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Beim Alten bleiben oder Cobol abschaffen?

Schon lange wird in der Presse über den nahenden Tod von Cobol geschrieben. Dass die 60 Jahre alte Sprache dennoch weiterlebt, liegt an dem Risiko, das mit neuen Systemen einhergeht: "Ich habe gerade Beratungsverträge für Investmentunternehmen in London unterzeichnet, die sich nicht sicher sind, ob sie bei Cobol bleiben oder neue Technologien nutzen sollen", erzählt Hinshaw.

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Firmen, Behörden und Banken stellen überall auf der Welt ähnliche Überlegungen an, um die Vor- und Nachteile ihrer Cobol-Systeme besser einschätzen zu können. Auch Marcus Dahlem, Pressesprecher der Deutschen Bank, sagt Golem.de, dass Cobol-Systeme weiterhin auf dem Mainframe im Einsatz seien: "Aber nicht mehr für neu entwickelte Anwendungen. Im Zuge der Digitalisierung und sukzessiven Abschaltung von Altsystemen beziehungsweise Migration in unsere neu entwickelten Architekturen, werden noch Cobol-Programmierer gebraucht, wenn auch weniger."

Die Schweizer Bank Credit Suisse hält ebenfalls erst einmal an Legacy-Systemen fest: "Nach wie vor im Einsatz sind Programmiersprachen wie PL/1", erklärt der Pressesprecher der Bank, Sebastian Kistner. "Der Markt für hervorragende Programmierer mit entsprechenden Kenntnissen ist leider beschränkt. Deswegen bilden wir unsere internen Informatiklehrlinge auf diesen Programmiersprachen aus."

Bei neuen Banken wie N26 sind Sprachen wie PL/1 oder Cobol dagegen kein Thema mehr. Maximilian Weber, Head of System Engineering bei der Online-Bank, erklärt, warum sein Unternehmen gar nicht erst auf die Idee kam, noch einmal ein Cobol-System aufzubauen: "Wir nutzen Java, Python im Data-Bereich und Java Script im Frontend. Wir sehen uns als junge Bank, die neue Wege gehen und das Bankenwesen durchrütteln will."

Die größten Nachteile von Cobol liegen für ihn darin, dass es nicht in demselben Umfang Cloud-Features oder Libraries gibt wie bei anderen Sprachen mit größerer Community: "Es ist mittlerweile ein Nischenprodukt. Ich verstehe aber gleichzeitig auch, warum manche Banken bei ihren Legacy-Systemen bleiben. Cobol ist gut lesbar. Und wenn man von einem Altsystem umsteigt, ist das auch immer mit Sicherheitsrisiken verbunden. Man trägt als Bank Verantwortung für das Geld seiner Kunden. Darum gibt es immer auch die Überlegung, ob man das Legacy-System nicht doch erst mal weiter betreibt. An dieser Stelle fehlen ihnen dann oft die Leute, die es beherrschen."

Obwohl oder gerade weil die Systeme perspektivisch ersetzt werden sollen, gibt es in den nächsten zehn Jahren noch Bedarf an Cobol-Programmierern, wenn auch keinen riesigen. Laut Bill Hinshaw haben sie daher mittelfristig noch gute Aussichten und verdienen 20 Prozent mehr als mit anderen Sprachen. Wirklich unabhängige Statistiken, die das belegen, gibt es dazu allerdings nicht. Ein Blick auf die Stellenbörsen verrät, dass tatsächlich hier und da nach Fachleuten gesucht wird: Die Pensionskasse der US-Eisenbahn suchte kürzlich Programmierer, die ihre Legacy-Systeme modernisieren und dafür sieben Millionen Zeilen Code migrieren.

Auf den Jobportalen suchen aktuell Unternehmen wie die Deutsche Telekom, die HSBC-Bank und diverse Versicherungen Cobol Mainframe-Entwickler. Die Firma iTAc Resources bietet Cobol-Programmierern in Malaysia "Nischen-Karrieren" und schickt sie in Banken. Dazu bildet sie vielversprechende junge Schüler aus, die Baby Dinosaurs genannt werden - angelehnt daran, dass Cobol-Programmierer in der IT Welt gerne mal als Dinosaurier bezeichnet werden.

Und Bill Hinshaw kümmert sich darum, dass seine Berater auch US-Army-Veteranen in der Programmiersprache ausbilden. Er glaubt nicht daran, dass sie wirklich ausstirbt: "Wie Mark Twain gesagt haben soll: 'Die Nachrichten über meinen Tod sind stark übertrieben.' Das könnte man auch über Cobol sagen." Untertrieben sind die Gerüchte über den Tod sicherlich auch nicht. Doch als zweites Standbein könnte eine Cobol-Karriere dem einen oder anderen Programmierer den einen oder anderen Euro extra einbringen.

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demonkoryu 18. Dez 2018

...um die fetten Stundensätze abzugreifen?

thorben 12. Dez 2018

Ich bin nur Anwendungsberater mit abap Skills und kein Programmierer...

mess-with-the-best 12. Dez 2018

will have a cost in blood.

TrollNo1 12. Dez 2018

Andernfalls wäre hier dem Kind das Lob auszusprechen!

RainerG 12. Dez 2018

Anfang der 90er auch noch Cobol auf einer Siemens BS2000 gelernt und dann noch einige...


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