Jan Marsalek: Justiz bittet Russland um Rechtshilfe im Wirecard-Skandal

Die Staatsanwaltschaft hat die Festnahme und Auslieferung von Marsalek in Russland beantragt. Angebote, ihn zu verhören, gab es wohl schon länger.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Der ehemalige Wirecard-Vertriebschef Jan Marsalek ist weiterhin flüchtig.
Der ehemalige Wirecard-Vertriebschef Jan Marsalek ist weiterhin flüchtig. (Bild: Thomas Kronsteiner/Getty Images)

Die Münchner Justiz hat sich einem Bericht zufolge auf der Suche nach dem flüchtigen ehemaligen Wirecard-Vertriebschef Jan Marsalek an die russische Regierung gewandt. Vor Ostern habe die Staatsanwaltschaft ein Inhaftnahmeersuchen an den Kreml geschickt, berichtet die die Boulevardzeitung Bild (Paywall) unter Berufung auf Regierungskreise. Es enthält demnach die Bitte um Festnahme und Auslieferung nach Deutschland. Zudem soll auch der genaue Fluchtort aus dem Januar 2021 enthalten sein. Die Staatsanwaltschaft München I teilte auf Anfrage mit, man könne sich nicht zu Maßnahmen der internationalen Rechtshilfe äußern.

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Marsalek ist seit Sommer 2020 untergetaucht und wird in Russland vermutet. Dort soll er mit Impfstoff handeln. Marsalek ist eine Schlüsselfigur im Skandal um den kurz nach seinem Untertauchen zusammengebrochenen Finanzdienstleister Wirecard. Dem Bericht zufolge soll Marsalek sich in einem Versteck des russischen Geheimdienstes FSB befinden.

Laut Bild sollen vor Ostern auch zwei Münchner Staatsanwälte in der BND-Zentrale in Berlin gewesen sein, um dort geheime Akten zu Marsalek einzusehen. Demnach soll Russland Deutschland bereits vor längerer Zeit angeboten haben, Marsalek zu verhören, das Angebot sei aber nicht bei der Münchner Staatsanwaltschaft angekommen. Laut dem Magazin Der Spiegel soll der BND dieses Angebot wegen Bedenken abgelehnt haben. Demnach sei befürchtet worden, dass die Agenten in eine verfängliche Situation gelockt werden könnten, um sie vorzuführen.

Der Wirecard-Skandal

Der Zusammenbruch von Wirecard gilt als größter Betrugsfall in der Bundesrepublik. Inzwischen hat die Münchner Staatsanwaltschaft den ehemaligen Konzernchef Markus Braun und zwei weitere ehemalige Spitzenmanager angeklagt. Sie sollen seit 2015 die Bilanzen gefälscht und kreditgebende Banken um insgesamt 3,1 Milliarden Euro geschädigt haben - davon 1,7 Milliarden Euro an Krediten und weitere 1,4 Milliarden an Schuldverschreibungen. Brauns Verteidiger beteuern allerdings dessen Unschuld.

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Laut Anklage waren die Wirecard-Bilanzen von 2015 bis 2018 falsch - eine geprüfte Bilanz für 2019 kam schon nicht mehr zustande. Im Juni 2020 meldete die einst als deutsches Technologie-Vorzeigeunternehmen geltende Wirecard Insolvenz an. Auslöser waren bis heute vermisste 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Treuhandkonten verbucht waren.

Laut Ermittlungen waren dies jedoch Scheinbuchungen großen Stils. Wirecard wickelte als Zahlungsdienstleister Kreditkartenzahlungen an Ladenkassen und im Onlinehandel ab. Die mutmaßlich nicht existenten Milliarden wurden als Erträge von Partnerfirmen verbucht, die angeblich im Wirecard-Auftrag Zahlungen abwickelten.

Geschädigt wurden durch den Zusammenbruch nicht nur Banken und Investoren, sondern auch Zehntausende Aktionäre. Wirecard war nach dem Aufstieg in den Dax an der Börse 2018 zeitweilig über 20 Milliarden Euro wert.

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