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Prominente mit Angst vor Rufmord

Seine Kunden seien nicht unbedingt ungebildet, sondern Opfer von gekonntem Social Engineering, also gezielter Manipulation auf Gefühlsebene. "Eine Schweizer Ärztin hat fast zwei Millionen Franken verloren", erzählt Matias Kindt-Hopffer. "Sie hat sich so geschämt, als ich bewiesen habe, dass es sich um eine Gruppe Betrüger aus Westafrika handelte, und nicht um einen einzelnen Mann, der in sie verliebt war. Sie hat sich nie bei mir gemeldet, es lief alles über ihre Kinder."

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Auch Banker, Polizisten oder Lehrer stellen ihre Phantasien gelegentlich über die Ratio, sind aufgrund ihrer Stellung erpressbar und gehen den Forderungen darum oft bis zu einem gewissen Punkt nach: "Wenn Kinder sich auf dem Schulhof Nacktbilder vom Lehrer zeigen würden, wäre das sein berufliches Aus", sagt der Detektiv. "Inzwischen habe ich auch sehr illustre Klienten, wie einen hochrangigen Kirchenvertreter, einen ehemaligen Regierungspräsidenten, Chefärzte, Klinikleiter und einen Schönheitspapst, deren Ruf ich mit meinen Mitteln schütze."

Oder eben Polizisten. Mittlerweile ist es nach Mitternacht. Seit Stunden durchkämmt der Detektiv das Netz nach dem unfreiwilligen Porno seines Klienten, klappert also einschlägige Plattformen ab und füttert eine Batterie von Suchmaschinen wie TinEye, iqdb, Bing, Yandex oder Baidu. Dann lässt er auch Bots nach dem Namen suchen: "Wenn ich damit einen Treffer lande, mache ich das Recht am Bild von meinen Klienten geltend." Je schneller er das Video findet, desto eher verschwindet es.

Mittlerweile hat er sich nach seinen Funden schon so oft beim Support bestimmter Porno-Websites gemeldet, dass das Löschen nur noch ein paar Minuten dauert. Tauchen die Inhalte weiter in der Google-Suche auf, versucht Kindt-Hopffer, sie aus den Ergebnissen zu verdrängen und stellt massenhaft eigene Inhalte zum Namen des Geschädigten ins Netz. In Ausnahmefällen versucht er, ausländische Server, über die die illegalen Inhalte verbreitet werden, direkt anzugreifen und lahmzulegen. Wie er das genau macht, will der Detektiv nicht preisgeben: "Geschäftsgeheimnis".

Über 1.000 Masturbationsvideos seiner Kunden und Kundinnen hat er zur Aufklärung seiner Fälle schon sehen müssen: "Ich habe ein sehr dickes Fell", sagt er. "Speziell, wenn ich mir solch einen Schmutz schon vor dem Frühstück auf nüchternen Magen ansehen muss, wenn es extrem eilt, brauche ich das auch. Es ist jedoch mein Beruf, den ich mir selbst ausgesucht habe - und zum Trost werde ich gut bezahlt."

  • Detektiv Mathias Kindt-Hopffer bei der Arbeit (Bild: Detektei Kindt-Hopffer)
  • Detektiv Mathias Kindt-Hopffer bei der Arbeit (Bild: Detektei Kindt-Hopffer)
Detektiv Mathias Kindt-Hopffer bei der Arbeit (Bild: Detektei Kindt-Hopffer)

Täglich rufen um die fünf zum Teil völlig aufgelöste Personen bei ihm an, die ihn über seine Website gefunden haben oder ein Interview mit ihm gelesen haben. Oder sie stehen vor seiner Türe im Taunus wie der Polizist. Meistens werden sie wegen geklauter Nacktbilder erpresst oder sind auf Romance-Scammer hereingefallen. Das zeigt, wie hilflos und naiv sich viele Menschen immer noch im Internet bewegen. Darum besteht Kindt-Hopffers Berufsalltag zum großen Teil aus Aufklärungsarbeit und der seelischen Betreuung der Betroffenen.

Die Angst des Ermittlers vor der Rache der Betrüger

Doch auch für den Ermittler selbst sind die Fälle belastend. Würde etwas an die Öffentlichkeit gelangen, wäre er seinen Job schnell los, weil er keine Aufträge mehr bekommen würde. "Die Arbeit mit erpressten Promis ist natürlich auch sehr spannend für mich, weil es interessante Menschen sind, mit denen ich ganz intim in Kontakt trete", sagt er. "Andererseits ist es auch nervenaufreibend, wenn diese Leute nervös werden, mich bis zu 30 Mal am Tag anrufen und ich ihr Nervenkostüm abkühlen muss. Dann steht nicht mehr die rein technische Abwehr einer Rufschädigung im Vordergrund, sondern es ist sehr viel Fingerspitzengefühl und Überredungskunst notwendig, damit sie nicht nachgeben und mit einer Zahlung an die Erpresser alles nur noch schlimmer machen, weil diese sich bestätigt fühlen."

Das richtige Sprechen mit den Menschen, die in seine Detektei kommen, hat er sich über die Jahre selbst beigebracht. Sicher schadet es auch nicht, dass er mit seiner mürrischen, pragmatischen Art und seiner Erscheinung wirkt, wie einem Detektivroman entnommen. Man bekommt das Gefühl, dass alles in Ordnung kommt, wenn man ihn nur machen lässt.

Bei Erpressungen, Cyberstalking und Rufmord sammelt Kindt-Hopffer zunächst Beweise im Netz, gelangt über die IP-Adresse an den Verdächtigen und wendet sich mit richterlichem Beschluss an den Provider, um seine Identität herauszufinden. Selten, etwa in schlimmen Stalking-Fällen, beschattet er Verdächtige vom Auto aus, um mehr über sie herauszufinden. Bei Vorschussbetrug ist es schon schwieriger, an die Täter heranzukommen: "Das sind oft Studenten von der Elfenbeinküste, die sich mit ihren Maschen ihre Ausbildung und den Lebensunterhalt finanzieren und Tag für Tag in die Schreibbüros zur Arbeit gehen, um Fake-Nachrichten zu verfassen", sagt er.

"Dort jemanden zu überführen, ist so gut wie unmöglich, selbst wenn wir sie aufspüren. Bei Erbschafts-Scams haben wir es aber schon geschafft, Täter nach Deutschland zu locken und in Zusammenarbeit mit dem LKA verhaften zu lassen." Dazu hat der Detektiv eine Geldübergabe in Deutschland vorgeschlagen, das Ticket gezahlt und einen Lockvogel an den verabredeten Treffpunkt postiert. Dort wurde er verhaftet. "Es handelte sich aber nur um einen Läufer, den Anführer der Bande haben wir nie bekommen. Ich habe Monate später sogar gesehen, wie er im Internet geprotzt hat."

Drei weitere Betrüger sitzen gerade wegen seiner Ermittlungen im Gefängnis. Kein Wunder, dass er ab und zu selbst zur Zielscheibe wurde und Hacks oder Rufmord-Versuche abwehren musste. Kürzlich tauchte wieder mal eine schlecht zusammengebaute Website auf, die ihn diffamieren sollte. Der Detektiv sei für "Heirat unter Geschwistern und Sex mit Kindern", stand dort zu lesen. Außerdem würde er die AfD wählen. Lange war die Seite allerdings nicht online. Er weiß ja selbst am besten, wie man solche üblen Dinge wieder loswird.

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 Job-Porträt Cyber-Detektiv: "Ich musste als Ermittler über 1.000 Onanie-Videos schauen"
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Lanski 19. Nov 2018

Ich komme täglich wegen solcher genialen Forumsthreads die man sonst nirgends findet.

Lanski 19. Nov 2018

Exakt. Natürlich ist die Argumentation schon richtig: "Heutzutage sollte das nicht mehr...

Lanski 19. Nov 2018

+1 :)

serra.avatar 11. Nov 2018

naja dann denk mal genau nach, die "Väter" der IT, ja genau die die es dir heute...

Benutzer0000 08. Nov 2018

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