Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Jobfresser: Arbeitsmarktforscher erwartet durch KI Massenelend

Ein Ökonom erklärt, warum der technologische Wandel durch KI kein normaler Strukturwandel ist – und warum Massenelend keine Übertreibung ist.
/ Michael Linden
194 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)
KI und dein Job ist weg? (Bild: Pexels)
KI und dein Job ist weg? Bild: Pexels

Sollte künstliche Intelligenz in wenigen Jahren nahezu alle intellektuellen Tätigkeiten übernehmen können, stellt sich eine unbequeme Frage: Was bleibt dann noch für den Menschen zu tun?

Anton Korinek, Ökonom an der University of Virginia und Spezialist für KI-bedingte Wirtschaftstransformationen, gibt darauf keine beruhigende Antwort. Im Gespräch mit der Welt(öffnet im neuen Fenster) skizziert er ein Szenario, das weit über den üblichen Automatisierungsdiskurs hinausgeht – und das den Begriff "Massenelend" ausdrücklich nicht vermeidet.

Die Laptopklasse steht als erste vor dem Abgrund

Korinek unterscheidet zwischen kurzfristiger Unsicherheit und mittelfristiger Gewissheit. Genaue Zahlen über Jobverluste hält er für unseriös, weil es schlicht keine vergleichbaren historischen Modelle gibt. Was er aber für wahrscheinlich hält: In wenigen Jahren könnte KI so gut wie alle Tätigkeiten erledigen, die vor einem Bildschirm stattfinden. Juristen, Journalisten, Analysten – alle diese Berufe gelten in seiner Einschätzung als gefährdet. Schon heute erledigt KI viele anwaltliche Routineaufgaben halbwegs brauchbar. Und die Systeme verbessern sich laut Korinek alle drei Monate erheblich.

Das historische Gegenargument – neue Technologien schaffen neue Jobs – lässt Korinek nur bedingt gelten. Nicht die Technologien selbst hätten Arbeitsplätze erzeugt, sondern Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Und: Die Weber und Spinner der frühen Industrialisierung wurden sehr wohl arbeitslos – ihre Kinder und Enkel fanden erst Jahre später wieder Arbeit.

KI greift nicht nur einzelne Berufe an – sondern alle auf einmal

Frühere Automatisierungswellen haben immer nur Teile des Arbeitsmarkts erfasst. Das sei diesmal möglicherweise anders, sagt Korinek. Wenn KI und Roboter irgendwann alle Arbeit übernehmen können – nicht nur einen kleinen Teil -, dann fällt der Wert menschlicher Arbeit insgesamt. Nicht nur der eines bestimmten Berufsbildes. Das ist der Kern seiner Überlegung, und er verschweigt nicht, wohin das führen könnte: zu Massenelend, wenn die Verteilungsfrage nicht gelöst werde.

Korinek hofft auf politischen Ausgleich, dass also ein Teil des enormen wirtschaftlichen Wachstums, das KI ermöglichen könnte, als Entschädigung an die Verlierer des Prozesses fließt. Ob das gelingt, lässt er offen.

Was bleibt – eine kurze Liste mit vielen Fragezeichen

Korinek hat eine Liste mit rund zwölf Berufsfeldern, die seiner Einschätzung nach bestehen bleiben. Die Hälfte davon nur vorübergehend. Langfristig sieht er Chancen für einige Berufe – Sportler, Schauspieler, Musiker – weil dort die Persönlichkeit zähle, nicht die Leistung allein. Religiöses Personal nennt er ebenfalls. Und Menschen, die KI-Systeme überwachen, sofern Menschen überhaupt die Kontrolle behalten.

Ob das reicht, bleibt unklar. Korinek selbst formuliert es so: Niemand habe auch nur annähernd eine Ahnung, was passiert, wenn etwas erschaffen wird, das deutlich leistungsfähiger ist als der Mensch.


Relevante Themen