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Doctorow: USA haben ihren Ruf verspielt

Doctorow argumentiert, dass die Aufhebung des Schutzes zwar einige Firmen benachteilige, aber viele andere Unternehmen und vor allem die Verbraucher davon profitierten: "Es sind nicht nur Menschen wie wir, die dieses ganze verdammte Jahrhundert schon darum kämpfen, sondern auch Länder, die Amerikas Milliarden aus dem Techsektor in Treibstoff für eine Einwegrakete umwandeln wollen, um ihren nationalen Technologiesektor in eine stabile Umlaufbahn zu bringen. Und es sind die Falken der nationalen Sicherheit, die sich Sorgen machen, dass Trump ihre Ministerien oder Traktoren lahmlegt, aber die sich auch zu Recht Sorgen machen, dass Xi Jinping ihre Solarzellen oder Batterien lahmlegt."

Durch Trump, aber auch die Vorgängerregierungen, hätten die USA ihren Ruf als sicherer Hafen für Finanzdienstleistungen und IT-Dienste verloren. Zudem habe Trump ohnehin schon Strafzölle verhängt, obwohl die übrigen Länder den USA beim Umgehungsschutz entgegengekommen seien. "Wenn jemand droht, dein Haus niederzubrennen, wenn du seinen Anweisungen nicht folgst, und er dein Haus dann trotzdem niederbrennt, musst du seinen Anweisungen nicht länger folgen" , sagte Doctorow.

Nur die Reichen profitieren

Zudem verweist er auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA, von der nur die Reichen profitierten. Man dürfe niemals vergessen, "dass das postamerikanische Internet gut für die Amerikaner sein wird, denn in einem K-förmigen, gespaltenen, ungleichen Amerika(öffnet im neuen Fenster) kommen die Billionen, die amerikanische Technologieunternehmen aus der Welt plündern, nicht den normalen Amerikanern zugute" . Der durchschnittliche US-Amerikaner sei kein Aktionär der großen IT-Konzerne, "sondern deren Opfer" .

Es dürfte jedoch eher ein Wunschdenken bleiben, dass große Staaten das Jailbreaking legalisieren. Selbst wenn das in Ländern wie Kanada der Fall wäre, dürften die Produkte immer noch nicht in die EU eingeführt werden.

Doctorow setzt allerdings wenig Hoffnung in Bemühungen der EU, durch gesetzliche Regelungen wie das Gesetz über digitale Märkte (DMA) die monopolartigen Angebote der großen US-Konzerne zu brechen. "Jeder ernsthafte Versuch digitaler Souveränität braucht Migrationsinstrumente, die ohne die Zusammenarbeit mit großen amerikanischen Technologiekonzernen funktionieren" , forderte er und fügte hinzu: "Andernfalls baut man in Ostberlin Wohnungen für Menschen, die in Westberlin leben. Egal wie gut diese Wohnungen sind, niemand wird einziehen, solange die Mauer besteht."


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