Kann Software gerechter urteilen als ein Mensch?

Die Automatisierung, die Solmecke mit seiner Software vorantreibt, geht aber weiter. Was ist, wenn ein solches Programm tatsächlich bald alleine juristische Entscheidungen treffen kann? Datenbasierte Urteile kennen keine Gnade, mildernde Umstände oder Zusammenhänge. Sie stehen sogar unter Verdacht zu diskriminieren, indem sie Entscheidungen zum Nachteil bestimmter Gruppen treffen. Gerade bei juristischen KIs würden die Entscheidungen damit nicht wie erhofft gerechter ausfallen.

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Christian Solmecke versucht dem vorzubeugen: "Wenn wir sehen, dass gewisse Ergebnisse nicht wünschenswert sind - etwa weil sie diskriminierend sind -, versuchen wir die Algorithmen zu optimieren. Wichtig ist, dass man die KI nicht unbetreut loslaufen lässt." So sei beispielsweise gerade ein Chatbot in der Entwicklung, der auf der IBM-Watson-Technologie basiert. "Die Antworten sind teilweise schon sehr gut, teilweise liegt die KI so daneben, dass wir uns dazu entschlossen haben, alle Antworten immer kurz von einem Anwalt gegenlesen zu lassen."

Bis eine KI Entscheidungen vor Gericht treffen kann, wird es trotzdem noch eine Weile dauern. "Wenn überhaupt", sagt Solmecke. "Wir haben zu viele uneindeutige Rechtsbegriffe. Zum Beispiel, wenn jemand fahrlässig oder grob fahrlässig handelt. Das ist noch extrem schwierig in Software zu schreiben."

Macht Jura-Software Anwälte überflüssig?

Solmeckes Software ist bei weitem nicht die einzige auf dem Markt. Für den Firmenkauf sind bereits Programme anderer Anbieter im Einsatz, die zahllose Arbeitsstunden einsparen: Due Diligence bewertet etwa automatisch, ob sich eine Investition rentiert. Bisher musste sich eine Gruppe Anwälte monatelang durch Verträge lesen und auf Probleme wie lang laufende Mietverträge achten. Die KI liest daran eine Minute und sortiert diese Verträge automatisch aus.

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Die Programme sind nicht nur schneller, sondern auch treffsicherer als Menschen. Fehler passieren hauptsächlich, wenn sie Formulierungen nicht richtig deuten und im Vertrag etwa steht, "Laufzeit wie im vorgenannten Papier", statt "Laufzeit von 25 Jahren". "Zu 95 Prozent machen es die KIs in einigen Bereichen jetzt schon richtig", sagt Solmecke. "In den anderen Fällen würde ein Haftungsschaden eintreten." Menschen schneiden da nicht unbedingt besser ab. Sie überlesen oder vergessen Dinge, werden unkonzentriert.

Bereitet Solmecke seine eigene Abschaffung vor, wenn die Software per Knopfdruck auf die Abmahnanwälte antwortet, schneller Daten verarbeitet und zu logischeren Schlüssen kommt, Mandanten beim Firmenkauf berät und sogar bald eigene juristische Einschätzungen formuliert? "Solange mir die KI gehört nicht", sagt Solmecke trocken. "Und diesen Schritt bin ich direkt gegangen, als die Debatte aufkam." Der IT-Anwalt übernimmt also weiterhin Beratungen und menschliche Einschätzungen. Die KI übernimmt die zeitfressende, langweilige Bürokratie. Eine Kombination aus beidem scheint der ideale neue Anwalt zu sein.

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 Jobporträt: Wenn die Software für den Anwalt kurzen Prozess macht
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quineloe 15. Apr 2019

War da auch die Ursache für die Bewertung explizit die Hautfarbe der Bewohner der Gegend...

voerden7 15. Apr 2019

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass es nicht unendlich viele Fälle gibt. Aber...

Mik30 13. Apr 2019

...für einen ebenso peinlichen Mandatsbettler, dem leider auch wegen solcher...

Urbautz 12. Apr 2019

Cloud hieß in den 80igern Mainframe. Im unternehmensumfeld beliebt war die AS400-Familie...



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