Jaxa: Mit einem Schleppnetz gegen Weltraumschrott
Nach Weltraumschrott fischen will die japanische Raumfahrtagentur, die Japan Aerospace Exploration Agency(öffnet im neuen Fenster) (Jaxa): Im kommenden Monat wollen die Japaner ein Netz ins All schießen, das in der Erdumlaufbahn aufräumen soll.
Das Netz aus Aluminium- und Stahldrähten soll an einem unbemannten Raumfahrzeug oder an einem ausgedienten Satelliten befestigt werden. Es ist mit Sensoren ausgestattet, die auf die Lichtreflexe von Schrottteilen reagieren. Entdecken die Sensoren ein solches Teil, wird es eingefangen.
Bremsen und absenken
Durch das Netz fließt Strom. Aus der Wechselwirkung des unter Strom stehenden Netzes mit dem Erdmagnetfeld entstehe Lorentzkraft, die das Schrottteil abbremse, so dass es abgesenkt werde und schließlich in der Erdatmosphäre verglühe, erklärt die Jaxa(öffnet im neuen Fenster).
Das Netz, das in der ersten Version rund 300 Meter lang sein wird, ließ die Jaxa von Nitto Seimo(öffnet im neuen Fenster) herstellen, einem japanischen Unternehmen aus der Fischereibranche. Es soll am 28. Februar ins All geschossen werden.
Millionen Schrottteile
In den verschiedenen Orbits kreisen Millionen von Teilen um die Erde. Die meisten sind kleiner als 1 Zentimeter. Rund eine halbe Million Objekte sind zwischen 1 und 10 Zentimeter groß und können bei einem Aufprall ein Raumfahrzeug beschädigen. Die US-Weltraumbehörde Nasa beobachtet ständig über 20.000 Objekte, die größer als 10 Zentimeter sind. Die meisten von ihnen sind etwa 1 Kilogramm schwer. Es gibt aber auch 1.500 Objekte, die mehr als 100 Kilogramm wiegen.
Wissenschaftler suchen deshalb nach Möglichkeiten, die Orbits aufzuräumen: Die Darpa etwa plant, Teile ausgedienter Satelliten wiederzuverwerten. Das Konzept sieht vor, statt neuer, großer Satelliten kleine Satlets in die Erdumlaufbahn zu schießen. Dort soll ein Weltraumreparaturfahrzeug den Satlet an Bord nehmen und mit ihm in den sogenannten Friedhofsorbit des geosynchronen Orbits (GEO) fliegen, wo der Satlet die Antenne eines ausgedienten Satelliten bekommt.
Schweizer Staubsauger
Schweizer Wissenschaftler wollen dem Schrott mit Cleanspace One beikommen: Der Satellit soll einen anderen Satelliten ansteuern, ihn mit einem Greifer packen und dann zusammen mit diesem in der Erdatmosphäre verglühen.
Andere Projekte sehen vor, von der Erde aus mit einem Laser auf den Weltraumschrott zu schießen. Der hochenergetische Laserpuls soll die getroffene Stelle des Schrottteils verdampfen. Dadurch entsteht laut Konzept ein Plasmastrahl, der wie ein Triebwerk wirkt und das Schrottteil aus seinem Orbit katapultiert. Es soll dann in der Atmosphäre verglühen.
Weniger oder mehr Schrott?
Die Japaner schließlich wollen den Schrott mit einem Schleppnetz aus dem Orbit fischen. Verläuft der Test erfolgreich, könnte ein neues, größeres Netz folgen. Dieses würde dann 10 Kilometer lang sein. Manche Experten bezweifeln jedoch den Erfolg des Projekts. Hugh Lewis, ein Raumfahrtingenieur an der Universität von Southampton, hält ein Netz für nicht sehr geeignet, um Weltraumschrott einzufangen.
Im Gegenteil könnte es noch mehr Schrott schaffen, wenn es mit einem Satelliten kollidiere, sagte er dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist(öffnet im neuen Fenster). Projekte wie das von der Jaxa sollten vor dem Start erst international geprüft werden, forderte Lewis.
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