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Jensen Huang: Nvidia-Chef fordert "neue gesellschaftliche Normen" für KI

Nicht KI ist das Problem, sondern die Menschen? Nvidia-Chef Jensen Huang schlägt einen offeneren Umgang mit dem Thema KI vor.
/ Tobias Költzsch
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Nvidia-Chef Jensen Huang Anfang Juni 2026 in Südkorea (Bild: Jung Yeon-je / AFP via Getty Images)
Nvidia-Chef Jensen Huang Anfang Juni 2026 in Südkorea Bild: Jung Yeon-je / AFP via Getty Images

Der Chef des Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, hat sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press(öffnet im neuen Fenster) (AP) zum Umgang der Gesellschaft mit KI geäußert. In dem Gespräch verlangt er "neue gesellschaftliche Normen" im Umgang mit KI.

"Ich würde dafür plädieren, dass jeder KI nutzen sollte. Probiert es einfach mal aus", ergänzt Huang. Ihm zufolge wird sich die Gesellschaft an KI anpassen, wie sie sich vor über 100 Jahren an Autos angepasst hat. Damals seien Autos als tödlich vor allem für Kinder angesehen worden; die Welt habe aber Bürgersteige und Zebrastreifen eingeführt, um die Kinder zu schützen, so Huang.

Huangs Aussagen erfolgen in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen die KI-Entwicklung kritisch sehen. Zum einen steht die Frage im Raum, wie nützlich KI-Anwendungen für viele Konsumenten tatsächlich sind. Zum anderen gibt es Umwelt- und Ressourcenaspekte sowie politische und soziale Dimensionen.

KI braucht Energie und erzeugt Probleme

KI-Anwendungen benötigen Unmengen an Energie. Daher ist KI – anders als von Huang beschrieben – nicht kostenlos. Rechenzentren müssen mit Energie versorgt werden, die zudem oft zu Umweltproblemen führen. An immer mehr Orten auf der Welt stellen sich Anwohner daher gegen den Bau neuer KI-Rechenzentren.

KI führt zudem zu Entlassungen: Nicht nur bei Tech-Unternehmen werden Entwickler entlassen, weil die Firmen überzeugt sind, deren Aufgaben könnten von KI-Algorithmen erledigt werden. Junior-Entwickler haben Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden, da ihre Aufgaben an KI ausgelagert werden. Gleichzeitig beschweren sich erfahrene Entwickler darüber, dass sie ihre Arbeitszeit dafür verwenden müssen, den KI-generierten Code zu verbessern.

Der Golem-Blick

Inwieweit Jensen Huangs Vorschlag, dass die Gesellschaft sich mit neuen Normen auf KI einstellen muss und jeder einfach mal KI ausprobieren soll, entlassenen Angestellten hilft, ist mehr als fraglich. Sein Automobilvergleich würde zudem bedeuten, dass man die KI-Nutzung stärker regulieren müsste.

Ob Huang das als Chef des Unternehmens, das vom KI-Boom am stärksten profitiert, wirklich gefallen würde, sei dahingestellt. Hinter Huangs Bemühungen, KI gegen eine durchaus negative gesellschaftliche Wahrnehmung zu verteidigen, dürften mit Sicherheit wirtschaftliche Interessen stecken. Solange KI boomt, boomt auch Nvidia.


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