt sich auf Fremde zu konzentrieren, sollte man lieber mit Leuten sprechen, die man kennt. Das klingt offensichtlich, aber erstaunlich wenige Menschen gehen tatsächlich so vor.

Die Zahl der Stellenbörsen scheint schier unendlich, aber was einzigartig ist, ist der Bewerber oder die Bewerberin. So kitschig es auch klingt: Diese Einzigartigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil. Eine effektive Stellensuche sollte also dort ansetzen.

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Schritt 1: Der Blick nach innen

Über die Karriere nachdenken und darüber, was man selbst zu bieten hat. Bevor man sich wahllos auf Stellen bewirbt, sollte man ehrlich über den eigenen Werdegang nachdenken und sich seinen Wert als Fachkraft vor Augen führen.

Am besten setzt man sich in ein nettes Café und schreibt sich die Antworten auf folgende Fragen auf:

  • Welchen geschäftlichen Wert/welche Auswirkungen hatte meine letzte Stelle? Wofür hat man mich bezahlt?
  • Wie habe ich mich von den Kollegen abgehoben?
  • Welches positive Feedback habe ich im Laufe meiner Karriere immer wieder gehört?
  • Worauf bin ich besonders stolz? (Bei dieser Frage sollte man ruhig sehr spezifisch sein.)
  • Zum Schluss sollte man versuchen, den Satz zu vervollständigen: Mein nächstes Unternehmen kann sich glücklich schätzen, mich zu haben, weil ...

Über die Antworten sollte man wirklich gründlich nachdenken und dann anfangen, nach Mustern zu suchen. (Selbst wer nur diesen Schritt macht, wird bei Bewerbungen viel effektiver sein, weil man dadurch die Stellen herausfiltert, für die man am besten geeignet ist.)

Viele sind wirklich überraschend hilfsbereit

Ein Beispiel: Emily ist Ingenieurin, arbeitet seit zwei Jahren bei einem Start-up und kümmert sich um die Ergebnisseite der Produktsuche. Ihre größten Erfolge waren, dass sie die Datenindizierung und das Parsen von Benutzeranfragen verbessert hat. Ihr Team sieht sie als aufmerksame Programmiererin, die das Nutzerverhalten versteht und es für andere übersetzen kann.

Das ist ein Verkaufsargument für potenzielle Arbeitgeber: Emily ist eine technisch versierte Infrastrukturingenieurin, der es leicht fällt, von einer produktbezogenen Denkweise ausgehend auch über Menschen nachzudenken – eine seltene Kombination! (Und eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, welche Art von Unternehmen dies am meisten zu schätzen wüsste, zum Beispiel Start-ups in der Frühphase.)

Schritt 2: Der Blick nach außen

Nun sollte man eine Liste mit früheren Kollegen erstellen. Die Hilfsbereitschaft der anderen wir sicher viele überraschen – und auch die Möglichkeiten, die sich da auftun und von denen man sonst nie gehört hätte.

Der Schlüssel liegt darin, nicht zu früh zu viel zu sagen ("Ich wurde gerade entlassen, kannst du mich einstellen?"), sondern auf echte Verbindungen abzuzielen – den Teil des Eisbergs, der unter der Oberfläche liegt.

Zum Beispiel könnte man fragen:

  • ob ein Gespräch über Zoom/ein Kaffee/ein Mittagessen möglich wäre (wobei man sich das für diejenigen vorbehalten sollte, bei denen man sich wirklich freuen würden, wenn sie zusagen)
  • ob der- oder diejenige einen bei ihrem derzeitigen Unternehmen empfehlen könnte
  • ob der- oder diejenige jemanden kennt, der von Jobmöglichkeiten wissen könnte
  • ob es bestimmte tolle Communities oder Lernmöglichkeiten gibt, die man sich ansehen sollte
  • ob er oder sie noch andere Jobratschläge hat

Hier ein Beispiel für eine solche Kontaktaufnahme.

Hallo Meredith,

lang nicht mehr gesehen, ich hoffe, es geht dir gut! Ich habe über meine berufliche Laufbahn nachgedacht und mich daran erinnert, wie gerne ich mit dir an dem Projekt XY gearbeitet habe. Ich würde mich gerne mit dir austauschen und hören, woran du zurzeit arbeitest. Ich habe gesehen, dass du bei 13 Management bist, und es würde mich wirklich interessieren zu hören, wie es dir da geht. – Alles Gute, Emily

In diese Treffen sollte man mit dem aufrichtigen Wunsch gehen, Kontakte zu knüpfen, um Hilfe und Rat zu bitten und zu lernen. Wer zu aufdringlich ist, schreckt Menschen ab, was es ihnen erschwert, zu helfen. Man sollte offen und neugierig sein(öffnet im neuen Fenster) . Selbst wenn das Unternehmen nicht zu einem passt, ergeben sich vielleicht andere Möglichkeiten.

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Warum das funktioniert

Networking ist entgegen seinem Klischee nicht peinlich, denn es geht wirklich um authentische Beziehungen.

Ob wir es wollen oder nicht: Beziehungen bestimmen unsere Welt. Wenn auf eine offene Stelle 100 Bewerber kommen, sollte man meinen, dass derjenige, der eingestellt wird, am qualifiziertesten ist. Wahrscheinlicher ist aber, dass er oder sie eine Verbindung zu einem anderen Mitarbeiter hat. So funktioniert die Welt.

Man kann das nicht ad hoc ändern, aber man kann anfangen, es sich zunutze zu machen, wenn man ein paar Jahre Berufserfahrung hat und ein paar freundliche Kollegen hatte.

Dort, wo man gearbeitet hat, hat man Karrierekapital(öffnet im neuen Fenster) aufgebaut, das bei der künftigen Stellensuche genutzt werden kann. Wer die eigene Karriere langfristig auf der Grundlage eines Netzwerks betrachtet, für den kann dieses Karrierekapital wertvoller sein als die materiellen Vorteile eines Arbeitsplatzes, wie irgendwelche Extra-Vergünstigungen oder das Gefühl, bei einem schicken Markenunternehmen zu arbeiten.

Wenn diese Methode so effektiv ist, warum ist dann die Herangehensweise Spray and Pray (dt.: weit streuen und beten) so verbreitet?

Angst und Scham hindern uns am Networking

Warum verbringen also die meisten von uns so viel Zeit mit Fremden und dem nicht besonders zielgerichteten Anschreiben irgendwelcher Unternehmen?

Es gibt zwar viele makroökonomische Erklärungen für die Herausforderungen der heutigen Arbeitssuchenden, zum Beispiel Entlassungen, Wettbewerb, Unternehmen, die bei Einstellungen das Risiko scheuen, und so weiter. Die Wurzeln des Problems sind aber eher individueller und emotionaler Natur.

Das Eingeständnis "Ich brauche einen Job" kann in uns ein starkes Gefühl von Angst und Scham hervorrufen. Wenn wir darüber nachdenken, ergibt das eigentlich keinen Sinn. Arbeitslos zu sein sollte genau das bedeuten: nämlich dass man derzeit nicht beschäftigt ist.

Arbeitslosigkeit ist jedoch stigmatisiert, was an unserer Hustle-Kultur, also ständig beschäftigt sein zu müssen, und den Werten unserer "Leistungsgesellschaft" liegt.

Nämlich der Vorstellung, dass Menschen, die ganz unten stehen, das auch verdienen, weil sie angeblich faul sind oder unfähig. Das ist ein Irrglaube(öffnet im neuen Fenster) , der aber tief in unseren Überzeugungen und Verhaltensweisen sitzt.

Für die meisten von uns ist es eine Tatsache, dass unser Lebensunterhalt an die Arbeit gebunden ist: Wir müssen bezahlt werden, um zu überleben und unseren Lebensstil zu erhalten.

Die Beziehung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sollte gesund und ausgewogen sein und geprägt von gemeinsamen Werten. In der Realität sind unsere Beziehungen am Arbeitsplatz aber von Abhängigkeiten geprägt – wobei diese Abhängigkeit der einen Seite von der anderen (und die daraus resultierende Verletzlichkeit) weitgehend unerkannt bleibt.

Das bedeutet, dass es fast unmöglich ist, nicht emotional betroffen zu sein, wenn man ein Unternehmen verlässt – vor allem, wenn der Zeitpunkt nicht selbst gewählt, sondern die Entscheidung vom Unternehmen getroffen wurde.

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Wenn man unerwartet auf den Arbeitsmarkt geworfen wird, mit einer Vielzahl unbenannter und unverarbeiteter Gefühle wie Scham, Angst, Panik oder Verwirrung, neigen viele Leute schnell dazu, einen volumenbasierten Ansatz anzuwenden. Schamgefühle erzeugen ein Gefühl der Dringlichkeit und den Wunsch nach schnellen Erfolgen.

Der Spray-and-Pray -Ansatz ermöglicht es, beschäftigt zu bleiben und lenkt davon ab, sich mit diesen Gefühle zu befassen. Man kann ein Ergebnis der eigenen Bemühungen vorweisen ( "Ich habe mich heute bei 10 Stellen beworben!" ) und so tun, als wäre man vorangekommen.

Damit es kein Missverständnis gibt: Das Gefühl, etwas erreicht zu haben, ist sehr wichtig – kann aber auch zum Burn-out führen.

Statt auf Menge zu gehen, sollte man vielleicht lieber innehalten, Kräfte sammeln und sich einer viel effektiveren Strategie zuwenden: dem Networking.

Trotz des Unbehagens und der Angst davor, verletzt zu werden, lohnt es sich, sich damit auseinanderzusetzen. Nicht nur werden die Ergebnisse in Bezug auf die nächsten Ziele besser sein, sondern auch die Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit anderen tollen Menschen. Und gehört das nicht zu den schönsten Aspekten eines Jobs?

Wer positive Erfahrungen mit Networking gemacht hat, schreibe gern einen Kommentar, um andere Leser zu motivieren, die vielleicht noch ein wenig Angst davor haben.

(Übersetzt wurde der Text von Jennifer Fraczek mit Deepl-Unterstützung.)


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