Wo Nvidia vorne bleibt
Vorne bleibt Nvidia bei der Verbindung aus Rechenwerk, Netzwerk und Systemintegration. NVLink koppelt in den Racks der GB300-Reihe 72 GPUs so, dass sie sich wie ein einzelner Beschleuniger ansprechen lassen(öffnet im neuen Fenster). OpenAI setzt bei Jalapeño auf Broadcoms Tomahawk-Technik, die Racks integriert der Auftragsfertiger Celestica. Das Netzwerk ist der Teil, den kaum jemand selbst baut. Was die Plattform wert ist, beziffert Huang je Gigawatt Rechenzentrumsleistung: 18 Milliarden US-Dollar bei Hopper, 25 bei Grace Blackwell, 40 bei Vera Rubin, jeweils einschließlich CPUs, Netzwerk, Systeme und Software.
Dazu kommt die Kadenz: Nvidia liefert jährlich eine neue Plattform, ein Custom-ASIC braucht im besten Fall neun Monate bis zum Tape-out, dann folgen Bring-up, Validierung und Rampe. Seit dem 24. August steht zudem ein eigenes Inferenzprodukt in der Serienfertigung. Groq 3 LPX ist auf schnelle Token-Ausgabe für agentische Lasten ausgelegt. Der Name stammt aus einem Lizenzgeschäft mit Groq Inc. über rund 20 Milliarden US-Dollar; übernommen wurde das Unternehmen nicht. Die Ankündigung fiel auf den Tag vor OpenAIs Benchmarks.
Hinzu kommt eine physische Schranke, die für alle gilt. TSMCs 3-Nanometer-Kapazität war im ersten Halbjahr 2026 vollständig ausgebucht(öffnet im neuen Fenster).
Beim Speicher ist es ähnlich, jeder HBM4-Stapel auf einem ASIC fehlt auf einer GPU. Nvidias Lieferverpflichtungen gegenüber Zulieferern stiegen binnen eines Quartals von 119 auf 279 Milliarden US-Dollar, überwiegend für Speicher. Wer heute einen ASIC auflegt, konkurriert um denselben Vorrat und hat die schwächere Verhandlungsposition.
Am Tag der Quartalszahlen wurde ein weiterer Schritt bekannt: Nach Berichten von The Information und Reuters(öffnet im neuen Fenster) hat sich Nvidia mit Hugging Face auf eine Übernahme für 12,9 Milliarden US-Dollar geeinigt, bestätigt hat das bisher keine der beiden Seiten.
Hugging Face setzt rund 150 Millionen US-Dollar im Jahr um und wurde 2023 mit 4,5 Milliarden bewertet, an jener Runde war Nvidia selbst beteiligt. Der Preis erklärt sich durch die Lage der Plattform im Ökosystem. Über sie laufen die offenen Modelle, mit denen OpenAI seinen eigenen Chip vermessen hat: GPT-OSS 120B, Deepseek R1 und Kimi K2.5. Wer offene Gewichte auf fremdem Silizium betreiben will, beginnt dort. Für Google, Amazon und Microsoft, die ihre Modelle ebenfalls dort einstellen, gehört die Verteilstelle künftig dem größten Wettbewerber.
Finanzierung als zweiter Graben
Nvidia hat parallel eine zweite Sicherungslinie aufgebaut. Zusammen mit Apollo, Blackrock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR will das Unternehmen über die Zeit mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren, vorerst als Absichtserklärung(öffnet im neuen Fenster).
In Beteiligungen an führenden KI-Laboren stecken knapp 50 Milliarden US-Dollar. Bei den KI-Clouds übernimmt Nvidia Abnahmegarantien und eine Mindestumsatzzusage, die den Kreditgebern die Finanzierung erleichtert, und wird an den Erlösen oberhalb dieser Untergrenze beteiligt(öffnet im neuen Fenster).
Die maximale Brutto-Garantiezusage beträgt 108,5 Milliarden US-Dollar, der größte Teil entfällt auf den Campus von SB Energy im südlichen Ohio, der Nvidia-Rechenleistung für OpenAI beherbergen soll(öffnet im neuen Fenster). Wer den Bau finanziert, sitzt am Tisch, wenn über die Bestückung entschieden wird. Das erklärt, warum OpenAI eigene Chips entwickelt und sich zugleich bis 2030 zu Nvidia-Installationen im Umfang von rund 12 Gigawatt verpflichtet hat(öffnet im neuen Fenster).
Finanzchefin Kress hat das im Analystencall gegen den Vorwurf der Kreislauffinanzierung verteidigt. Huang begründet das mit der Umlenkbarkeit der Hardware: Die Rechenplattform sei langlebig und lasse sich für andere Kunden einsetzen, das Risiko sei daher begrenzt. Drei Posten verdienen dennoch Aufmerksamkeit: Der Lagerbestand stieg von 25,8 auf 31,6 Milliarden US-Dollar, vor allem wegen Vera Rubin. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erreichten 63,1 Milliarden US-Dollar, die Außenstandsdauer kletterte von 45 auf 60 Tage.
Und der operative Cashflow lag bei 24,1 Milliarden US-Dollar, gegenüber 15,4 Milliarden im Vorjahresquartal und 50,3 Milliarden im Vorquartal. Bei diesem Wachstum ist das erklärbar. Bei einer Abkühlung wäre es der erste sichtbare Riss.
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