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Jobporträt: Wenn die Software für den Anwalt kurzen Prozess macht

IT-Anwalt Christian Solmecke arbeitet an einer eigenen Jura-Software, die sogar automatisch auf Urheberrechtsabmahnungen antworten kann. Dass er sich damit seiner eigenen Arbeit beraubt, glaubt er nicht. Denn die KI des Programms braucht noch Betreuung.

Artikel von Maja Hoock veröffentlicht am
IT-Anwalt Christian Solmecke ist ein Anhänger von automatisierten Arbeitsprozessen und arbeitet deswegen an einer Jura-Software.
IT-Anwalt Christian Solmecke ist ein Anhänger von automatisierten Arbeitsprozessen und arbeitet deswegen an einer Jura-Software. (Bild: Wilde Beuger Solmecke Rechtsanwälte Partnerschaft mbB)

Christian Solmecke wird viel vorgeworfen. Zum Beispiel, dass er zu viel Marketing betreibt. Der IT-Anwalt hat über 2.300 Youtube-Videos gedreht und gibt darin seine Einschätzung zu Hakenkreuzen in Wolfenstein oder zur Autocomplete-Funktion bei Amazon - kurz zu jedem Tech-Thema, das in den Medien eine Rolle spielt. Er hat in seiner Kanzlei nahe des Kölner Hauptbahnhofs ein eigenes Youtube-Studio eingerichtet und plant mit seinem Presseteam sieben Beiträge pro Woche, wie ein kleiner Fernsehsender. Mittlerweile hat er sogar eine "YouTube-Kacke" bekommen; das Genre von Videocollagen, in denen normalerweise Clips von Moderatoren aus dem Frühstücksfernsehen oder Dome von RTL2 zu Dada verhackstückt werden. Dass der Anwalt nun dabei ist, zeigt, dass er selbst zur Medienfigur avanciert ist.

Inhalt:
  1. Jobporträt: Wenn die Software für den Anwalt kurzen Prozess macht
  2. Kann Software gerechter urteilen als ein Mensch?

Der Grund: Solmecke ist als Experte begehrt, denn es gibt immer noch nicht allzu viele Juristen für Computerthemen. Deutschlandweit sind es laut Bundesrechtsanwaltskammer nur 0,6 Prozent der Rechtsanwälte, also etwa 980 von insgesamt 165.000. Schon nach der Schule wollte Solmecke mit Computern arbeiten, wurde über einen Umweg als Nachrichtensprecher bei WDR 2 Jurist und spezialisierte sich im Master auf IT- und Medienrecht. Bekannt wurde er dann durch die Verteidigung von Mandanten während der großen Abmahnwelle 2006.

Damals fanden 130 Hausdurchsuchungen in Deutschland statt und Solmecke vertrat eine der Familien, deren jugendliche Kinder Musik getauscht hatten. Das Gericht war der Meinung, dass die Eltern neben ihrem surfenden Kind sitzen müssen und haften. Nach einem Gang zum BGH erstritt Solmecke, dass sie das ohne Verdacht nicht mehr tun müssen. Nach diesem Referenzurteil und einigen prägnanten Blogartikeln tauchte Solmecke quer durch die deutschen Medien als Zitatgeber auf. Insgesamt hat er bis heute 70.000 wegen Filesharing abgemahnte Mandanten vertreten. Und weil die Forderungen der Gegenseite eigentlich immer die gleichen sind, kam er auf die Idee, eine Software für ihn antworten zu lassen.

Automatische Antworten für Abmahnanwälte

Solmecke ist fasziniert von Programmen, die einem Arbeit abnehmen können. Die standardmäßige Anwaltssoftware RA Micro aus den 1980er Jahren beherrschte nämlich keine richtige Automatisierung. In Filesharing-Prozessen nutzt er daher Document-Assembling und eine Software namens Smart Documents. "So haben wir es geschafft, weitgehend automatisch zu antworten. Wir haben sogar messbar mehr Fälle damit gewonnen, weil wirklich alles bedacht wird", sagt er. Die Anwälte bauen sich ihre Schriftsätze damit aus einer Checkliste zusammen. Die Herausforderung ist, alle Fragen und Antworten zu implementieren.

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Aktuell arbeitet Solmecke mit fünf Programmierern sogar an einer eigenen Anwaltssoftware, Legalviso. Das neue cloudbasierte ERP-System leitet eintreffende E-Mails der Gegenseite an die Rechtsschutzversicherung und den Mandanten weiter. Es kann Rechnungen schreiben, nichtlukrative Akten aussortieren, Schriftsätze fürs Gericht erstellen, unbezahlte Fälle markieren und Mahnungen verschicken. Kommendes Jahr soll das Programm bereits selbstständig juristische Entscheidungen treffen können, wenn es nach Solmecke geht. "Simple Tätigkeiten wie bei einer Kündigung im Arbeitsrecht automatisch eine Kündigungsschutzklage zu schreiben, wird der nächste Schritt sein", sagt Solmecke.

Der IT-Anwalt sieht sich als Vermittler zwischen der IT-Welt und den Behörden und Gerichten, die meistens noch wenig von der Materie verstehen - denn die Gesetzeslage liefert auf viele digitale Fragen noch keine guten Antworten. "Unsere Politiker sind angesichts der Digitalisierung so nervös geworden, dass sie für jeden Sachverhalt eigene Normen wie den Artikel 17 für Youtube herausbringen", sagt Solmecke. Daher veröffentlicht er online Gegenvorschläge für die Politik: Damit man künftig keine Uploadfilter auf jeder Plattform befürchten muss, die nutzergenerierte Inhalte zulässt, würde er das Konstrukt der Pauschalabgabe auf den Online-Bereich übertragen. Doch die EU-Politiker gehören offenbar nicht zu seinen 410.000 Abonnenten auf Youtube.

Seinen Hang zu Politik und Technik hat Christian Solmecke im Elternhaus in Westfalen mitbekommen. Sein Vater, ein SPD-Bürgermeister, war Ingenieur; seinen ersten Apple 2C bekam er als Elfjähriger geschenkt. "Worüber ich übrigens überhaupt nicht happy war", erinnert er sich. "Alle meine Freunde hatten einen C64. Dadurch hatte ich auch keine raubkopierten Spiele." Er musste sich selbst welche programmieren, brachte sich das mit Büchern bei und schrieb kleine Programme wie Snake, Vokabel-Trainer oder einen Mathe-Hausaufgaben-Rechner. "Das war meine erste Begegnung mit Automatisierung", erzählt er.

Kann Software gerechter urteilen als ein Mensch? 
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quineloe 15. Apr 2019 / Themenstart

War da auch die Ursache für die Bewertung explizit die Hautfarbe der Bewohner der Gegend...

voerden7 15. Apr 2019 / Themenstart

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass es nicht unendlich viele Fälle gibt. Aber...

Mik30 13. Apr 2019 / Themenstart

...für einen ebenso peinlichen Mandatsbettler, dem leider auch wegen solcher...

Urbautz 12. Apr 2019 / Themenstart

Cloud hieß in den 80igern Mainframe. Im unternehmensumfeld beliebt war die AS400-Familie...

Usernäme 10. Apr 2019 / Themenstart

Die Welt ist eben ungerecht ¯\_()_/¯

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