Jaroslaw Kroczek von Boldare: "Gute Bezahlung reicht heute nicht mehr aus"

Ein Produkt, das niemand braucht, oder eine Recruitingstrategie, die nichts bringt: Jaroslaw Kroczek hilft mit seiner Entwicklerfirma Unternehmen als CTO as a Service, typische Fehler zu vermeiden.

Ein Interview von Maja Hoock veröffentlicht am
Jaroslaw Kroczek an seinem Arbeitsplatz bei Boldare
Jaroslaw Kroczek an seinem Arbeitsplatz bei Boldare (Bild: Boldare)

In einer Interview-Reihe befragen wir CTOs zu ihrer Arbeit, Tipps für Jobsuchende und Trends in der Technikwelt. Zum Schluss gibt es noch ein Ein-Antwort-Spiel. Lasst uns im Forum wissen, welche Kandidaten und Fragen ihr euch zusätzlich fürs nächste Interview wünscht. Alle CTO-Interviews der Reihe sind hier zu finden.

Ein häufiger Grund für gescheiterte Software-Projekte ist laut Studien, dass Kunden ein Produkt in Auftrag geben, das niemand braucht. Jaroslaw Kroczek und sein Team wollen solche Fehlschläge vermeiden und treten deswegen nicht nur als reine Entwickler auf, sondern auch als "CTO as a Service".

Mit zwei weiteren CTOs und rund 180 Mitarbeitern, darunter Scrum Master, agile Coaches, Software-Architekten und Entwicklerinnen und Entwickler, wollen sie eine typische Lücke schließen: die zwischen den Auftraggebern, die das Business verstehen, und Programmierern, die die Anwender verstehen.

Als Kind sei er immer der Nerd gewesen, der lieber Zeit mit seinem PC verbrachte als draußen beim Spielen, sagt Jaroslaw Kroczek. Jetzt ist er 36, hat einen Master in Informatik und war bereits Qualitätsanalyst, Software-Entwickler, Funktionsdesigner, Software-Entwicklungsmanager, technischer Leiter und Leiter der Produktentwicklung. Seit fast drei Jahren ist er Chief Technology Officer (CTO) von Boldare.

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Das Unternehmen für Software-Entwicklung, UX- und UI-Design, Scrum und Geschäftsentwicklung bietet auch CTO as a Service an: Diese Dienstleistung, bei der Kroczek mit einem von ihm zusammengestellten Team verschiedene technologische und strukturelle Probleme angeht, ist für Kunden kostenfrei. "Häufig entwickeln wir erst ein Produkt für die Kunden und dabei fallen uns Herausforderungen auf, die wir mit CTO as a Service angehen", sagt Kroczek.

Dabei setzt nicht eine einzelne Person ihre Expertise als Consultant ein, sondern das gesamte Unternehmen als eine Art "Super Consultant". Expertenteams entwickeln unter der Leitung von Kroczek Strategien für Entwicklungsprojekte, Team-Aufstellungen oder die Skalierung von Systemen in Unternehmen. Dabei übernehmen sie kollektiv klassische CTO-Aufgaben oder unterstützen CTOs bei größeren Herausforderungen. So hat Boldare etwa dem Mitfahr-Startup BlaBlaCar geholfen, in 27 Märkte weltweit zu expandieren, und arbeitet aktuell mit TUI zusammen.

Golem.de: Boldare bietet zusätzlich zum Entwicklungsgeschäft CTO as a Service an. Was genau unterscheidet CTO as a Service von normalem Consulting?

Kroczek: Häufig werden wir gar nicht direkt als CTO as a Service beauftragt, sondern zunächst erst einmal nur mit konkreten Aufgaben im Frontend oder Backend. Fallen uns dabei strukturelle Hürden auf, bieten wir CTO as a Service kostenfrei an. Wir helfen den Kunden, mehrere Produkte aufzubauen oder ein ganzes Portfolio. Manchmal haben die Unternehmen bereits eigene CTOs, mit denen wir dann eng zusammenarbeiten. Manchmal gibt es auch keinen CTO. Aber in jedem Fall kommen sie mit einem bestimmten Grund zu uns - entweder haben sie wenig Erfahrung mit Kollaborationen mit anderen Unternehmen, oder sie wissen vielleicht nicht genau, welche Kompetenzen sie gerade benötigen; zum Beispiel einen Scrum Master.

Golem.de: Was wird vom CTO as a Service verlangt? Gibt es Themen, die immer wieder auftauchen?

Kroczek: Häufige Themen sind der Aufbau eines Teams und wie man die Arbeit strukturieren kann, um schnell auf die Herausforderungen des Kunden zu reagieren. Ein anderes Thema ist, welcher Ansatz jeweils am besten zur aktuellen Produktphase passt. Zum Beispiel brauchen wir einen anderen Ansatz für den Aufbau eines MVP als für eine Skalierung eines Produkts.

Golem.de: Wie sieht das in der Praxis aus?

Kroczek: In meiner Rolle als CTO as a Service komme ich in Unternehmen, die ein neues Feld oder Produkt entwickeln möchten, aber nicht die nötigen Strukturen haben. Ich steige also für kurze Zeit dort ein, um die Herausforderungen und Ziele zu verstehen. Dann entwickle ich mit den verfügbaren Ressourcen meines Unternehmens eine Projektstrategie: Ich stelle Teams auf, bewältige organisatorische Herausforderungen durch die Leitung einer agilen Transformation, optimiere Prozesse für die Umsetzung in mehreren Teams und führe fachliche Designelemente ein. Im Gegensatz zu einem traditionellen CTO-Ansatz bieten wir eher Führung als eigene Entscheidungen zu treffen.

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Golem.de: Für welche Unternehmen haben Sie bereits als CTO as a Service gearbeitet?

Kroczek: Für Startups und etablierte Unternehmen mit eigenem CTO oder auch ohne, zum Beispiel für BlaBlaCar, Matic Services, Leaseweb und zahlreiche andere Unternehmen aus Europa, USA, dem Mittleren Osten und Nordafrika.

Golem.de: Könnten Sie ein konkretes Beispiel für einen Ihrer Kunden nennen?

Kroczek: Ein Kunde stellt unter anderem Tools für Bots und SMS-Benachrichtigungen zur Verfügung, zum Beispiel wenn eine Bank jemanden über ungewöhnliche Aktivitäten in seinem Account informieren möchte. Er bietet außerdem Zwei-Faktor-Authentifizierung für Banken und ein Tool der Regierung, um Unwetterwarnungen an die Bevölkerung zu schicken - also viele verschiedene Use-Cases und Lösungen für unterschiedliche Kundschaft. Wir arbeiten jetzt seit vier oder fünf Jahren mit diesem Unternehmen zusammen, am Anfang gar nicht als CTO as a Service. Wir sollten sie ursprünglich nur als Partnerfirma beim Aufbau des Frontend-Parts der Systeme unterstützen.

Golem.de: Wie kam es dann dazu, dass CTO as a Service nachgefragt wurde?

Kroczek: Unser Kunde hatte keine direkte Erfahrung mit den Systemen, die aber für einen Großteil seiner Einnahmen verantwortlich waren. Es lag alles in den Händen eines anderen Partnerunternehmens mit herstellereigenen und lizenzierten Lösungen für das Backend. Der Partner war skeptisch gegenüber Neuerungen im Entwicklungsprozess, die unseren Kunden dazu befähigt hätten, schnell auf den Markt zu reagieren. Wir haben festgestellt, dass diese Arbeitsweise nicht sonderlich effektiv ist. An dieser Stelle war CTO as a Service gefragt, um dem Kunden zu helfen, agiler und eigenständiger auf den Markt zu reagieren.

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''Technische Teams überinvestieren am Anfang oft'' 
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bofhl 09. Jun 2021 / Themenstart

Keine Ahnung, welche Projektleiter da hier im Forum so erleben durften - das alles was...

Trockenobst 08. Jun 2021 / Themenstart

Der Hauptgrund: viele von denen wollen gar keine IT machen, es bringt nur am meisten...

Slartie 08. Jun 2021 / Themenstart

Slartie: schreibt man mit h!

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