James-Webb-Teleskop: Transport von 9.300 Kilometern übers Meer

Das James-Webb-Teleskop wurde über 9.300 Kilometer auf dem Meer transportiert. Doch wie verschifft man das weltgrößte Weltraumteleskop?

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Die MN Colibri traf am 12. Oktober im Hafen von Pariacabo am Fluss Kourou in Französisch-Guayana ein und hatte das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA an Bord.
Die MN Colibri traf am 12. Oktober im Hafen von Pariacabo am Fluss Kourou in Französisch-Guayana ein und hatte das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA an Bord. (Bild: Chris Gunn, NASA)

Das Weltraumteleskop James Webb soll am 18. Dezember 2021 in den Orbit gebracht werden. Doch vorher musste es zu seinem Raumhafen gelangen, den es nach einer 16-tägigen Reise am 12. Oktober erreicht hatte. Zuletzt stand auch noch eine 9.300 Kilometer lange Reise übers Wasser an. Sie führte von Kalifornien zunächst durch den Panamakanal, anschließend über den Kourou-Fluss nach Port de Pariacabo an der Nordostküste Südamerikas. Zielort war der europäische Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Von dort aus soll das Teleskop in den Weltraum gebracht werden.

Bisher wurden die meisten Komponenten des Webb-Teleskops über den Luftweg transportiert. Für den Flughafen von Cayenne in Französisch-Guayana sei dies aber keine günstige Option gewesen. Die 65 Kilometer lange Strecke zwischen dem Flughafen und dem Startplatz führt über sieben Brücken. Doch das Teleskop und sein Transportsystem seien laut der NASA einfach zu schwer dafür.

Zu groß für den Landweg

Das System STTARS ("Space Telescope Transporter for Air, Road and Sea", zu deutsch: Weltraumteleskop Transporter für Luft, Straße und See) wiege nämlich 76.000 Kilogramm, sei 5,50 Meter hoch, 4,60 Meter breit und 33,50 Meter lang. Das wäre ungefähr doppelt so lang wie ein Sattelauflieger.

Deshalb habe man sich laut der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA für den Weg übers Wasser entschieden. Außerdem hätte die Fahrt über Land circa zwei Tage in Anspruch genommen, was an der langsamen Reisegeschwindigkeit gelegen hätte. Zwischen acht und 16 Kilometer pro Stunde wäre man nur vorankommen. Außerdem hätte vorher jedes Schlagloch gefüllt, jede Ampel oder jedes störende Straßenschild entfernt werden müssen. Außerplanmäßige Erschütterungen hätten das vorzeitige Aus für das Weltraumteleskop bedeuten können.

Schnellere Reise über See

Gegenüber dem Landtransport wurde der Schiffsweg mit durchschnittlichen 15 Knoten oder 27 Kilometer pro Stunde durchgeführt. Zum Einsatz kam das Frachtschiffs MN Colibri, das speziell für den Transport von großen Raketenteilen und empfindlicher Nutzlast, zu der das James Webb definitiv gehört, entworfen wurde.

Eine Herausforderung beim Transport solcher Gerätschaften ist die Sauberkeit. Solange Webb auf der Erde ist, darf es nicht dreckig werden. Laut der NASA sei STTARS im Wesentlichen ein mobiler Reinraum. Der Schadstoffgehalt wird im i Inneren des Containers unter 100 Luftpartikel von einer Größe von 0,5 Mikron oder mehr gehalten. Ein halbes Mikrometer entspreche nur dem Hundertstel der Breite eines menschlichen Haares. Außerdem regelte ein System die Luftfeuchtigkeit und Temperaturen im Inneren des mobilen Reinraumes.

Einer der Begleiter auf der Reise war der Transportmanager Neil Patel bei Goddard. Er beschrieb die Besonderheit des Transports wie folgt: "Die Reise durch den Panamakanal mit Webb war ein einmaliges Erlebnis und eine erstmalige Aktivität für unser Team. Es war etwas ganz Besonderes, diese Sternwarte an den allerletzten Ort zu bringen, an dem sie sich auf der Erde befinden wird." Der Transport über Land, Luft und See dauerte für das Weltraumteleskop 16 Tage. Als Nächstes steht der Flug ins All an.

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